Der milde Winter begünstigt Zecken als Überträger von Krankheiten wie Borreliose und der Hirnhautentzündung FSME. Dauerte früher die Zeckensaison etwa von März bis Ende Oktober, so seien diese Spinnentiere inzwischen ganzjährig aktiv, sagen Zeckenforscher. Wir haben aktuelle Informationen im Newsticker:

Update vom 16.05.2020: Gefahr der Hirnhautentzündung 50 Prozent höher als 2019

Wenn man von einer Zecke gestochen wird, ist die Gefahr einer Infektion des Erregers der Hirnhautentzündung schon immer da gewesen. Doch wie die Mediziner der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen in München jetzt vermeldeten, ist die Gefahr der Infektion durch Zecken in diesem Jahr besonders hoch. Denn: Das Risiko einer Infektion mit dem FSME-Erreger der die Hirnhautentzündung auslöst, ist 2020 um 50 Prozent höher als zum selben Zeitraum im vergangenen Jahr. 

Einen Grund haben die Experten auch ausmachen können: Die Erwachsenen Zecken machen in diesem Jahr einen Anteil von 30 Prozent der Gesamtzahl aus – nicht wie sonst 10 Prozent. Erwachsene Zecken tragen den FSME-Erreger fünfmal häufiger in sich als heranwachsende Zecken, sogenannte Nymphen. 

Das Robert-Koch-Instituts gibt in einer Stellungnahme bekannt, dass man aufgrund der vorliegenden Zahlen nur von gut einem Drittel der Schulkinder mit einer Impfung gegen den gefährlichen FSME-Erreger ausgeht. In den vergangenen Jahren wurden in Bayern etwa 200 Fälle der gefährlichen Krankheit gemeldet.

Update vom 15.04.2020: Die Zeckenzeit beginnt

Für die Zecken habe das neue Jahr gut begonnen, sagt Olaf Kahl, Berliner Biologe und Zeckenexperte und Geschäftsführer der tick-radar GmbH. Diese beschäftigt sich bundesweit mit Forschungsprojekten zu Zecken. Eine Zählung an den drei Untersuchungsgebieten in Berlin und Brandenburg ergab ein leicht höheres Niveau im Vergleich zum Jahr 2019. "Doch die Trockenheit der vergangenen Wochen hat bei den Zecken für wenig Aktivität gesorgt.", sagt der Biologe. Wenn es wieder mehr regnen sollte, könne sie sich die Lage ändern.

Zecken können durch ihren Stich Bakterien und Viren übertragen. Diese lösen zum Beispiel Borreliose und die Gehirnentzündung FSME aus.

Experte warnt: Voraussichtliche Zunahme von Stichen und Infektionen wegen Corona

Olaf Kahl geht davon aus, dass es in diesem Jahr mehr Zeckenstiche geben wird als in den vorherigen Jahren. Mit Blick auf die Ausgangsbeschränkungen durch die Corona-Krise sagt er: "Weil momentan viel mehr Menschen ins Grüne gehen, rechne ich mit einer Zunahme von Stichen und Infektionen."

In Wäldern und Parks empfehle es sich, auf breiten Wegen zu laufen. Dann müsse man keine Zeckenstiche befürchten. Gefährlich werde es, sobald man die Wege verlasse: Zecken hielten sich gerne im Laubstreu auf. "Nach jedem Besuch im Grünen sollte man Körper und Kleidung genau nach Zecken absuchen", rät der Experte.

Update vom 13.03.2020: Zecken werden bald wieder aktiv

Mit den steigenden Temperaturen werden auch Zecken wieder aktiver. Mit den milden Wintern und heißen Sommern kommen auch neue Arten der blutsaugenden kleinen Spinnentiere ins Land. Einige Zecken können fiese Krankheiten im Gepäck haben. Die wichtigsten Fragen und Antworten gibt es hier im Überblick.

Warum werden Zecken jetzt wieder aktiv?

