Franken
Wetterprognose

"Horrorwinter" 2020: Erleuchten bald Perlmuttwolken den Himmel?

Bisher rieselte es kaum Schneeflocken in Franken. Der sehr milde Winter 2019/2020, der auch als "Horrorwinter" bezeichnet wird, könnte allerdings ein anderes Wetterphänomen in die Region bringen: "Perlmuttwolken" sind laut dem "Deutschen Wetterdienst" möglich.
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Update: Dank "Horrorwinter" - erleuchten Perlmuttwolken den fränkischen Himmel?

Wer seine Skier bereits im Keller geschliffen oder im lokalen Wintersportgeschäft auf den neuesten Stand bringen hat lassen, dürfte mies dreinblicken angesichts der aktuellen Wetterlage in Deutschland. Auch in Franken wird der Winter schmerzlich vermisst. Die Wintersportsaison läuft nicht an, kaum Weißes schneit vom Himmel und in den Höhenlagen, wie dem Fichtelgebirge oder der Fränkischen Schweiz, setzen Betreiber der Skipisten auf Schneekanonen.

Der schneearme Winter könnte allerdings auch schöne Seiten haben. Beispielsweise begünstigen die aktuellen Temperaturen als auch derzeit vorherrschende Windströme eine bestimmte Art von Wolken. Dieses Himmelsspektakel könnte auch Franken erwarten.

Perlmuttwolken über Franken? DWD erklärt Wetterphänomen im "Horrorwinter"

"Seit Mitte Dezember hat sich eine sehr hartnäckige West- bis Südwestwetterlage eingestellt", sagt Christian Herold, Meteorologe beim "Deutschen Wetterdienst". Es handle sich aktuell um eine der denkbar wärmsten Wetterlagen zu dieser Jahreszeit, ergänzt er. Vorerst wird der Winter keinen Einzug in Europa halten. Ein erster Pollenflug erreicht Deutschland. Derweil kursieren sogar erste Prognosen, dass der Sommer 2020 zu einem "Horrorsommer" inklusive einer neuen Hitzewelle werden könnte.

Dass Winterfreunde möglicherweise schneefrei und enttäuscht zurückbleiben, könnte Wolkenbeobachter freuen: Der "DWD" hält für möglich, dass sogenannte "polarstratosphärische Wolken (PSC)" Einzug in der Region halten. Bei dem Wetterphänomen handelt es sich um "Perlmuttwolken": Das sind Wolken, die Angaben des "DWD" nach, für deren Entstehung eine Temperatur von mindestens minus 78 Grad Celsius notwendig ist. In einer Höhe von 15 bis 30 Kilometern findet man solche Temperaturen im winterlichen "Polarwirbel". Dieser begünstigt die aktuell milde Wetterlage und bestimmt weitestgehend die Windströme in Europa. Aktuell hat sich der "Polarwirbel" in Richtung Skandinavien verschoben, wodurch "Perlmuttwolken" am fränkischen Himmel möglich sind.

"Perlmuttwolken" durch "Polarwirbel": Wie stehen die Chancen?

Der "Deutsche Wetterdienst" erklärt das Phänomen wie folgt: In der genannten Höhe mangelt es eigentlich an Wassermolekülen, die für die Bildung von Wassereis notwendig sind. Eine "Aerosolschicht", die sogenannte "Jungschicht", behebt dieses Problem. Hauptbestandteil dieser Schicht sind Schwefelsäuretröpfchen, an denen sich bei Minusgraden um minus 78 Grad Celsius, die wenigen Wassermoleküle ablagern. Aus dem Wasser-Schwefelgemisch entstehen schließlich die "polaren Stratosphärewolken". Die durch den "Polarwirbel" begünstigten niedrigen Temperaturen sorgen zudem dafür, dass aus dem Tröpfchen Kristalle werden. An diesen Kristallen wird das einfallende Sonnenlicht gebrochen. Die Wolken muten deshalb "perlmuttartig" an. Es kommt zu zahlreichen Lichtreflexionen, die sich teilweise überlagern und so unterschiedlichste Farbtöne zum Vorschein bringen.

Zuletzt waren solche Wolken 2016 in Mitteleuropa am Himmel zu sehen. Vor allem in den Abendstunden war das Himmelsspektakel erkennbar: Mehrere Sonnenuntergänge verfärbten sich. Der Abendhimmel war purpurrot gefärbt.

Ob und wie deutlich die "PSC" in den kommenden Tagen zu sehen sind, ist unklar. Der "Deutsche Wetterdienst" erwartet einen bewölkten Himmel in Deutschland. Allerdings kann es immer wieder zu Wolkenbrüchen kommen, so dass das Spektakel zum Vorschein kommt.

Erstmeldung: "Horrorwinter" 2020: Das steckt hinter den Warnungen

Vieles deutet darauf hin, dass der Winter 2019/2020 weltweit neue Temperatur-Rekorde aufstellen wird. Ein Experte spricht sogar von einer "Vorhersage des Grauens". Entgegen mancher Erwartung an die kalte Jahreszeit sind damit aber keine neuen Kälte-Rekorde gemeint.

