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Probezeit

Arbeitsrecht: Die 10 wichtigsten Rechts-Fragen zur Probezeit

Die Probezeit ist eine entscheidende Test- und Orientierungsphase für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Im Arbeitsrecht gibt es eine Reihe von Vorschriften. Was ist beispielsweise bei Krankheit, Kündigung oder wenn jemand schwerbehindert ist?
Sechs Monate Probezeit sind völlig normal.
Sechs Monate Probezeit sind völlig normal. Foto: CC0 / Pixabay / RonaldCandonga
  • Eine Probezeit von sechs Monaten ist die Regel
  • Geht alles glatt, gibt es kaum Probleme
  • Aber was ist bei Krankheit, Kündigung oder wenn man schwerbehindert ist?
  • Gesetze und Gericht schaffen Klarheit

Gerade zum Jahresanfang starten viele Arbeitnehmer im neuen Job. In der Probezeit gibt es zeitweise  Unklarheiten: Ist eine Kündigung bereits in der Probezeit und das noch ohne Grund möglich? Sind sechs Monate sakrosankt? Viele Fragen gibt es, manche Antworten sind falsch. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Ist eine Kündigung in der Probezeit möglich?

Dauert die Probezeit immer sechs Monate?

  • Nein: Sechs Monate sind zwar die Regel, aber kein Muss. Manche Tarifverträge verkürzen die Zeit. So beträgt die Kündigungsfrist nach dem Tarifvertrag für Maler und Lackierer in den ersten sechs Monaten sechs Tage, in den ersten zwei Wochen sogar nur einen Tag.
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 Gibt es immer eine Probezeit?

  • Nein: Die Probezeit ist nicht automatisch Teil eines Beschäftigungsverhältnisses. Sie muss im Arbeitsvertrag konkret festgehalten sein.

Kann man die Probezeit verlängern?

  • Ja: Eine Verlängerung in der Probezeit ist möglich, aber nur im gegenseitigen Einverständnis. Das hat Auswirkungen: In Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten greift nach sechs Monaten nämlich das Kündigungsschutzgesetz. Ab dann gilt eine verlängerte Kündigungsfrist von mindestens vier Wochen.

Ist der Betriebsrat bei einer Kündigung in der Probezeit durch den Arbeitgeber zu beteiligen?

  • Ja: Gibt es einen Betriebsrat, ist der zu beteiligen, allerdings die Anforderungen an die Anhörung sind nicht allzu hoch. Wichtig ist nur, dass der Arbeitgeber das Gremium überhaupt einschaltet.

Kann man in der Probezeit in den Urlaub gehen?

  • Nein: Grundsätzlich kann man auch in der Probezeit Urlaub nehmen. 24 Tage im Jahr oder zwei Tage pro Monat sind gesetzlich vorgeschrieben. Der volle Urlaubsanspruch besteht jedoch erst sechs Monate nachdem die Beschäftigung begonnen hat. Ob es allerdings klug ist, in der Probezeit Urlaub zu nehmen, muss jeder für sich entscheiden.

Gibt es in der Probezeit einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall?

  • Ja und Nein: Arbeitnehmer*innen haben Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, wenn sie mindestens vier Wochen ohne Unterbrechung im Unternehmen beschäftigt sind. Wird man also in den ersten vier Wochen im neuen Job krank, muss der Arbeitgebende für diese Zeit weder Lohn noch Gehalt fortzahlen. Leer gehst Du trotzdem nicht aus, in diesem Fall springt die Krankenkasse ein und zahlt Krankengeld. 

Ist der Beschäftigte bei der Betriebsratswahl in der Probezeit stimmberechtigt?

  • Ja: Wahlberechtigt bei den Betriebsratswahlen sind nach §7 BetrVG alle Arbeitnehmer des Betriebes, die das 16. Lebensjahr vollendet haben und die der Arbeitgeber als Arbeitnehmer bei den Sozialversicherungen angemeldet hat. Das sind in jedem Fall auch diejenigen, die sich in der Probezeit befinden. Übrigens: Die nächste BR-Wahl ist 2022.
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Haben Schwerbehinderte auch in der Probezeit einen besonderen Kündigungsschutz?

  • Ja und Nein: Grundsätzlich ist es möglich eine Probezeit von sechs Monaten zu vereinbaren, in dieser Zeit kann der Arbeitgeber auch Schwerbehinderten kündigen. Vor der Kündigung eines schwerbehinderten Beschäftigten braucht der Arbeitgeber nicht die Zustimmung des Integrationsamtes, eine Information ist ausreichend. Diese Regelung gilt aber nicht für die Schwerbehindertenvertretung, sie ist in jedem Fall zu beteiligen.

Haben Leiharbeiter im Einsatzbetrieb eine Probezeit?

  • Ja: Der Einsatz von Leiharbeitern erfolgt nicht aufgrund eines Arbeitsvertrages, sondern eines Überlassungsvertrages, der zwischen dem Verleiher und dem Entleiher abgeschlossen ist. Wird ein Leiharbeiter in den Entleihbetrieb übernommen, schließt er mit dem Entleiher einen neuen Arbeitsvertrag, in dem wiederum eine Probezeit möglich ist, auch wenn sich die Tätigkeit des Leiharbeiters nicht ändert. 

Zählt ein Praktikum als Probezeit?

  • Nein: Ein vorausgegangenes Praktikum ist nicht auf die Probezeit bei einer Ausbildung anzurechnen, so die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (BAG, Az.: 6 AZR 844/14), gleiches gilt bei einem Beschäftigungsverhältnis. 
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