Zecken, die zur Gruppe der Milben gehören, brauchen über mehrere Tage hinweg Temperaturen von rund acht Grad, dann werden die Tiere aktiv. Die milden Winter der vergangenen Jahre haben nicht nur dazu geführt, dass das Zeckenaufkommen zunimmt. Einige Zecken sind mittlerweile auch in den Wintermonaten aktiv. Milde Winter und feuchte Sommer sind nach den Worten von Kathrin Kaltwaßer vom Naturschutzbund Nabu in Hessen die perfekte "Zecken-Kombi".

Wie gefährlich sind Zecken?

Der Stich an sich ist nicht gefährlich. Allerdings können die Tiere Viren oder Bakterien mit sich tragen und damit bei Menschen schwere Infektionskrankheiten übertragen. Die Zecke selbst erkrankt dabei nicht. "Zecken sind nur die Taxis", sagt Kaltwaßer. Für eine Erkrankung mit einer Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gibt es in Deutschland besondere Risikogebiete. Dazu gehören große Teile Bayerns, Baden-Württembergs, Südhessens sowie vereinzelte Gebiete in Mittelhessen, im Saarland und in Rheinland-Pfalz.

Welche Krankheiten können übertragen werden?

Die Tiere können eine Vielzahl von Infektionskrankheiten übertragen. Zu den bedeutendsten in Deutschland gehört die Bakterieninfektion Borreliose. Sie kann Gewebe, Gelenke, Organe oder das Nervensystem angreifen. Im Anfangsstadium kann die Krankheit mit Antibiotika behandelt werden. Unbehandelt können irreparable Langzeitschäden entstehen. FSME kommt überwiegend in Süddeutschland vor. Die Virusinfektion kann bei Patienten zu Entzündungen der Hirnhaut, des Gehirns oder des Rückenmarks führen und kann tödlich enden. Gegen FSME kann man sich impfen lassen. Es gibt eine Reihe weiterer Krankheiten, die dem RKI zufolge aber in Deutschland selten oder gar nicht beobachtet wurden.

Wie kann man sich gegen Zeckenstiche schützen?

Lange Hose, Socken drüber, heißt es in Empfehlungen. Nach einem Aufenthalt im Wald oder auf einer Wiese zu Hause nach möglichen Zeckenstichen absuchen. Die kleinen Tiere kommen praktisch überall vor, lassen sich von einem Grashalm oder einem Gebüsch abstreifen und suchen am Körper dann eine geeignete Stelle, um zuzustechen. Anders als Mücken stechen Zecken nicht sofort zu. Bevorzugte Stellen bei Menschen sind nach Angaben des RKI am Haaransatz, an den Ohren, an Hals, Achseln, Ellenbeuge, Bauchnabel, Genitalbereich oder der Kniekehle.

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf die Zecken?

Die beiden vergangenen trockenen Sommer führen nach Angaben des hessischen Sozialministeriums eher dazu, dass sich die Zecken in eine Laubschicht oder tiefere Regionen verkriechen und es so zu potenziell weniger Zeckenstichen kommt. Allerdings begünstigen die höheren Temperaturen auch, dass wärmeliebende Zeckengattungen sich ausbreiten, wie zum Beispiel die größere Zeckenart Hyalomma. Sie krabbeln auch aktiv auf ihre Beute zu und können das Krim-Kongo-Fieber übertragen, das tödlich sein kann.

Wie viele Erkrankungen gibt es aufgrund von Zeckenstichen?

An FSME erkranken in Deutschland dem RKI zufolge rund 300 Menschen jährlich. Bei Borreliose seien es unterschiedlichen Schätzungen zufolge mehrere zehntausend Fälle im Jahr. Laut dem hessischen Sozialministerium gab es bis Anfang März in Hessen aber noch keine Fälle von Erkrankungen durch Zeckenstiche.

