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Darf ich im Urlaub für andere Arbeitgeber arbeiten?

Nicht jeder Arbeitnehmer möchte seinen Urlaub zum Entspannen nutzen. Mancher würde ihn gerne für einen Zweitjob einsetzen. Darf man das?
Ein Zweitjob anstatt Urlaub. Manche nutzen die Gelegenheit für anderweitige Arbeit. Geht das? Benjamin Nolte/dpa-tmn
Ein Zweitjob anstatt Urlaub. Manche nutzen die Gelegenheit für anderweitige Arbeit. Geht das? Benjamin Nolte/dpa-tmn

Um einer Leidenschaft nachzugehen oder zusätzlich Geld zu verdienen: Manche Arbeitnehmer würden im Urlaub gerne für einen anderen Arbeitgeber tätig werden. Ist das erlaubt?

Zur Beantwortung der Frage unterscheidet Jürgen Markowski, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Nürnberg, verschiedene Fälle. Wer ohnehin eine Nebentätigkeitsgenehmigung seines Arbeitgebers hat und üblicherweise einem Zweitjob nachgeht, für den besteht diese Möglichkeit auch während des Urlaubs.

Art, Dauer und Schwere der Arbeit sind entscheidend

Daneben besagt aber das Bundesurlaubsgesetz in Paragraf 8, dass "Arbeitnehmer während des Urlaubs keine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit leisten dürfen". Denn Ziel des Urlaubs sei die Erholung: "Man soll seine Leistungsfähigkeit wieder erlangen." Dem stehe es dann entgegen, wenn Arbeitnehmer ihre Arbeitskraft für einen anderen Job einsetzen.

Dabei komme es aber jeweils auf Umfang, Art und Dauer, Schwere und Regelmäßigkeit der Arbeit an: "Nicht jede Tätigkeit wird dem Urlaubszweck widersprechen. Das ist eine Einzelfallabwägung."

Im Paragraf 8 wird von einer „widersprechenden Erwerbstätigkeit“, also einer bezahlten Arbeit gesprochen – im Umkehrschluss heißt das: Alle unentgeltlichen Arbeiten, wie z.B. das Nachgehen eines Ehrenamts, die Renovierung im eigenen Haus oder Nachbarschaftshilfen sind auf jeden Fall erlaubt. Tätigkeiten, für die du im Urlaub zusätzlich Gehalt bekommst, könnten dir sogar gestattet werden, sofern sie deiner Erholung nicht im Wege stehen. 

Absprache mit dem Arbeitgeber ist wichtig

Was klar sein sollte: Arbeitnehmer brauchen in jedem Fall eine Nebentätigkeitsgenehmigung. In der Regel müsste der Arbeitnehmer einer Nebentätigkeit aber zustimmen, wenn die betrieblichen Interessen nicht eingeschränkt werden.

Wer also während seines Urlaubs für einen anderen Arbeitgeber arbeiten möchte, muss das seinem Arbeitgeber anzeigen. "Der wird natürlich nachfragen, in welchem Umfang das stattfinden soll. Es läuft ja auch seinen Interessen zuwider, wenn ich völlig erschöpft aus dem Urlaub wiederkomme", sagt Markowski.

Wann verstößt eine im Urlaub ausgeübte Tätigkeit gegen das Bundesurlaubsgesetz?

  • Konkurrenztätigkeiten, also Arbeiten die deinem Hauptarbeitgeber Konkurrenz machen sind durch das Wettbewerbsverbot generell verboten

Beispiel: Du arbeitest in der Gastronomie und konntest dir in deiner Zeit als Angestellter einiges an Fachwissen aneignen. Dieses Know-how möchtest du jetzt nutzen und nebenbei ein kleines Cafe eröffnen. Selbst wenn dich deine Tätigkeit dort zeitlich und körperlich kaum beansprucht, ist es verboten, da du im rechtlich unzulässigen Wettbewerb mit deinem Arbeitgeber stehst.

  • Verboten sind laut §8 Bundesurlaubsgesetz außerdem „Tätigkeiten, die dem Urlaubszweck widersprechen“. 

Beispiel: Um Freunden, die mehrere Bierkeller betreiben während der Hauptsaison zu unterstützen, nimmst du dir Urlaub. In dieser Zeit arbeitest du als Bedienung und verausgabst dich mit bis zu 60 Stunden die Woche so richtig. Nach Ablauf deiner Urlaubszeit bist du durch deine Tätigkeit so geschwächt, dass du nicht in deine Hauptarbeit zurückkehren kannst. In diesem Fall ist die Nebentätigkeit urlaubszweckwidrig, sie verhindert deine Erholung, kostet dich sogar einiges an Arbeitskraft und ist daher rechtlich nicht zulässig. 

Was passieren kann, wenn verbotenerweise im Urlaub gearbeitet wird

Da würden viele Arbeitgeber sehr genau hinsehen, so die Prognose des Arbeitsrechtlers. Wer sich einfach ohne Zustimmung des Arbeitgebers während seines Urlaubs im Zweitjob auspowert, verstößt gegen arbeitsvertragliche Pflichten. "Das kann eine Abmahnung nach sich ziehen und im wiederholtem Falle eine Kündigung", warnt Markowski. Solltest du dich während deiner Nebentätigkeit verletzen und nicht mehr deiner eigentlichen Arbeit nachgehen können, so kann dein Chef sogar Schadenersatz verlangen. 

Zur Person: Jürgen Markowski ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und in der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) tätig.