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Energy Sharing: Teile Solarstrom 2026 profitabel mit den Nachbarn


Autor: Klaus Heimann

Deutschland, Dienstag, 09. Juni 2026

Die Möglichkeit zum Energy Sharing, also Solarstrom mit dem Nachbarn zu teilen, gibt es in Deutschland seit Juni 2026. Viele praktische Fragen der Umsetzung sind noch unklar. Immerhin gibt es erste Dienstleister für das "Handling".
Energy-Sharing steckt noch in den Kinderschuhen.


Warum nicht Strom vom Nachbarn kaufen? Im streng regulierten Strommarkt in Deutschland war das bislang nicht möglich. Seit Juni gibt es eine Änderung im Energiewirtschaftsgesetz (§ 42c EnWG). Sie macht diese neue Form der "gemeinsamen Nutzung elektrischer Energie aus Anlagen zur Erzeugung von Elektrizität aus erneuerbaren Energien", wie es schön in der Überschrift zum hinzugefügten Paragrafen heißt. Aber: Wie funktioniert das Energy Sharing (Stromteilung)? Gibt es Dienstleister, die die Organisation und das "Handling" übernehmen? Welche Hindernisse gibt es immer noch? Und: Wie profitierst du vom verkauften Lokalstrom? 

Ein Fallbeispiel aus der Praxis: Welche Hindernisse gibt es?

Dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) vertraute Ruth Lobach aus Grefrath in NRW an, sie würde gerne ihre Wärmepumpe mit Solarstrom betreiben. Obwohl sie in einem Doppelhaus wohnt, kommt eine eigene PV-Anlage für sie nicht infrage. Der Dachstuhl verursacht Probleme: "Man hat uns empfohlen, auf den alten Dachstuhl keine Solaranlage drauf zu setzen", berichtet sie. "Wir müssten also vermutlich auch den Dachstuhl erneuern, und das wäre sehr teuer."

Ehepaar Lobach hat trotzdem über eine gangbare Lösung nachgedacht, wie es an günstigen Solarstrom herankommt. Sie würde gerne den überschüssigen Strom von ihrem Nachbarn nutzen und natürlich auch bezahlen. Der kann zwar auch nicht den Dachstuhl für eine PV-Anlage nutzen. Aber: Für ihn lohnt sich die Produktion von Sonnenstrom deshalb, weil er an der Wand zur Südseite 16 Solarpaneele anbringen konnte. Der Nachbar, Hans-Gerd Sell, wäre bereit, seinen überschüssigen Strom an das Ehepaar Lobach zu verkaufen.

Theoretisch könnten die Beteiligten die neue gesetzliche Regelung nutzen, wenn sie denn wüssten wie. Sell hat viele Fragen: Was ist bei der technischen Umsetzung zu beachten? Welcher Strompreis ist für beide Seiten attraktiv? Und wie ist es mit der Steuer? Dass es Probleme gibt, bestätigt Energieberater Lennart Feldmann aus Köln, dem WDR. Die Politik sei diesmal schneller als die Praxis. Heißt konkret: Interessenten stehen noch vor einigen ungelösten Problemen und Hürden beim Energy Sharing.

Wie funktioniert das Energy Sharing (Stromteilung)?

Damit du Strom an den Nachbarn liefern kannst, brauchst du kein Extrakabel vom Speicher des Nachbarn zu deinem Zähler. Beim Energy-Sharing schickst du den Strom über das ganz normale öffentliche Stromnetz. Dafür zahlst du allerdings auch eine Netzgebühr (offiziell: Netzengelte). Sie machen etwa 20 bis 30 Prozent des Strompreises aus. Im Bundesdurchschnitt liegen die Netzentgelte 2026 bei rund 10,4 Cent/kWh. Das sind etwa 20 Prozent weniger als noch 2024. Die Höhe variiert stark nach Region.

Und so funktioniert das: Du hast eine PV-Anlage und lieferst den Strom an deinen Nachbarn, den du selbst nicht verbrauchst. Du bist also der Strom-Lieferant in der Sharing-Beziehung. Wichtig: Die PV-Anlage darfst du nicht überwiegend gewerblich nutzen. Das Sharing-Modell ist was für Privatleute, Vereine oder Kommunen. 