 

 

 

Update vom 18.02.2020: Weniger Erkrankungen an FSME - Gründe noch unklar

An der von Zecken übertragenen Infektionskrankheit FSME sind in Deutschland im vergangenen Jahr deutlich weniger Menschen erkrankt als in den Jahren zuvor. Der Rückgang der bundesweiten Zahlen liege allerdings fast ausschließlich an der kleiner werdenden Zahl der Fälle in Süddeutschland und vor allem im Südwesten, teilten Wissenschaftler an der Universität Hohenheim in Stuttgart am Montag mit. Der Grund für diese Entwicklung sei allerdings noch rätselhaft.

"Nach dem Rekord-Zeckenjahr 2018 mit 607 Erkrankungen von Frühsommer-Meningoenzephalitis ist die Zahl 2019 auf 462 gesunken", sagte Gerhard Dobler, der Leiter des "Nationalen Konsiliarlabors für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)" am "Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr". Die Zahl sei in Baden-Württemberg um 115 Fälle gesunken, in Bayern um 24 Fälle. In den anderen Bundesländern sei die Zahl dagegen gleich geblieben.

"Eine Erklärung für diesen Rückgang im Süden und das gleichbleibende Niveau in den anderen Bundesländern haben die Experten nicht", sagte Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. "Die Zeckenaktivität war 2019 so hoch wie im Jahr 2018." Es gibt eine Impfung, die vor FSME nach einem Zeckenstich schützt.

Für Aufsehen hatten im vergangenen Sommer unter anderem Meldungen der Stuttgarter Wissenschaftlerin Ute Mackenstedt über Tropenzecken als mögliche neue Quelle für gefährliche Infektionen gesorgt. Nun gibt die Forscherin Entwarnung: das sogenannte Krim-Kongo Hämorrhagische Fieber und das Arabisch Hämorrhagische Fieber seien bislang in keiner Hyalomma-Zecke nachgewiesen worden, die zur Untersuchung in den vergangenen Monaten eingesandt worden war.

Die Arten der Zeckengattung Hyalomma sind eigentlich in Afrika, Asien und Südeuropa heimisch, sie zeigen sich aber zunehmend auch in Deutschland. In ihrem eigentlichen Verbreitungsgebiet ist Hyalomma dafür bekannt, den Erreger des sogenannten Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers, des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers und einer Form des Zecken-Fleckfiebers zu übertragen.

Die Experten aus Hohenheim warnen, dass exotische Zeckenarten mit Zugvögeln nach Deutschland eingeschleppt werden, sich entwickeln, Wirtstiere befallen und auch hier überwintern können. Sie müssten daher als mögliche Bedrohung für Menschen und Nutztiere in Deutschland angesehen werden.

Update vom 12.02.2020: "Bei Bodentemperaturen ab 7 Grad marschieren Zecken los"

Durch den milden Winter sind Zecken inzwischen auch im Winter aktiv. Experten raten daher, sich auch jetzt schon vor den Krabbeltieren zu schützen. Denn: Zecken übertragen Krankheiten wie Borreliose und die Hirnhautentzündung FSME. "Bei Bodentemperaturen ab 7 Grad marschieren sie los", sagt Zeckenforscher Jochen Süss der Deutschen Presse-Agentur. Hinzu komme, dass weitere Arten wie die Hyalomma-Zecke durch fehlenden Frost hierzulande überwintern können.

Durch die milde Witterung infolge des Klimawandels überleben die Tiere inzwischen den Winter. "Jetzt schafft sie es, auch in Deutschland ihren natürlichen Zyklus vom Ei über die Larve und Nymphe hin zum erwachsenen Tier zu durchlaufen." Die Hyalomma-Zecke ist nicht nur deutlich größer als der Gemeine Holzbock. Sie bewege sich auch mit relativ hohem Tempo auf ihren Wirt zu, erläuterte Süss. Und sie ist potenzieller Überträger des gefährlichen Krim-Kongo-Fieber-Virus.

