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Berufliche Auszeit

Sabbatical: So klappt es mit der Auszeit vom Job

Ein Sabbatjahr wünscht sich jeder zweite Arbeitnehmer. Pause machen vom Job, eine längere Auszeit nehmen, reisen – das sind die Hauptmotive für den bezahlten Sonderurlaub von bis zu einem Jahr. Das Sabbatical birgt aber auch Risiken und Nachteile.
Ein Sabbatjahr klingt für viele nach eine großem Traum.
Ein Sabbatjahr klingt für viele nach eine großem Traum. Foto: CC0 / Pixabay / Ildigo
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  • Was ist das Sabbatical?
  • Wie lange kann die Auszeit dauern?
  • Gibt es einen Rechtsanspruch?
  • Die sechs Sabbatical Varianten
  • Das sind die Gründe für eine Auszeit
  • Welche Finanzierungswege gibt es?

Eine berufliche Auszeit in Form eines Sabbatjahrs wird immer beliebter. Laut einer Studie des Karrierenetzwerks Xing aus dem Jahr 2017 hat jeder Zehnte bereits ein Sabbatical absolviert und gut jeder Fünfte liebäugelt damit. Die meisten Befragten (56,1 Prozent) erhoffen sich davon geistige und körperliche Erholung. 

Was ist das Sabbatical?

Der aus den USA stammende Begriff sabbatical (von hebräisch schabat: "aufhören", "ruhen"), haben Professoren an US-amerikanischen Universitäten geprägt, um damit ihr Forschungssemester oder Freisemester zu beschreiben.

Es handelt sich also quasi um eine längere Form eines Sonderurlaubs, der es Mitarbeitern erlaubt, sich zu erholen, andere Ziele zu verwirklichen oder privaten Projekten nachzugehen, ohne den Arbeitsplatz zu verlieren.

Im Gegensatz zu amerikanischen Professoren erhalten aber 'normale' Arbeitnehmer in dieser Zeit aber kein Gehalt. Im Anschluss an das Sabbatical kehren die Mitarbeiter in der Regel wieder in ihren früheren Job zurück und machen da weiter, wo sie vor der Pause aufgehört haben.

Wie lange kann die Auszeit dauern?

Die beliebteste Dauer des Sabbaticals ist ein volles Jahr. Daher wird es auch gerne "Sabbatjahr" genannt. Manche Firmen gestehen ihren Mitarbeiter*innen sogar bis zu fünf Jahre unbezahlten Urlaub, ohne dass ihr Arbeitsplatz gestrichen wird – das ist jedoch die absolute Ausnahme.

Auch sechs Monate können als Sabbatical interessant sein. Wieder andere Mitarbeiter nehmen sich dazu lediglich einen Monat Sonderurlaub.

Im Durchschnitt beträgt die Dauer einer solchen Phase zwischen drei ("Kurz-Sabbatical") und zwölf Monaten ("Sabbatjahr"). Es kann in vielfach aber erst nach mehrjähriger Betriebszugehörigkeit genommen werden.  

Gibt es einen Rechtsanspruch?

Einen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatical oder auf eine längere Auszeit gibt es im Arbeitsrecht nicht. Deshalb gibt es auch keine Stelle, wo man das beantragen kann. Lediglich Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst haben einen rechtlichen Anspruch. Vor allem Lehrer, Polizisten und Bedienstete der Finanzverwaltung machen davon Gebrauch. Die Regelungen variieren von Bundesland zu Bundesland. Üblicherweise ist das Sabbatical an den Antrag auf Teilzeitbeschäftigung geknüpft. Die Arbeitszeit kann um bis zu 50 Prozent verkürzt werden. Um in den Genuss eines Sabbaticals zu kommen, wird während der Teilzeitphase in Vollzeit gearbeitet. Das so angesparte Guthaben ist dann später die Basis für das Sabbatical. Die Sabbatical Regelung für den öffentlichen Dienst findet sich in § 91 Absatz 1 Bundesbeamtengesetz (BBG) in Verbindung mit § 9 Absatz 1 Arbeitszeitverordnung Bund (AZV).

Die entsprechenden Regelungen für Angestellte im öffentlichen Dienst finden sich in § 10 Absatz 6 TVöD. Danach kann unter Beteiligung des Personalrates der Arbeitgeber mit seinem Beschäftigten ein Langzeitkonto vereinbaren. Eine ausdrückliche Erwähnung des Sabbaticals findet sich in den Regelungen des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) in § 6 Absatz 2.

Auch in der chemischen Industrie gibt es eine vergleichbare Regelung. Die meisten Angestellten in der Privatwirtschaft haben aber keine Regelung. In diesen Fällen liegt es allein im Ermessen des Arbeitgebers, ob er ein solches Arbeitszeitmodell anbietet beziehungsweise auf Anfrage genehmigt. Je kleiner der Betrieb, desto schlechter stehen die Chancen. Knapp 20 Prozent der Unternehmen fördert aktiv Sabbaticals, ermittelte die Studie des Karrierenetzwerks Xing. Häufig macht der Arbeitgeber dem Mitarbeiter einen Strich durch die Rechnung. Nach Angaben der Befragten ist es in rund einem Fünftel (17,2 %) der Unternehmen auch schlichtweg nicht möglich, eine Auszeit zu nehmen. 

Drei Sabbatical Varianten...