Der Wetterexperte Stefan Ochs aus Herzogenaurach fügt den Prognosen noch eine weitere, spannende Beobachtung hinzu. "Abwechselnd bestimmt ausgeprägte Hochdruckwetterlagen und Westwetterlagen unser Wetter", so der Wetterochs.

Das sei jedoch kein neues Phänomen: "Wir haben es bis jetzt quasi mit einer Kopie des Winters 1988/1989 zu tun", so der Experte. Weiter sagt er: "Damals gab es dann Mitte Februar eine nasskalte Phase, in der sich lokal auch mal eine Schneedecke bilden konnte." Ob das erneut so sei, stehe jedoch natürlich in den Sternen.

Bisher konnte von hochwinterlichem Wetter in Deutschland nicht die Rede sein. Zwar gab es in den Alpen zwar etwas Schnee, in der Mitte und im Süden der Republik aber vornehmlich Schauern. Die Schneefallgrenze legte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am 18. Januar noch auf 400 bis 500 Metern fest. Die Temperaturen lagen deutschlandweit zwischen einem und sieben Grad.

Horrorwinter: Kommt er nun, oder doch nicht?

Wetter-Experten des DWD schließen das Szenario eines "Horrorwinters" nicht aus. Darunter verstehen sie allerdings einen eher milden und schneearmen Winter. Auch in den vergangenen Jahren waren weiße Weihnacht ebenso eine Seltenheit wie gutes Schlittenfahrwetter. Doch auch das Gegenteil will der Experte nicht ausschließen. Das zeigt, wie schwierig langfristige Prognosen sind - trotz moderner Technik.

Der DWD erstellt mit Hilfe von Computermodellen Jahreszeitenvorhersagen. Anhand dieser ist es möglich, die Temperaturabweichungen in Europa für die Wintermonate Dezember, Januar und Februar mit den Mittelwerten der vergangenen Jahre zu vergleichen.

Anhand dessen prognostiziert der DWD einen durchschnittlichen Temperaturanstieg von bis zu einem Grad in den Wintermonaten. Diplom-Meteorologe Simon Trippler fügt jedoch hinzu, dass die Jahreszeitvorhersagen in Europa in den vergangenen Jahren kaum zuverlässige Ergebnisse lieferten.

Wesentlich weiter aus dem Fenster wagt sich ein anderer Experte. Dominik Jung, Diplom-Meteorologe bei wetter.net, hat den Begriff des "Horrorwinters" ins Spiel gebracht. Er zieht einen anderen Vergleich als sein fränkischer Kollege. Vor 13 Jahren, so Jung, lag die Durchschnittstemperatur bei 4,4 Grad. In diesem Winter würden die Temperaturen vermutlich noch höher liegen. Voraussagen sehen die Mittelwerte der Monate von Dezember bis Februar bei 4,6 Grad - also 0,2 Grad über dem bisherigen Top-Wert.

Das Westwetter hat Einfluss auf den Winter in Franken

Das hat natürlich auch Auswirkungen auf Deutschland und Franken. Durch das West-Wetter werden wir vermutlich mit wenig Schnee bekommen. Laut Jung sind das Auswirkungen des Klimawandels.

Im Dezember herrschten in Bayern sogar die gleichen Temperaturen wie auf Mallorca. Angaben von wetter.net zufolge waren es am 17. Dezember in Piding (Berchtesgadener Land) 19,7 Grad, in Rosenheim 19,2 Grad. Die exakt gleiche Temperatur wie auf Mallorca gab es in Sigmarzell am Bodensee: 18,8 Grad Celsius zeigte das Thermometer dort zwischenzeitlich an.

Auch in anderen Bundesländern wie etwa Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz oder Nordrhein-Westfalen kam es zu diesen Temperaturen. Dominik Jung spricht einem "rekordwarmen Winter". Der Winter sei rund 2,8 Grad wärmer als im langjährigen Mittel.

Dass es 2019 keine weiße Weihnacht gab, lag laut Heiko Paeth, Professor für Geographie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg am Einfluss der Nordatlantischen Oszillation auf das regionale Wetter. Westwinde würden wärmere Luftmassen vom Atlantik zu uns treiben.

Hinzu komme, so erklärte Dominik Jung, dass die Sonne um den Jahreswechsel zwar weniger Kraft habe, dass den Temperaturanstieg auf bis zu 14 Grad aber nicht verhindert hätte. Er sprach von einer "Vorhersage des Grauens".

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Die genaue Vorhersage des Wetters ist also schwierig. Ob man gleich von einem "Horrorwinter" oder einer "Vorhersage des Grauens" sprechen muss, bleibt fraglich. Wahrscheinlich scheint es, dass es aufgrund von wärmeren West-Wetter zu einem milderen Winter kommt. Am sichersten ist es wohl, am Morgen die Nase kurz aus dem Fenster zu halten.

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