München
Welthygienetag

Wo lauern Keime? Und wovor ekeln sich die Deutschen am meisten?

Händewaschen vor dem Essen und nach dem Klo ist wichtig, öffentliche Toiletten sind voller Bakterien und Händeschütteln überträgt Keime: Wo lauern noch Krankheitserreger? Und wie kann man sie meiden? Zum Welttag der Hygiene die wichtigsten Infos rund um Keime, Infektionen und Co.:
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Nicht nur putzen sondern vor allem auch Händewaschen ist wichtig, um Krankheiten zu vermeiden. Darauf macht der Welttag der Hygiene am 5. Mai nochmal aufmerksam. Foto: Norbert Försterling/dpa
Nicht nur putzen sondern vor allem auch Händewaschen ist wichtig, um Krankheiten zu vermeiden. Darauf macht der Welttag der Hygiene am 5. Mai nochmal aufmerksam. Foto: Norbert Försterling/dpa
Endlich - aus dem Wartezimmer vorgerückt zum Arzt. Doch der nimmt die ausgesteckte Hand nicht. Händeschütteln, so erklärte der Mediziner, sei besonders in Grippezeiten nicht angesagt.
Auch wer selbst erkältet ist und die Hand ausschlägt, verstößt heute nicht gegen die guten Sitten.

Ärzte raten sogar zur "Hust - oder Nieshygiene": Man hustet und niest nicht mehr in die vorgehaltene Hand, sondern in die Ellenbeuge. Erreger werden aber nicht nur durch den Handschlag übertragen. Sie kleben an Türklinken, Telefonhörern, Tastaturen, Haltegriffen in Bussen - überall, wo Menschen hinfassen. Die Hände sind ein wesentlicher Übertragungsweg für Keime.


Welttag der Hygiene am 5. Mai


Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den 5. Mai zum Welttag der Handhygiene ausgerufen. Das Datum symbolisiert zwei Mal fünf Finger des Menschen. Vor allem in Kliniken bleiben die Hände ein gefährlicher Übertragungsweg. Rund 10 000 bis 15 000 Todesfälle gehen nach Schätzungen in Deutschland jährlich auf Krankenhausinfektionen zurück, die sich Patienten erst in der Klinik holen. "Ein Drittel wäre durch mehr Hygiene vermeidbar", sagt Petra Gastmeier, Leiterin des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) für Surveillance von nosokomialen Infektionen.

Die vom NRZ mitgetragene nationale Kampagne "Aktion Saubere Hände" setzt sich seit zehn Jahren für eine bessere Einhaltung der Hygieneregeln in Gesundheitseinrichtungen ein, wendet sich aber auch an die Öffentlichkeit. "Unser Ziel ist es, die Aufmerksamkeit für das Thema zu steigern", sagt Gastmeier.

Denn nicht nur in Kliniken kann Hygiene Infektionen verhindern. Gastmeier schätzt, dass 20 bis 30 Prozent der Erkältungs- und Durchfallerkrankungen so vermieden werden könnten. Mehrere Studien gerade in Kindergärten hätten gezeigt, dass die Kleinen deutlich weniger krank seien, wenn frühzeitig aufs Händewaschen vor dem Essen und nach dem Toilettengang geachtet werde.


Jeder Dritte wäscht Hände nicht vor dem Essen


Doch der Empfehlung zum regelmäßigen Händewaschen kommt offenbar längst nicht jeder nach: Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) in Kiel wäscht sich jeder dritte Deutsche nicht vor jeder Mahlzeit die Hände. Auch nach dem Nach-Hause-Kommen verzichten 33 Prozent der Befragten auf den Gang zum Waschbecken. Immerhin: Nach dem Toilettengang wäscht sich nahezu jeder die Hände. Jeder Fünfte tut dies außerdem tagsüber mindestens einmal pro Stunde.


Erreger im Haushalt


Viele Erreger lauern auch im Haushalt - ohne Kontakt nach außen oder zu kranken Menschen. Keime, die auf fast allen Lebensmitteln zu finden sind, können zum Auslöser von Durchfall, Erbrechen und Fieber werden. Deshalb gilt auch in der heimischen Küche: Hände waschen. Nicht nur vor dem Essen, wie die Eltern immer mahnten. Sondern schon beim Kochen und Schnipseln - und sogar zwischen den Schritten der Küchenarbeit.

Neben der regelmäßigen Verwendung von Wasser und Seife, gibt es noch weitere einfache Tipps, um Infektionen durch Lebensmittel in der Küche zu vermeiden. Beispielsweise rät das Bundesinstitut für Risikobewertung zu Schneidebrettern in zwei verschiedenen Farben: Eine für Fleisch oder Fisch und eine für Rohkost. Damit sei es einfacher bei Schneidebrettern auf Sauberkeit zu achten. Außerdem sollte man in der Küche ein Geschirrtuch fürs Geschirr und ein anderes für die Hände verwenden. Meist werde alles für eins benutz. Nach einer Woche sollten die zwei verwendeten Geschirrhandtücher bei mindestens 60 Grad gewaschen werden.


Wovor ekeln sich die Deutschen am meisten?


Doch wovor ekeln sich die Deutschen am meisten? Ganz weit oben auf der Ekel-Skala stehen öffentliche Toiletten: Für 87 Prozent der Deutschen ist die Nutzung besonders unangenehm, wie die Forsa-Umfrage ergab. Auf dem zweiten Platz stehen Haltegriffe in Bussen und Bahnen sowie Handläufe von Rolltreppen und Treppengeländern. Es folgen die Griffe von Einkaufswagen und Tastaturen an Geldautomaten. Zum Welttag der Hygiene wurden 1.000 Bundesbürger befragt.


Hier verstecken sich mehr Keime als man denkt:


Vor der eigenen Zahnbürste oder der eigenen Kaffeemaschine würde sich wohl kaum einer ekeln. Doch auch da verstecken sich mehr Keime als man denkt. Während die Zähne sauber geputzt werden, lagern sich auf dem Bürstenkopf Schmutz und Bakterien ab. Im feucht-warmen Klima des Badezimmers fühlen sich die Mikroorganismen wohl und vermehren sich rasant. Bis zu 300 Millionen lebensfähige Mikroorganismen wurden auf einem Bürstenkopf gefunden. Der Zahnarzt Markus Albert rät deshalb seine Zahnbürste alle zwei bis drei Monate zu tauschen.


Wie steht es um die Hygiene der Kaffeemaschine?


Kaffee ist eines der Lieblingsgetränke der Deutschen. Doch wie steht es um die Hygiene bei der Kaffeemaschine? Forscher haben herausgefunden, dass sich im Kaffeesatz und in gebrauchten Kapseln und Pads Keime ansiedeln. Bleibt ein altes Pad ein paar Tage lang in der Maschine, können beim nächsten Gebrauch Schimmelsporen im Padbehälter zurückbleiben, die dann in den Kaffee gelangen. Denn "feuchter Kaffeesatz fördert das Wachstum von Schimmelpilzen", erklärt Prof. Fritz Titgemeyer, Leiter des Labors für Lebensmittelmikrobiologie an der Fachhochschule Münster. Auch Wasserbehälter und Kunststoffschläuche sind wahre Bakterienschleudern, wenn sie nicht gut gereinigt werden. Deshalb ist es wichtig, die verschiedenen Teile der eigenen Kaffeemaschine regelmäßig zu reinigen.
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