Sabbatical durch unbezahlte Freistellung: Der Mitarbeiter wird von der Arbeit freigestellt, bekommt in der Zeit allerdings auch kein Gehalt. Es handelt sich hierbei de facto um ein "ruhendes Arbeitsverhältnis". Das bedeutet aber auch, dass sich die Arbeitnehmer in dieser Zeit selbst um seine Kranken- und Pflegeversicherung sowie Renten- und Arbeitslosenversicherung kümmern muss.

Sabbatical per Sonderurlaub: Solange das Sabbatical nicht länger als vier Wochen dauert, kann der Chef diesen als Sonderurlaub genehmigen. Vorteil: Die Sozialversicherungsbeiträge übernimmt bei der Beurlaubung weiterhin der Arbeitgeber. Ein Gehalt gibt es nicht.

Teilzeitmodell: Hierbei ist vor Beginn des Sabbaticals eine Teilzeitbeschäftigung vereinbart. Der Beschäftigte arbeitet für ein niedrigeres Gehalt weiterhin in Vollzeit. So wird Gehalt angespart ("Ansparphase"). Das vom Arbeitgeber einbehaltene Entgelt wird später mit dem Sabbatjahr ausgezahlt ("Freistellungsphase"). Voraussetzung für dieses Modell ist, dass der Mitarbeiter mindestens sechs Monate beschäftigt ist und der Betrieb mehr als 15 Mitarbeiter hat. So will es das Teilzeitgesetz (TzG). Der Chef kann diesen Teilzeitanspruch aus betrieblichen Gründen ablehnen.

... und noch mal drei

Sabbatical dank Arbeitszeitguthaben: Diese Variante ist die wohl am weitesten verbreitete. Dabei sparen die Mitarbeiter auf einem Arbeitszeitkonto über mehrere Jahre ihre Überstunden an und feiern diese dann auf einen Schlag ab. Vorteil: Hier erhält der Mitarbeiter während der Auszeit sein volles Entgelt und ist auch komplett sozialversichert, da die Überstunden nicht bezahlt, sondern nur angespart wurden. Nachteil: Das Modell funktioniert bei Vertrauensarbeitszeit nicht. Denn: Die Überstunden müssen offiziell erfasst und auf einem Konto festgehalten werden.

Sabbatical per Zeitwertguthaben: Dieses Sabbatical-Modell ist eine Variante der vorherigen – nur dass hierbei nicht nur Überstunden, sondern auch Weihnachtsgeld, Boni sowie ungenutzte Urlaubstage auf dem "Langzeitkonto" oder "Lebensarbeitszeitkonto" angespart werden. Diese Alternative muss natürlich im Arbeitsvertrag geregelt werden. Und die Mitarbeiter sollten sich durch ein sogenanntes "Contractual Trust Arrangement" (CTA) gegen eine Firmenpleite absichern. Sonst sind die angesparten Werte bei einer Insolvenz futsch. Wer bei diesem Modell ins Sabbatical geht, bekommt den Gegenwert seiner angesparten Boni oder Überstunden als Gehalt ausbezahlt und bleibt deshalb auch sozialversichert.

Sabbatical durch Kündigung: Du kündigst den Job, nimmst eine Auszeit von beliebiger Dauer und suchst dir danach einen neuen Job. Wer das Sabbatical durch Kündigung nutzt, verbindet es meist mit einer beruflichen Neuorientierung.

Das sind die Gründe für eine Auszeit

Die Sabbatical-Studie des Meinungsforschungsinstituts Fittkau & Maaß im Auftrag des Ferien-Appartement-Vermieters Wimdu fragte bereits 2016 nach den Gründen für die Auszeit: 

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57 Prozent der Befragten wollen Zeit für sich und eigene Interessen haben, ebenfalls 57 Prozent gehen auf Reisen.

54 Prozent möchten eine neue Perspektive finden und 50 Prozent einem Burnout vorbeugen. Sprachen lernen ist bei 30 Prozent beliebt. 21 Prozent wollen darüber sinnieren, wie sie ihr Leben verändern.

Welche Finanzierungswege gibt es?

Auch hierauf gibt die Sabbatical-Studie eine. Antwort: Die meisten Menschen in Deutschland (72 Prozent) wollen ihr Sabbatical über Rücklagen und Ersparnisse finanzieren.

21 Prozent würden am liebsten im Ausland arbeiten und reisen (Work& Travel). 12 Prozent können sich vorstellen, Mieteinnahmen zu nutzen und 10 Prozent hoffen auf eine Erbschaft.

8 Prozent überlegen ihr Auto oder andere Wertgegenstände zu verkaufen, nur 5 Prozent würden einen Kredit aufnehmen.

Auswirkungen auf die Rente

Die günstige Variante ist natürlich, wenn der Arbeitnehmer während Sabbatjahrs weiterhin sozialversichert ist. In diesem Fall muss man sich lediglich damit auseinandersetzen, wie sich das vorübergehend reduzierte Gehalt auf die Rente auswirkt.

Um eine mögliche Rentenminderung abschätzen zu können, ist es notwendig eine Modellrechnung anzustellen: Bei einem fiktiven monatlichen Bruttogehalt von 3.000 Euro, 38 Beitragsjahren und einem Sabbat-Jahr, in dem keine Beiträge in die Rentenkasse fließen, fehlen später etwa 30 Euro Rente.

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