Experten empfehlen Schutz

"Der größte Feind der Zecke ist Kahlfrost", betonte er. Der dezimiere ihre Zahl erheblich. Bleibt er aus, so sei in Feld und Wald mit einem deutlich wachsenden Zeckendruck zu rechnen. Hunde- und Katzenbesitzer etwa mussten in den vergangenen Wochen feststellen, dass ihre Vierbeiner beim Freigang von Zecken befallen waren und entsprechende Mittel zum Schutz einsetzen.

Ratsam sei es daher auch für Menschen, sich bei Aktivitäten etwa im Wald vor Zecken zu schützen. Dazu zählt eine geschlossene Kleidung und den Körper nach Aufenthalten in der Natur auf Zecken abzusuchen. Für FSME-Risikogebiete wird zudem eine Schutzimpfung empfohlen. Gegen die von Bakterien übertragene Borreliose gibt es keinen zugelassenen Impfstoff. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wurden 2018 583 FSME-Erkrankungen gemeldet, bei Borreliose wird von jährlich 214 000 Patienten in Deutschland ausgegangen.

Update vom 13.05.2019: Auwaldzecke erstmals in Norddeutschland nachgewiesen

Einer Bunt- oder Auwaldzecke ist laut einer Pressemitteilung der Uni Hannover erstmals in Norddeutschland nachgewiesen worden. Ein Forschungsprojekt möchte nun erfassen, wie verbreitet die Zeckenart in Deutschland ist.

Demnach steige die Gefahr, dass sich Krankheiten übertragende Zeckenarten in der Region Hannover ansiedeln. In diesem Jahr wurde in der Region erstmals die Buntzecke (Dermacentor reticulatus), die auch unter dem Namen Auwaldzecke bekannt ist, nachgewiesen. Zudem können Zugvögel tropische und subtropische Zeckenarten nach Deutschland einschleppen.

So sind im Jahr 2018 vermehrt Zecken der Gattung Hyalomma in Deutschland aufgetreten, die hierzulande normalerweise nicht vorkommen. Das Institut für Parasitologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) möchte untersuchen, wie verbreitet die verschiedenen Zeckenarten bereits sind und ob sie Infektionserreger tragen. Institutsleiterin Professorin Dr. Christina Strube sagt: "Wir bitten für unser Forschungsprojekt darum, uns Hyalomma- oder Auwald-Zecken mit Angabe des Fundortes zuzusenden. Der Fundort kann entweder mit der Postleitzahl oder mit GPS-Daten angegeben werden. Falls die Zecken auf einem Tier gefunden wurden, bitten wir auch darum, uns die Tierart zu nennen."

Wie sehen Bunt- oder Auwaldzecken aus?

Der Körper von Buntzecken ist emailleartig marmoriert. Sie können unter anderem Hundebabesiose - auch als Hundemalaria oder Piroplasmose bekannt - übertragen: Babesia canis canis, ein einzelliger, wenige Mikrometer großer Parasit, gelangt beim Zeckenstich mit dem Speichel in das Blut der Hunde und zerstört ihre roten Blutkörperchen. Betroffene Hunde haben häufig Fieber und sind geschwächt, da die Gewebe und Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Eine intensive Therapie ist nötig, um die Patienten zu heilen - in einigen Fällen kann die Krankheit sogar tödlich verlaufen. Hundebesitzer sollten daher besonders aufmerksam sein und viel Wert auf einen wirksamen Zeckenschutz legen.

Wie sehen Hyalomma-Zecken aus?

Zecken der Gattung Hyalomma sind auffällig groß und gut an ihren gestreiften Beinen zu erkennen. Besonders häufig wurden sie bisher bei Pferden gefunden. Hyalomma-Arten können unter anderem das Krim-Kongo-Virus sowie Bakterien der Gattung Rickettsia übertragen. Beide Erreger können beim Menschen schwere fieberhafte Erkrankungen auslösen. Die Wissenschaftler befürchten, dass mit den Zecken auch Krim-Kongo-Viren eingeschleppt werden. Bislang kommen sie in Afrika, auf dem Balkan, im Mittleren Osten und in Asien vor. Dass Zecken bestimmte Rickettsien schon eingeschleppt haben, konnten die Forscher bereits nachweisen.

