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Bildschirmpause: Dieses Gesetz am Arbeitsplatz kennt kaum jemand - was du deshalb wissen solltest

Die stetige Arbeit am Bildschirm kann dich schnell auslaugen. Per Gesetz gibt es deshalb zum Schutz der Arbeitnehmer*innen eine Bildschirmpause, die jedoch kaum jemand wahrnimmt.
Arbeitest du viel am Bildschirm, sind regelmäßige Pausen sehr wichtig.
Arbeitest du viel am Bildschirm, sind regelmäßige Pausen sehr wichtig. Foto: CC0 / Pixabay / Pexels
  • Mögliche Effekte von einer hohen Bildschirmzeit
  • Gesetzliche Regelungen für Arbeitnehmer*innen
  • So könnte eine Pause aussehen
  • Fazit

Arbeitest du in deinem Beruf vorwiegend am Bildschirm, kannst du sicherlich nachempfinden, wie anstrengend dies sein kann. Doch nicht nur das: Es kann auch krank machen. Zur Vorbeugung gibt es ein Gesetz, welches die Gesundheit von Arbeitnehmer*innen mit einer hohen Bildschirmdauer am Tag schützen soll. Es ist wichtig, dieses zu kennen, um selbst davon Gebrauch machen zu können.

Effekte von hoher Bildschirmzeit und die Regelungen

Im Auftrag des Digitalverbands Bitkom wurde eine Umfrage durchgeführt, die unter anderem die Bildschirmzeit der Deutschen repräsentativ darstellt. Nach zwei Jahren Pandemie konnte eine deutlich höhere Bildschirmzeit als davor festgestellt werden. Insgesamt beträgt die durchschnittliche Bildschirmzeit etwa 10 Stunden pro Tag; das macht 70 Stunden in der Woche.

Sitzt du zu lange vor dem Computer, kann dies nicht nur deinen Rücken, sondern auch deine Augen und deinen Nacken schädigen. So kommt es nicht selten vor, dass Menschen, die viel am Computer arbeiten, über schmerzende Augen, Verspannungen im Nacken und Schultern oder Rückenschmerzen sowie Kopfschmerzen klagen.

Die voranschreitende Digitalisierung erfordert entsprechende Richtlinien im Arbeitsschutzgesetz. Diese sind insbesondere für alle wichtig, die ihren Job überwiegend oder ausschließlich vor einem Monitor erledigen. Was kaum jemand weiß: Die sogenannte Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV) gab es bereits seit 1996. Seit 2016 ist die Verordnung Teil der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und existiert daher in dieser Form nicht mehr.

Dieses Recht steht dir zu

In der Bildschirmarbeitsverordnung sind gewisse Standards festgelegt, welche einen Schutz der Gesundheit der Arbeitnehmer*innen garantieren sollen. Dabei geht es unter anderem um die Geräte an sich, an die Anforderungen an den Arbeitsplatz und die Gestaltung der Tätigkeiten.

Unter dem Aspekt der Gestaltung der Bildschirmarbeitsplätze wird festgehalten, dass der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin dafür Sorge trägt, dass die Tätigkeit ihrer oder seiner Angestellten durch regelmäßige Erholungszeiten oder andere Tätigkeiten unterbrochen wird. Im Büro ist es meist möglich, die Arbeit am Rechner für ein Telefonat oder einen Botengang zu unterbrechen. Gibt es keine Tätigkeiten neben der Bildschirmarbeit zu erledigen, gilt dennoch der Anspruch auf eine bezahlte Pause zusätzlich zur Mittagspause.

Das Problem hierbei ist, dass im Gesetz weder festgeschrieben ist, wie eine solche bezahlte Pause in der Praxis aussehen könnte, noch wie lange sie andauern sollte. Anders ist es beispielsweise in Österreich. Hier gilt, dass nach 50 Minuten ununterbrochener Bildschirmarbeit ein Tätigkeitswechsel oder eine Pause, bestenfalls mit etwas Bewegung, von mindestens 10 Minuten eingelegt werden sollte. Solche Pausen können dich wacher machen, sowie dich produktiver und erfolgreicher arbeiten lassen.

Mögliche Gestaltung und Umsetzung der Pause

Wie eine solche Pause aussehen könnte, erklärt beispielsweise die Bundesärztekammer im Ärzteblatt. Empfohlen wird für jede der Pausen, dass einer oder mehrere dieser Punkte eingehalten wird:

  • Tief ein- und ausatmen, um sich etwas zu entspannen.
  • Aufstehen, um wieder etwas besser denken zu können.
  • Fünf Minuten gehen. Dies tut deiner Stimmung, deiner Motivation und deiner Gesundheit gut.
  • Ein Glas Wasser trinken, um die von der DGE empfohlene Tagesmenge von 1,5 Litern am Tag zu erreichen.
  • Strecken, um einen krummen Rücken wieder geradezubiegen und Rückenschmerzen vorzubeugen.
  • Auf keinen Bildschirm schauen, auch nicht auf das Handy. Durch das blaue Lichtspektrum kann sonst dein Serotoninspiegel beeinflusst und dein Schlaf gestört werden.

Von der FAZ wird zudem geraten, dass mehrere kurze Pausen einen größeren Effekt haben als wenige lange. Gibt es bei dir im Büro keine Regelungen, kann es sinnvoll sein, den Chef oder die Chefin auf die gesetzliche Vorgabe aufmerksam zu machen. Diese*r hat ein Mitbestimmungsrecht in Bezug auf die Gefährdungsbeurteilung und die konkreten Pausenregelungen. Mit entsprechenden Regelungen fällt es einfacher, die Pausen einzuhalten. Reagiert dein*e Vorgesetzte*r nicht auf deinen Hinweis, kannst du dich alternativ an den Betriebsrat wenden.

Fazit

Um gesundheitlichen Schäden vorzubeugen, sollten regelmäßige kleine Pausen eingelegt werden, wenn du vorwiegend oder ausschließlich am Bildschirm arbeitest. Damit die Regelung eingehalten wird, lohnt es sich, dich an den Chef oder die Chefin zu wenden. Da es in dem entsprechenden Gesetz keine zeitlichen Vorgaben gibt, wäre es für Arbeitgeber*innen eine Möglichkeit, Regelungen zu beschließen. So wäre es eine Option, zu regeln, dass immer nach 50 Minuten eine kleine Pause von 10 Minuten eingelegt wird.

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