Der Sharing-Abnehmer, also dein Nachbar, kauft deinen Strom. Damit das auch funktioniert, benötigen beide Seiten einen Smart Meter (einen intelligenten Stromzähler). Dieser misst im 15-Minuten-Takt exakt, wann du Strom einspeist und wann dein Nachbar ihn verbraucht. Nur wenn Erzeugung und Verbrauch zusammenpassen, wird der Strom als "geteilt" verbucht. Da die Solaranlage nachts oder im Winter keinen Strom liefert, behältst du ganz normal deinen klassischen Stromvertrag mit einem Lieferanten, der den restlichen Bedarf abdeckt. 

Kannst du vom Lokalstrom profitieren?

Die Abnehmer im Energy-Sharing haben also zwei Stromverträge: ihren Vertrag mit dem Stromlieferanten und einen weiteren mit dem PV-Anlagenbetreiber, der seinen überschüssigen Strom verkauft.

Der frei verhandelbare Betrag, der zwischen der (niedrigen) Einspeisevergütung und dem hohen regulären Haushaltsstrompreis liegt, beträgt üblicherweise 13 ct/kWh, was ein fairer Preis ist. Das Energy-Sharing führt in der Regel zu einem niedrigeren Strompreis für den Stromabnehmer.

Du sparst also Stromkosten und dein Nachbar bekommt Geld für seinen überschüssigen Solarstrom, als bei staatlich garantierter Einspeisevergütung. Wirklich eine klassische Win-win-Situation. Und: Du weißt genau, woher dein Strom kommt (z. B. aus Windkraft oder Solaranlagen aus der Umgebung). Damit stärkst du die lokale Wirtschaft und treibst den Ausbau erneuerbarer Energien voran.

Gibt es Hilfe bei der Installation von Smart Meter?

Eine intelligente und ökologische Stromversorgung brauchte den digitalen Smart Meter, um kontinuierlich auf Daten zurückzugreifen. Über den Engpass bei intelligenten Messsystemen in Deutschland hat inFranken.de berichtet. Kernproblem: Die Ausstattungsquote mit modernen Stromzählern liegt in deutschen Haushalten nur bei 5 Prozent. Das ist der Grund, warum ein intelligentes Stromsystem immer wieder an Grenzen stößt.

Um das Problem über mehr Wettbewerb zu lösen, gibt es zwischenzeitlich sogenannte "wettbewerbliche Messstellenbetreiber (wMSB)" als alternative Lieferanten für einen Smart Meter. Firmen wie Voltus und Discovergy sorgen für einen schnelleren Einbau eines Smart Meters.

Sharing-Gemeinschaften weichen beim Zählertausch häufig auf diese privaten Dienstleister aus, um so die elend langen Wartezeiten von oft vielen Monaten zu umgehen. Die Kosten für einen Smart Meter belaufen sich auf 30 bis 140 Euro (ohne Installation)

Welche Dienstleister gibt es, die die Organisation und das "Handling" übernehmen?

Obwohl der Markt des Energy-Sharings noch sehr jung ist, gibt es erste Service-Dienstleister. Es ist davon auszugehen, dass es in Zukunft mehr Anbieter geben wird, die die Abwicklung von Energy Sharing als Dienstleister übernehmen. 

WeShareEnergy ist eine der ersten Plattformen in Deutschland, die sich darauf spezialisiert hat, Erzeuger und Verbraucher über das öffentliche Netz digital zu vernetzen. Und das sind die Dienstleistungen: WeShareEnergy stellt das Kundenportal, trackt die Energiedaten in Echtzeit und wickelt die Zahlungen ab. Für diesen Service verlangt der Verein 1 Cent pro genutzter Kilowattstunde. In die gleiche Richtung marschiert die Firma Metergrid, wobei hier der Schwerpunkt auf der Vermarktung von Mieterstrom liegt.

In Österreich hat sich neoom (KLUUB) als bedeutender Anbieter beim Service für Energiegemeinschaften etabliert. Die Plattform will in ihr Geschäftsmodell auch Deutschland zukünftig einbeziehen. Außerdem gibt es kleinere, regionale Netzanbieter (wie die EWS Elektrizitätswerke in Schönau), die die Stromteilung unter Nachbarn unterstützen. Energy Sharing ist eine attraktive Option, um die lokale Energiewende voranzutreiben und Kosten zu sparen.