Wenn Sie Hyalomma- (gestreifte Beine) oder Buntzecken (emailleartige Muster) finden, freut sich die Uni Hannover über Ihre Zusendung an: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Institut für Parasitologie, Professorin Strube, Bünteweg 17, 30559 Hannover.

Update vom 02.05.2019: Die Hyalomma-Zecke breitet sich immer weiter aus

Die tropische Riesenzecke mit dem Namen "Hyalomma" ist im Sommer 2018 nach Deutschland gekommen. Die neue Zeceknart entspricht der Größe von drei bis fünf heimischen Zecken und ist gleichzeitig Überträger gefährlicher Krankheiten. Sie überträgt das Krim-Kongo-Fieber, was mit schweren Blutungen einhergehen und sogar zum Tod führen kann. Das Krabbeltier breitet sich immer weiter in Deutschland aus. Deshalb fordert die Universität Hohenheim nun dazu auf, beim Fund einer Riesenzecke diese den Forschern zuzusenden.

Update vom 15.04.2019, 23:24 Uhr: Fünf neue FSME-Risikogebiete

Das Robert Koch Institut hat die Übersicht über FSME-Risikogebiete erweitert. Die betroffenen fünf Regionen sind Garmisch-Partenkirchen, Kaufbeuren, Landsberg am Lech, Emsland und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Zwei Menschen sind dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zufolge in diesem Jahr bislang an Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) erkrankt. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) wirbt deshalb dafür, sich gegen diese Virusinfektion impfen zu lassen.

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Neben dem FSME-Virus übertragen Zecken noch einige andere Krankheiten, gegen die es keine Impfung gibt. "Hauptgefahr ist die Borreliose, die bei uns von jeder vierten Zecke übertragen wird", sagt Dr. Heinz-Jürgen Wagner, der beim Landratsamt Bamberg den Fachbereich Gesundheitswesen leitet. Er empfiehlt nach jedem Aufenthalt in Wald oder Garten den sorgsamen Blick auf Kleidung und Körper. Und wenn es plötzlich irgendwo kribbelt, solle man auf jeden Fall auch noch einmal nachschauen. Selbst in der ausgezogenen Hose kann der Parasit einen Tag überleben, länger bekommt ihm das Raumklima in der Regel nicht. "Manche Zecken sind kleiner als ein Reiskorn, manche vollgesogene so dick wie eine Erbse", weiß Wagner.

Update vom 01.04.2019: Weniger FSME-Fälle außerhalb von Risikogebieten

Die von Zecken übertragene Hirnentzündung FSME tritt in Deutschland überwiegend in den ausgewiesenen Risikogebieten auf. Erkrankungen außerhalb ausgewiesener Gebiete machten nur etwa vier Prozent der Fälle aus, sagte der Zeckenforscher Jochen Süss am Mittwoch in Erfurt. Wegen Reiseverkehrs, etwa Wanderurlaub in Risikogebieten, plädiere er dennoch deutschlandweit für eine Schutzimpfung gegen die Erkrankung.

Die Zahl der FSME-Risikogebiete hat sich innerhalb von 20 Jahren nahezu verdreifacht. Derzeit hat das Berliner Robert-Koch-Institut bundesweit insgesamt 161 Gebiete ausgewiesen. 1998 seien es lediglich 63 gewesen, sagte Süss, der von Donnerstag an in Weimar einen Kongress zu von Zecken übertragenen Erkrankungen mit rund 180 Wissenschaftlern leitet.

