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Boreout statt Burnout: Langweilt dich dein Job? Vorsicht, das kann krank machen

Von Boreout spricht man, wenn Langeweile im Job zu starken Stressreaktionen führt - denn auch Unterforderung kann krank machen. Boreout ist quasi die Kehrseite des Burnout und ist dabei nicht zu unterschätzen. Das solltest du wissen.
 
Bore-out - wenn Langeweile im Job krank macht
Dauerhafte Unterforderung im Job kann Körper und Geist stark belasten und zu einem Bore-out führen. Foto: Symbolfoto: pexels.com
  • Das Gegenteil von Burnout? Was ist ein Boreout?
  • Risikogruppen und Ursachen für ein Boreout
  • Symptome: Wie äußert sich ein Boreout?
  • Paradox: Erkennbare Ähnlichkeiten und Unterschiede von Burnout und Boreout
  • Therapie und Auswege

Das Gefühl ständig unterfordert zu sein kann dich innerlich auffressen: Boreout beschreibt einen Zustand, in dem Langeweile im Job zu Stressreaktionen im Körper führt. Der Begriff leitet sich vom englischen Verb "to be bored" ab, was auf Deutsch "sich langweilen" bedeutet. Betroffene sind so unterfordert, dass sie davon krank werden. Um psychisch gesund zu bleiben, ist aber eine Balance zwischen An- und Entspannung entscheidend. So kann nicht nur ständige Überforderung Körper und Geist durcheinanderbringen. Auch permanente Unterforderung belastet.

Boreout erkennen: Auch Unterforderung bedeutet Stress

Im Job die Zeit totschlagen zu müssen, kann quälend sein. Der Mensch braucht das Gefühl etwas zu schaffen, zu erleben sowie gebraucht und geschätzt zu werden. Die chronische Unterforderung führt daher nicht nur zu Langeweile, sondern raubt dem Menschen auch das Gefühl eines sinnhaften Lebens.

Betroffene fühlen sich nutzlos in einer Gesellschaft, die ihrem Empfinden nach nur auf Leistung ausgerichtet ist. Keiner soll und darf mitbekommen, dass ihre Leistung gering ist. Betroffene haben meist Angst um ihren Job und beginnen, anderen Mitarbeitern vorzuspielen, sie würden arbeiten, obwohl gar nichts mehr zu tun ist. Dies führt zu einem Gewissenskonflikt, denn das Verhalten widerspricht den Interessen der Arbeitgeberseite. All dies bedeutet Stress.

Doch nicht nur chronische Unterforderung kann zu einem Bore-out führen, auch monotone Arbeit kann das Syndrom auslösen. Zum ersten Mal trat Bore-out als Begleiterscheinung bei der Einführung des Fließbandes in der industriellen Produktion auf. Auch in Büros gibt es sich ständig wiederholende Arbeiten. Wer immer dasselbe tut, versinkt in Routinen. Menschen brauchen Abwechslung und Herausforderungen. 

Ursachen und Risikogruppen eines Boreouts

Während Burnout - also die Überarbeitung - mittlerweile gesellschaftlich akzeptierter ist, haben Boreout-Betroffene große Angst missverstanden zu werden und als faul zu gelten. Doch haben gerade Menschen, die leistungsorientiert und hoch motiviert sind, ein höheres Risiko ein Boreout zu entwickeln. Hohe Erwartungen an den Beruf sind erstmal nicht problematisch. Wenn folgende Faktoren zusammenkommen, steigt das Risiko für ein Boreout allerdings stark an:

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  • zu wenige oder den eigenen Fähigkeiten nicht entsprechende Aufgaben
  • ein monotoner, nicht abwechslungsreicher Arbeitsalltag
  • ausbleibende Erfolgsmöglichkeiten
  • kaum Feedback vom Vorgesetzten 
  • fehlende Anerkennung und Wertschätzung

Betroffen sind häufig Menschen in einer festen Anstellung, weniger Selbstständige oder Menschen in freien Berufen. Bei Letzteren tritt hingegen häufiger ein Burn-out auf. Menschen, die gut ausgebildet sind und die in einer großen Institution mit starren Hierarchien arbeiten, sind besonders gefährdet. Obwohl sie gut bezahlt werden, bleibt hier oft wenig Spielraum für Kreativität und Eigenengagement.

