• Aufbau unseres Hormonsystems: ein Überblick
  • 6 wichtige Hormone:
    • Testosteron
    • Östrogen
    • Cortisol
    • Insulin
    • Melatonin
    • Thyroxin
  • Fazit: Manche Symptome deuten auf einen Überfluss oder einen Mangel an Hormonen hin - du solltest dich dann untersuchen lassen

Jeder Mensch besitzt eine Vielzahl an Hormonen im Körper. Diese erfüllen jeweils eine eigene Aufgabe und spielen bei vielen Vorgängen in unserem Körper eine Rolle. Unter anderem regeln sie unseren Energie- und Wasserhaushalt. Wir nehmen 6 der wichtigsten Hormone für dich unter die Lupe.

Ein Überblick über unser Hormonsystem

Unser Körper produziert täglich Hormone, die wir zum Leben brauchen. Die Hormone regulieren beispielsweise den Herzschlag, den Blutdruck oder den Energiehaushalt. Die meisten unserer Hormone entstehen in den sogenannten endokrinen Drüsen. Von dort aus werden sie in das Blut abgegeben und erreichen über den Kreislauf die Stellen im Körper, an denen sie "wirken" sollen. Endokrine Drüsen sind beispielsweise die Schilddrüse, die Bauchspeicheldrüse und die Nebennieren. Überdies gibt es sogenannte Gewebshormone, die in den einzelnen Zellen gebildet werden und dort sofort wirken. Auch einige Organe können neben der eigentlichen Funktion Hormone bilden. Dazu gehören beispielsweise die Nieren.

Der Hormonhaushalt funktioniert vereinfacht zwar so, dass jedes Hormon eine bestimmte Grundfunktion besitzt; jedoch wird ein Vorgang im Körper oft von mehreren Hormonen geregelt. Besonders wichtig für die Regulierung der Hormone ist der Hypothalamus. Der Gehirnbereich im Zwischenhirn wird auch als "Schaltzentrale unseres Körpers" bezeichnet und steuert unter anderem, wann welche Menge von welchem Hormon gebildet wird.

Ist von einem Hormon zu viel, zu wenig oder gar nichts mehr vorhanden, kann dies eine Krankheit hervorrufen. Ein Beispiel für eine Erkrankung, die durch zu viele Hormone hervorgerufen wird, ist die Schilddrüsenüberfunktion. Der Stoffwechsel ist überaktiv und es könnte zu Herzrasen, Durchfall und Gewichtsverlust kommen. Andererseits kann im Körper auch ein Mangel an Hormonen entstehen. Hast du einen Verdacht auf einen Hormonmangel, solltest du dies immer – ebenso wie die Medikation – vorab ärztlich abklären lassen. Ohne entsprechende ärztliche Anweisung solltest du keinesfalls Hormone nehmen.

1. Das Hormon Testosteron

Testosteron ist eines der wichtigsten männlichen Geschlechtshormone; aber auch Frauen produzieren das Hormon. Bei Frauen entsteht Testosteron überwiegend in der Nebennierenrinde. Die Konzentration des Hormons ist sehr gering. Bei Männern entsteht Testosteron in einer viel höheren Konzentration in den Hoden. Testosteron beeinflusst sowohl bei Männern als auch bei Frauen die Sexualität. Jedoch ist dies nicht der einzige Faktor. Das menschliche Sexualverhalten hängt unter anderem auch von der Erziehung und sogenannten Neurotransmittern wie Serotonin oder Dopamin ab.

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Vor der Geburt entscheidet sich an dem X- oder Y-Chromosom, ob vermehrt Testosteron produziert und somit Hoden, Prostata und Penis entwickelt werden oder nicht. Der Grund dafür ist, dass sich auf dem Y-Chromosom das sogenannte SRY-Gen befindet. Dieses wiederum führt zu einer erhöhten Produktion von Testosteron. Fehlt dieses Gen, bilden sich die weiblichen Geschlechtsorgane aus.

Insbesondere in der Pubertät steigt bei Männern der Testosteronspiegel. Infolgedessen vergrößern sich Hoden und Penis, der Bart wächst und der Stimmbruch setzt ein. Zudem können Männer auch schneller Muskulatur aufbauen, denn durch das Testosteron wird der sogenannte IGF-1-Spiegel erhöht. Dieser führt dazu, dass die Zellen in der Muskulatur schneller wachsen. Außerdem unterstützt Testosteron den Knochenaufbau. Im Alter schwindet das Testosteron. Als Folge davon kann man ein Nachlassen des sexuellen Verlangens und die Rückbildung der Muskulatur beobachten. Für eine geringe oder verminderte Produktion des Hormons könnten darüber hinaus Drogenmissbrauch, eine schwere Unterernährung, Leberzirrhose oder eine Unterfunktion der Hoden sorgen. Ein möglicher Mangel sollte unbedingt mit einem Arzt oder einer Ärztin abgeklärt werden.

2. Das Hormon Östrogen

Das weibliche Sexualhormon Östrogen besteht aus drei Hormonen: Östradiol, Östron und Östriol. Das Östradiol hat die stärkste Wirkung. Gebildet wird es überwiegend in den Eierstöcken und während einer Schwangerschaft in der Plazenta. Auch das Östradiol ist für beide Geschlechter wichtig. Bei Männern entsteht es so, dass Testosteron durch das Enzym Aromatase umgewandelt wird.