Süss zufolge sind nur etwa bis zu zwei Prozent der in Deutschland heimischen Zeckenarten mit dem FSME-Virus belastet. Bei einem Stich gelangt er über das Blut in den Körper. Auf diese Weise funktioniert auch die um ein Vielfaches häufigere Infektion mit den Bakterien, die Borreliose auslösen, sogenannten Borrelien. In Deutschland erkranken daran nach Schätzungen jährlich zwischen 50.000 und 100.000 Menschen. Anders als bei FSME ist hier eine Behandlung mit Antibiotika möglich.

Wie wirkt sich der vergangene trockene Sommer auf die Zecken aus?

Unklar ist aus Wissenschaftler-Sicht derzeit, wie sich der trockene Sommer 2018 auf den diesjährigen Zecken-Jahrgang und die Häufigkeit der von den Spinnentieren übertragenen Krankheiten auswirkt. Dies lasse sich schlecht prognostizieren, sagte der Biologe und Co-Tagungsleiter Olaf Kahl. Ohnehin hänge die Häufigkeit von FSME oder Borreliose letztlich vom Freizeitverhalten der Menschen ab: "Bei schönem Wetter gehen sie schlicht häufiger ins Freie."

Milde Temperaturen begünstigen Zecken-Ausbreitung

Begünstigt wird die Ausbreitung der kleinen Krabbeltiere vor allem durch das wärmer werdende Wetter im Frühjahr. Der März war bislang etwa "deutlich zu mild", wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes in München sagte. Die Temperaturen lägen erkennbar über dem langjährigen Mittel.

Die Krankheit FSME verläuft nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin in zwei Phasen und beginnt mit grippeähnlichen Beschwerden. Oft bleibt eine zweite Phase aus - kommt es doch dazu, drohen dem Betroffenen Ausfälle im Nervensystem wie Anfallsleiden oder andauernde Kopfschmerzen.

Borreliose führt laut RKI zu Krankheitssymptomen wie Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen. Monate oder Jahre nach der Infektion kann eine Gelenkentzündung hinzukommen. Die Zecke muss eine längere Zeit saugen, bevor der Erreger übertragen wird. Das Infektionsrisiko steigt nach Angaben des Instituts nach einer Saugzeit von mehr als zwölf Stunden. Das heißt: Je früher das Krabbeltier entdeckt und entfernt wird, desto besser.

Update vom 20.02.2019: Neue Zecken-Art verbreitet sich in Deutschland

Im vergangenen Jahr tauchte in Deutschland eine Zecke vermehrt auf, die eigentlich in den Trocken- und Halbtrockengebieten von Afrika, Asien und ganz Südeuropa beheimatet ist: die Hyalomma. Zu dieser Gattung gehören 27 verschiedene Arten. Die beiden Zeckenarten Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes kamen bisher in Mittel- und Nordeuropa nicht vor. Sie gelten aus Überträger jenes Virus, das das Krim-Kongo-Fieber verursacht. Dies kann mit schweren Blutungen einhergehen. "Die 19 Zecken in Deutschland trugen das Virus aber nicht in sich", erklärte Peter Hagedorn, Zecken-Experte beim RKI.

Ein Tier der Gattung Hyalomma marginatum entdeckte eine Frau in Halfing im Landkreis Rosenheim, wie Hagedorn berichtet. Sie habe das ungewöhnlich große Tier mit auffällig gestreiften Beinen eingefangen und an das Institut geschickt. Hagedorn untersuchte und identifizierte das Tier.

Update vom 14.02.2019: Drei neue FSME-Risikogebiete

Bayern hat drei neue Risikogebiete für die von Zecken übertragene Virusinfektion Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Wie das Gesundheitsministerium am Donnerstag mitteilte, handelt es sich dabei um die Landkreise Landsberg am Lech und Garmisch-Partenkirchen (Oberbayern) sowie um die kreisfreie Stadt Kaufbeuren (Schwaben).