Symptome: So äußert sich die Berufskrankheit Boreout

Wie beim Burn-out gibt es bei einem Boreout keine international festgelegten Diagnosekriterien. Es gibt wenig Trennschärfe zu einer Depression. Hier gibt es große Forschungslücken, die es noch zu schließen gilt. Die Leitsymptome der Berufskrankheit sind innere Leere und das Gefühl beruflich in einer Sackgasse zu stecken. Die Betroffenen empfinden kaum noch Freude an ihrer Arbeit und diese Freudlosigkeit im Job weitet sich auf alle Lebensbereiche aus. 

Das Leiden drückt sich häufig zuerst durch extreme Müdigkeit aus. Gleichzeitig entwickeln Betroffene Probleme beim Schlafen und berichten als Erstes darüber, dass sie, durch die Situation am Arbeitsplatz, erschöpft seien. Folgende körperliche und psychische Symptome können auf Dauer hinzukommen:

  • Schlafstörungen 
  • Kopfschmerzen und Schwindel
  • Appetitlosigkeit/Magen-Darm Beschwerden
  • Libidoverlust
  • Infektanfälligkeit
  • Depressionen
  • Gereiztheit

Boreout versus Burnout

Paradoxerweise gleichen die Symptome eines Boreouts denen eines Burnouts. Beide Berufskrankheiten beschreiben einen Erschöpfungszustand, der bei einem Boreout aus Langeweile und bei einem Burnout aus Überarbeitung und Stress im Job entsteht. Bei beiden gibt es keine feststehende Diagnose und keine medizinische Definition.

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Wie bei einem Burnout kommt die Erschöpfung schleichend. Der Verdacht eines Burn-outs liegt oft näher, als der eines Boreouts. Die beiden Erkrankungen sind nicht trennscharf voneinander abzugrenzen, was die Diagnosefeststellung häufig erschwert. Mit genauerer Beschreibung und dem Erfassen der persönlichen Umstände erkennt der Psychotherapeut aber den Unterschied zwischen Boreout und Burnout. Folgende Symptome unterscheiden sich, da sie nur bei einem Burnout auftreten:

  • schlechte Konzentration 
  • Atembeschwerden
  • ständiges Druckgefühl
  • Angstzustände
  • Gedächtnisprobleme
  • verringerte Entscheidungsfähigkeit

Auswege aus dem Boreout

Vielen Betroffenen hilft es bereits zu hören, dass permanente Unterforderung ebenso krankmachenden Stress erzeugt wie dauerhafte Überforderung. Boreout-Betroffene trauen sich häufig nicht, Hilfe zu suchen. Schamgefühle und die Angst vor Verurteilung kommen oft zu den vorigen Symptomen dazu.

Boreout ist mit einer Psychotherapie gut behandelbar. Manchmal ist eine stationäre Behandlung von sechs bis acht Wochen sinnvoll, aber meist reicht auch schon eine ambulante Verhaltenstherapie, um die Probleme zu lösen. Neben einer ambulanten oder stationären Psychotherapie, können Betroffene aber auch selbst einige Tipps anwenden, die helfen, dem Boreout vorzubeugen beziehungsweise einen Ausweg zu finden:

  • Bestandsaufnahme: Führe über mehrere Tage ein Tagebuch und stelle so fest, wie viel Zeit du täglich wirklich mit Arbeit verbringst und wie viel Zeit du mit anderen Dingen füllst. Möglichst detailliert notierst du, wann du was tust.
  • Gespräch mit dem Arbeitgeber: Es ist eine Überwindung mit dem Chef zu sprechen, aber es kann sich lohnen. Nicht über das eigene Befinden zu sprechen, verbessert die Situation nicht. Es ist wichtig, ehrlich zu kommunizieren, wenn du dir mehr Herausforderung wünschst und dich aktuell unterfordert fühlst. Wenn du dir vorher überlegst, was dich besonders interessieren könnte, kannst du vielleicht einen Vorschlag zur Verbesserung machen. Wichtig ist hier, realistisch zu bleiben und auch nicht zu viel zu wollen. Eine Überforderung ist genauso schlecht wie eine Unterforderung!
  • Jobwechsel: Wenn du dem Gefühl einfach nicht entkommst, hilft manchmal nur ein Arbeitgeberwechsel. 
  • Freizeitbeschäftigung ausbauen: Ein sinnstiftendes Hobby oder Beschäftigung kann helfen, trotz eines monotonen Jobs ein Bore-out zu vermeiden. Vielleicht magst du dich in der Nachbarschaftshilfe engagieren, wohltätige Zwecke unterstützen oder ein altes Hobby wiederbeleben. 

Wer vor allem im Herbst und Winter mit ähnlichen Symptomen wie bei einem Burnout oder Boreout kämpft, sollte überprüfen, ob möglicherweise eine Depression vorliegen könnte.

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