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Echte Chance oder billige Arbeitskraft?

Ein Praktikum ist beim beruflichen Werdegang von großem Wert
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Foto: Fotolia/contrastwerkstatt
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Ein Praktikum bietet Schülern und Studenten die Möglichkeit, sich erste Arbeitserfahrungen anzueignen. Solche Erfahrungen leisten nicht nur einen wertvollen Beitrag zur eigenen Interessenbildung, sondern hübschen gleichzeitig den Lebenslauf auf. Denn wer sich nach dem Studium auf eine Festanstellung bewirbt, steigert mit Praktikumserfahrung seine Aussichten auf den Erfolg. Es gibt zahlreiche Argumente, die für das Absolvieren eines Praktikums sprechen.

Hilfe bei der Orientierung

Der wohl größte Vorteil ist das Sammeln von Berufserfahrung. Dies bringt Schüler und Studenten in vielerlei Hinsicht weiter. Während eines Praktikums lernen die Praktikanten den Arbeitsalltag eines Unternehmens hautnah kennen. Sie sehen aus nächster Nähe, worauf es bei der Arbeit ankommt und lernen, welche Aufgaben in den jeweiligen Jobs anfallen. Dies kann sich für spätere berufliche Entscheidungen als äußerst hilfreich erweisen. Auch ein Vorpraktikum zwischen Schule und Studienbeginn kann für Orientierung sorgen und ein guter Berater bei der Wahl des richtigen Studiengangs sein.

Des Weiteren ist ein Praktikum für bereits Studierende eine hervorragende Gelegenheit, die an der Universität erlernte Theorie in die Praxis umzusetzen. Solche Erfahrungen helfen, durch gezielte Auswahl der Fächer das Studium in die gewünschte Richtung zu lenken. So ist es auch nicht überraschend, dass eine Vielzahl von Studiengängen ein oder sogar mehrere Praktika im Laufe des jeweiligen Studiums verpflichtend vorschreiben.

Wichtige Kontakte knüpfen

Ein zusätzlicher Vorteil eines Praktikums ist das Knüpfen von Kontakten. Eine Vielzahl von Jobs wird intern oder über persönliche Beziehungen vergeben. Kontakte zu Arbeitgebern können sich daher als hilfreich erweisen. In manchen Fällen winkt nach Ende des Praktikums sogar eine Festanstellung. Aber auch zu einem späteren Zeitpunkt erinnern sich Arbeitgeber gerne an Praktikanten zurück, die ihre Arbeit zufriedenstellend erledigt haben. Menschen in Firmen zu kennen, bei denen man später einmal beruflich tätig werden möchte, schadet in keinem Fall.

Der Übergang vom Studenten- ins Berufsleben bringt einige Umstellungen mit sich. Wer als Berufseinsteiger durch vergangene Praktika bereits die Erfahrung gemacht hat, wie es ist, einer Vollzeit-Tätigkeit nachzugehen oder sich an bestimmte Gepflogenheiten und Umgangsformen in einem Unternehmen halten zu müssen, hat bei Eintritt ins Berufsleben einen deutlichen Vorteil. Ein Vorsprung, der sich auch gegenüber Mitbewerbern um einen Arbeitsplatz auszahlen kann. Denn: Praxiserfahrung durch Praktika wertet jeden Lebenslauf auf und ist bei Bewerbungen ein absoluter Pluspunkt.

Persönliche Erfahrungen

Ganz abgesehen von den beruflichen Erfahrungen, die ein Praktikum mit sich bringt, macht jeder Praktikant auch eine Reihe persönlicher Erfahrungen. So lernt man, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen, wie man mit Stresssituationen und Problemen fertig wird und wie leicht oder schwer einem der alltägliche Umgang mit Arbeitskollegen fällt. Sich seiner sogenannten Soft Skills bewusst zu werden, kann bei der Auswahl der richtigen Stelle durchaus nützlich sein. Auch wenn Praktikanten nicht immer Aufgaben mit hoher Verantwortung übernehmen, ist es eine gute Erfahrung, für den Erfolg eines Projekts oder einer Aufgabe verantwortlich zu sein und auch im Falle von Misserfolg dafür geradestehen zu müssen. Der Vorteil: Fehler machen ist erlaubt und wird einem Praktikanten schneller verziehen, denn sie sind in erster Linie zum Lernen im Unternehmen und genießen eine Art Welpenschutz.

Selbst wenn das absolvierte Praktikum nicht den eigenen Vorstellungen entspricht, die Aufgaben wenig spannend sind oder der Arbeitgeber bei näherer Betrachtung doch nicht zu den eigenen Interessen passt, war das Praktikum nicht umsonst, denn zu wissen, in welchem Tätigkeitsbereich man später nicht arbeiten will, bringt einen dem eigentlichen Ziel in jedem Fall einen Schritt näher. So können Bereiche, die in der Realität nicht den eigenen Wunschvorstellungen entsprechen, ausgeschlossen und der Fokus auf andere Berufe gelegt werden.

Wann davon abzuraten ist

Natürlich hat ein Praktikum nicht nur Vorteile. Der Faktor Zeit spielt eine entscheidende Rolle. Denn kurze Praktika ermöglichen es kaum, einen umfassenden Einblick in die Arbeit des Unternehmens zu erhalten und sind daher auch selten. In einem kurzen Praktikum werden dem Praktikanten deswegen auch selten Aufgaben mit großer Verantwortung überlassen. Es ist üblich, dass Praktikanten erst einmal nur daneben stehen und zuschauen müssen.

Aufgrund dieser Tatsachen lohnt sich ein Praktikum erst ab einer Dauer von drei Monaten und sollte idealerweise ein halbes Jahr dauern. Während des Studiums ist hierfür in jedem Fall ein Urlaubs- bzw. Praktikumssemester von Nöten. Für ein Praktikum zwischen den Semestern muss man Freizeit opfern. Ein weiteres Problem stellt die zumeist dürftige Praktikumsvergütung dar. Wer auf regelmäßige Einkünfte zur Finanzierung des Studiums angewiesen ist, für den reicht das Praktikumsgehalt oft nicht aus.

Wer vom ersten Tag an anspruchsvolle Aufgaben und Verantwortung übernehmen möchte, könnte in einem Praktikum enttäuscht werden. Praktikanten sollen lernen und werden selten von Beginn an mit wichtigen Aufgaben betraut.

Wer sich kurzfristig dazu entschließt, einen Praxisblock in sein Studium einzubauen, hat meist schlechte Karten. Denn auch für Praktika ist ein Bewerbungsverfahren erforderlich. Es benötigt die Einsendung von Bewerbungsunterlagen und das Absolvieren eines Vorstellungsgesprächs. Bis zur endgültigen Zusage können mehrere Wochen oder gar Monate vergehen.

Ein Praktikum eignet sich daher nicht für jede Lebenssituation. Gerade für berufsunerfahrene Schüler und Studenten überwiegen die Vorteile . Sorgfältig geplant, kann ein Praktikum ein wichtiger Wendepunkt im beruflichen Werdegang eines jungen Menschen sein.

Dennis Tuczay

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