"FSME ist keine Lappalie. Denn die Folge können Entzündungen von Hirnhaut, Gehirn oder Rückenmark sein", sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Huml warb am Donnerstag in München dafür, sich gegen die Virusinfektion impfen zu lassen. Die Impfung wird dem Gesundheitsministerium zufolge von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen

In Bayern sind 91 der 96 Landkreise und kreisfreien Städte FSME-Risikogebiet. Nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gab es allein im Jahr 2018 mehr als 200 FSME-Erkrankungen im Freistaat.

Zeckenbiss - wann muss ich zum Arzt?

Wie gefährlich sind Zecken wirklich? Wie kann ich mich vor den Blutsaugern schützen? Wie entferne ich eine Zecke, wenn ich doch gebissen wurde? Muss ich bei einem Zeckenbiss zum Arzt? Wie ist die aktuelle Situation in Deutschland - vor allem in den Risikogebieten Süddeutschlands, insbesondere in Bayern und Franken? Wie entwickelt sich die Zahl der Zeckenbisse und der Infektionen mit Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)?

Dem Robert-Koch-Institut liegen für 2018 deutlich höhere Ansteckungszahlen vor als im Vergleichszeitraum 2017. Das Deutsche Rote Kreuz rät, bei Spaziergängen und Wandertouren helle Kleidung zu tragen, auf der man Zecken gut sieht.

Borreliose erkennen: Wanderröte breitet sich kreisförmig aus

 

 

Wo Zecken entdeckt werden, sollten diese zügig gezogen werden. "Dann muss man immer schauen, wie sich der Zeckenbiss entwickelt, ob es vielleicht nur bei einer kleinen Schwellung bleibt." Bei einer Borreliose-Infektion kommt es in den meisten Fällen zur so genannten Borreliose-Wanderröte.

Ausgehend von der Zeckenstichstelle breitet sie sich kreisförmig aus. Hier empfiehlt sich auf jeden Fall der Gang zum Arzt, denn gerade im frühen Stadium lässt sich laut Wagner Borreliose in der Regel gut mit Antibiotika behandeln. Schwieriger sind Diagnosen und Behandlungen von Borreliosen im Spätstadium. Eine Wanderröte ist dann nicht mehr erkennbar. Auch an einen Zeckenstich erinnern sich viele Patienten nicht mehr, da dieser unter Umständen schon länger zurückliegt. Bei später auftretenden und chronischen Symptomen wie Gelenkbeschwerden oder Gesichtslähmungen werden häufig Antibiotikagaben durch mehrwöchige Infusionen notwendig.

Zecke entfernen: Rausziehen oder drehen?

 

 

Was das Zeckenentfernen angeht, gibt es zwei Philosophien. Die einen schwören aufs Ziehen, die anderen drehen die Zecke lieber heraus. "Ich bin viel draußen und habe mir über die Jahre schon 100 Zecken selbst entfernt, ich drehe aber lieber als sie herauszuziehen", sagt Wagner. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Zecke möglichst hautnah gegriffen und nicht auf ihren Hinterleib gedrückt wird. Dies verhindert ein Quetschen der Zecke und somit auch die Freigabe von möglicherweise gefährlichen Körperflüssigkeiten. Außerdem sollte die Zecke langsam und kontrolliert entfernt werden. In den Apotheken gibt es zahlreiche Mittel, um Zecken abzuschrecken oder zu entfernen.

"Praktisch sind zum Beispiel Zeckenkarten, die passen sogar in den Geldbeutel", sagt Carina Wohlpart von der Herzog-Max-Apotheke. "Wer gerne dreht, nimmt eine sehr schmale Pinzette oder eine Zange, andere schwören auf Zeckenschlingen." Auch bei den Zecken-Abwehrsprays bietet sie ein breites Spektrum an, für die ganz Kleinen empfiehlt die Apothekerin Citronella und Kokosöl.

Zumindest für einige Stunden können die Sprays das Risiko eines Zeckenbisses deutlich verringern. Auf den Kontrollblick danach sollte man dennoch nicht verzichten.

 

Zeckenentferner 2er-Pack mit Zeckenzange und Zeckenhacken

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