Herbst-Depression vorbeugen: Alle Jahre wieder leiden Menschen in Deutschland unter einem erdrückenden Stimmungstief im Herbst und Winter. Wie entsteht die Herbst-Depression? Und gibt es ein wirksames Mittel gegen die Niedergeschlagenheit?

Graue Wolken, graue Tage und graue Stimmung: Der Winterblues lässt grüßen, wenn es demnächst wieder herbstlich und ungemütlich draußen wird. Doch was hat es mit diesem eigentlich auf sich? Meteorologen wagen schon jetzt erste Prognosen für den Herbst in diesem Jahr

Gesundheitsmeteorologe: Tage werden kürzer, Menschen werden müder

Andreas Matzarakis, Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD), möchte sich da nicht so genau festlegen. "Wenn die Tage kürzer werden, schüttet der Körper mehr Melatonin aus - das sogenannte Schlafhormon", sagt er.

Die hormonelle Umstellung könne auch Stimmungsschwankungen bewirken, jedenfalls bei einigen Menschen. Die Folge seien dann beim Jahreszeitenwechsel die Frühjahrsmüdigkeit beziehungsweise der Winterblues. "Eigentlich brauchen wir jetzt erst einmal zwei oder drei richtige Kälteeinbrüche, damit der Körper verzeichnet, dass er sich jetzt auf den Winter umstellen soll", vermutet Matzarakis.

Vor Pauschalisierung warnt der Gesundheitsmeteorologe. "Bei depressiven Verstimmungen wie dem Winterblues kommen eigentlich immer mehrere Faktoren zusammen, und man kann nicht exakt sagen, welchen Anteil das Wetter daran hat."

Lichttherapie gegen den Winterblues - das Angebot des Tages von Amazon

Auch die Deutsche Depressionshilfe betont, dass es nicht bedeutet, dass es zu einer depressiven Erkrankung kommen muss. Bei einigen erhöht sich allerdings saisonal die Anfälligkeit für eine solche Erkrankung. Mit einigen einfachen Mitteln kann man den Symptomen entgegenwirken:

  • Lichttherapie
  • Raus an die frische Luft 
  • Den Tag strukturiert gestalten
  • Kuscheln und Lachen mit den Liebsten
  • Gutes Essen, denn Essen und Trinken hält ja bekanntlich Leib und Seele zusammen
  • Aktiv mit Familie und Freunden verabreden

Zudem sei längst nicht die gesamte Bevölkerung betroffen, betont der Chronobiologe Jörg Stehle von der Goethe-Universität Frankfurt. "Am Winterblues leiden lediglich fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung." Auch wenn die Ursachen noch nicht restlos erklärt seien, habe das Phänomen etwas mit der Empfindlichkeit der inneren Uhr des Menschen zu tun.

Umfrage: Die Hälfte aller Befragten leiden unter Stimmungsschwankungen im Herbst

In einer YouGov-Umfrage gaben sogar 51 Prozent der mehr als 2000 Befragten an, dass sie im Herbst unter Stimmungsschwankungen leiden. Frauen reagierten dabei sensibler auf das herbstliche Grau-in-Grau als Männer: Der Umfrage zufolge spüren 55 Prozent der weiblichen Befragten den herbstlichen Blues, aber nur 46 Prozent der Männer werden von Schwermut-Anflügen gepackt.

Licht ist wichtig für die Stimmung

"Die innere Uhr reagiert von Mensch zu Mensch unterschiedlich auf Lichtexposition, manche sind sehr empfindlich, andere Menschen weniger", sagt Stehle. Licht sei aber zwingend notwendig, um diese innere Uhr täglich zu verstellen. "Von daher war der sonnenreiche Sommer dieses Jahr sicherlich für viele Menschen hilfreich, da sie morgens mit genügend Licht versorgt wurden", vermutet der Wissenschaftler. Allerdings galt das nur für die Sommermonate: "Die viele Sonne während unseres herrlichen Sommers dieses Jahr nützt allerdings im Winter herzlich wenig, da unsere Uhr solche Informationen nicht speichert."

Gut gelaunt durch die vier Jahreszeiten mit diesen Tipps und Tricks

Denn im Winter fehlt das morgendliche Licht, besonders im Norden und in den Regionen, in denen es besonders häufig bedeckt und grau ist. "Dem kann man mit Lampen nachhelfen, die einen hohen Blaulichtanteil haben", sagt Stehle. "Darauf reagiert unsere innere Uhr besonders empfindlich. Aber auch körperliche Aktivität am Morgen ist hilfreich." So gemütlich es auch sein kann, unter der Kuscheldecke mit einem Becher Tee oder heißer Schokolade den Gedanken nachzuhängen - ein strammer Morgenspaziergang, eine Runde Joggen oder ein paar Yoga-Übungen können die Stimmungslage vieler Blues-Geplagter von Moll zu Dur bewegen.

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