Grillen ist eine der Lieblingsbeschäftigungen der deutschen Bevölkerung. Das belegen auch Zahlen, die aus den Erhebungen des Datenportals "Statista" hervorgehen. 97 Prozent der Deutschen gaben an, gerne mal Fleisch oder Gemüse auf den Grill zu werfen, und auch die Ausgaben für Grillfleisch sprechen eine deutliche Sprache. Insgesamt 1,2 Milliarden Euro investierten Deutsche 2018 in Grillfleisch. Tendenz steigend.  Da ist es nur logisch, dass auch der Bedarf nach Grillkohle entsprechend hoch ist.

Viele Anbieter von Grillkohle werben damit, dass sie für ihre Kohle nur Holzreste aus Deutschland verwenden. Aus den Analysen des WWF, der Stiftung Warentest sowie dem Statistischen Bundesamt wird jedoch klar: Das entspricht nicht der Wahrheit.

Holzkohle aus dem Regenwald "Made in Germany"

In den Jahren 2017 bis 2019 wurden alleine nach Deutschland rund 642.000 Tonnen Holzkohle aus anderen Ländern importiert. In der Regel sind das Importe aus Polen, Paraguay oder der Ukraine. Doch diese Länder haben die Holzkohle zuvor ebenfalls importiert. Und das teilweise auch aus den Tropen. Beispielsweise wird die Holzkohle, die aus Nigeria importiert wird, nicht selten als Nebenprodukt von illegalem Regenwald-Raubbau gewonnen. Das geht aus der Analyse des WWF hervor. Sie konstatieren ernüchtert: Von 36 getesteten Holzkohleangeboten konnten in 19 entweder seltene oder gar gefährdete Holzarten nachgewiesen werden.  Viele davon auch mit einem Ursprung im tropischen oder subtropischen Bereich.

Als größtes Problem machen die Experten die fehlende Transparenz bei der Unterscheidung, mit welcher Art Holz man es nun im Supermarkt zu tun hat, aus. Die Stiftung Warentest stellte in einem Test aus dem Jahr 2019 fest: Bei mehr als der Hälfte der getesteten Grillkohlesäcke waren weder die Holzart noch die Herkunft angegeben. Außerdem konnten sie in fast jedem dritten Sack tropische Kohle nachweisen.

Zu ähnlichen Ergebnissen gelangte auch die Analyse des WWF aus 2018. Hier war nicht einmal jede fünfte Verpackung mit einer Angabe zu den verwendeten Holzarten versehen. Und selbst wenn mal die Herkunft angegeben war, stimmten die Laborergebnisse der Holzanalyse nicht mit den Angaben der Hersteller überein. Das große Problem: Selbst bei Angaben wie „Made in Germany“ oder „Kein Tropenholz“ war Tropenholz nachweisbar. Hergestellt in Deutschland bedeutet nämlich lediglich, dass die Kohle in Deutschland verarbeitet, mit Holzabfällen gestreckt und verpackt wurde. Woher das Holz stammt, wird nicht erfasst.

Illegal beschaffte Grillkohle - legal nach Deutschland importiert

Das legt die Frage nahe, warum diese irreführenden bis falschen Angaben in Deutschland möglich sind. Der Grund dafür ist, dass Deutschland die Herkunft der Holzkohle nicht selbst prüft. Stattdessen wird die Prüfung den herstellenden Ländern überlassen. Selbst bei in Nigeria hergestellter Holzkohle. Auf Nachfrage des WWF stufte das nigerianische Umweltministerium die Herstellung der Holzkohle im eigenen Land als illegal ein. Dennoch sei es laut Bundestag möglich, dass die Kohle "per se legal" importiert wird.

Wollen wir also die Abholzung des Regenwaldes nicht weiter unterstützen, müssen wir komplett auf das Grillen verzichten. Richtig? Falsch!

Denn es gibt trotz der schwierigen Umstände einige Indikatoren, um bei der Herkunft der Grillkohle sicherzugehen. Der Bund Naturschutz, das WWF und NABU empfehlen, auf das Naturland-Siegel oder das Forest Stewardship Council (FSC) zu achten. Nur diese Siegel würden Rohstoffe aus ökologisch verträglicher Holzwirtschaft garantieren. Mit dem Prüfzeichen „DIN EN 1860-2“ könne man darüber hinaus sichergehen, dass kein Pech, Erdöl oder Kunststoff in der Kohle enthalten sei.

Das Logo des Forest Stewardship Council ist auf Seite 45 der WWF-Analyse zu sehen

Das Prüfzeichen ist der Seite des TÜV zu entnehmen.