Der Östrogenspiegel steigt während der Pubertät bei der Frau an. Dadurch kommt es zur Ausbildung der Hüften, der Regelblutung und dem Wachstum der Brüste. Abhängig vom Zyklus schwankt ab diesem Zeitpunkt der Östrogenspiegel. Hat eine Frau einen Mangel an Östrogen, reifen nur selten Eizellen heran. Zudem wird die Gebärmutterschleimhaut nicht auf die Einnistung eines Embryos vorbereitet. Infolgedessen könnte es für die Frau schwieriger werden, schwanger zu werden. Hinter einem unerfüllten Kinderwunsch könnte jedoch auch etwas anderes stecken. Es ist wichtig, dies individuell von einem Arzt oder einer Ärztin abklären zu lassen. Östrogen hat zudem einen Effekt auf die Zellen, welche für den Umbau der Knochen verantwortlich sind. Männer brauchen Östrogen vor allem aus dem Grund, dass das Skelett stabil bleibt.

Östrogen beschleunigt darüber hinaus die Immunantwort des Körpers. So wird die Entwicklung von Immunzellen angeregt und Erkrankungen treffen Frauen meist schwächer. Zudem reguliert Östrogen den Stoffwechsel im weiblichen Gehirn und steuert den Transport, die Aufnahme und den Abbau von Glukose. Ist der Östrogenspiegel hoch, kann häufig ein höheres Volumen des Gedächtniszentrums bei Frauen beobachtet werden. Ist der Östrogenspiegel niedrig, sind Frauen oft schmerzempfindlicher. Der Östrogenspiegel sinkt in den Wechseljahren ab. Dadurch kann es zu Stimmungsschwankungen, Erschöpfung, Hitzewallungen, Scheidentrockenheit und Knochenschwund kommen. Je nachdem, wie schwer die Symptome sind, kann dir ein Arzt oder eine Ärztin eine Hormontherapie verschreiben.

3. Das Hormon Cortisol

Cortisol ist ein Stresshormon, welches bei akutem und chronischem Stress freigesetzt wird. Es sorgt unter anderem dafür, dass wir genügend Energie in Stresssituationen hervorbringen und unsere Höchstleistungen erreichen können. Cortisol wird in der Nebennierenrinde produziert und ist für uns überlebenswichtig.

Kommen wir in eine Stress- oder Gefahrensituation, wird der entsprechende Reiz an den Thalamus, den größten Teil des Zwischenhirns, weitergeleitet. Der Thalamus wiederum schüttet dann das Hormon CRH aus, welches die ACTH-Freisetzung der Hypophyse, einer Drüse am Gehirn, anregt. Die Nebennierenrinde wird von dem ACTH stimuliert, sodass Cortisol in unsere Blutbahn gepumpt wird. Cortisol macht uns kurzzeitig leistungsfähiger, da es die Insulinwirkung hemmt und somit der Blutzuckerspiegel ansteigt.

Über eine längere Zeit zu viel Cortisol im Körper zu haben, kann sich schädlich auswirken. Muskeln, Bindegewebe und Knochen können sich abbauen und es könnte eine Insulinresistenz entstehen. Damit das Cortisol nicht immer weiter ausgeschüttet wird, hemmt das Hormon selbst die weitere Bildung von CRH und ACTH. Dauerstress, der beispielsweise infolge von Trauer oder Mobbing entsteht, gilt als eines der Risikofaktoren für eine Depression. Ist der Cortisolspiegel im Blut beispielsweise durch die Einnahme von Medikamenten mit Cortisol oder einen Tumor krankhaft erhöht, kommt es häufig zu schweren depressiven Symptomen.

4. Das Hormon Insulin

Insulin hast du sicher schon einmal im Zusammenhang mit Diabetes gehört. Grundsätzlich ist es so, dass unser Blutzuckerspiegel ansteigt, wenn wir Kohlenhydrate aus beispielsweise Brot, Nudeln oder Kuchen zu uns nehmen. Das Insulin sorgt nun dafür, dass der Blutzuckerspiegel auch wieder absinkt.

Produziert wird das Hormon in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Als eine Art "Schlüssel" öffnet er Muskel- und Fettzellen für die Zuckermoleküle. Unser Körper wird folglich mit neuer Energie versorgt.

Fehlt das Insulin bei dir, können deine Zellen keinen Zucker aufnehmen. Daraus resultiert ein immer stärker ansteigender Blutzuckerspiegel. Diabetiker*innen spritzen sich aus diesem Grund häufig Insulin. Neben dem Transport des Zuckers in die Zellen ist Insulin für die Regulierung des Fett- und Eiweißhaushaltes zuständig.

5. Das Hormon Melatonin

Melatonin wird auch das Schlafhormon genannt. Es wird aus dem Nervenbotenstoff Serotonin in der sogenannten Zirbeldrüse gebildet. Sobald es um uns herum dunkel wird, leitet der Fotorezeptor im Auge, das Melanopsin, das Signal weiter und unser Melatoninspiegel steigt an. Dadurch werden wir müde.

Das Hormon hat schlaffördernde, schlafmodulierende und antioxidative Eigenschaften. Überdies reduziert es unsere Körpertemperatur. Da die Hormonausschüttung vom Licht abhängig ist, reguliert es unseren Tag-Nacht-Zyklus maßgeblich. Der Höhepunkt der Konzentration wird in der Regel zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens erreicht. Anschließend sinkt die Melatoninkonzentration wieder ab.

Trifft nachts noch künstliches Licht, wie das von LEDs, Computerbildschirmen oder dem Fernseher auf dein Auge, hemmt dies die Produktion von Melatonin. Je nach Intensität und Dauer könnte sich der Schlaf-Wach-Rhythmus ungünstig verschieben. Ist die innere Uhr nachhaltig gestört, könnten anhaltende Müdigkeit, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit folgern.

6. Das Hormon Thyroxin

Das Schilddrüsenhormon Thyroxin ist für unseren Körper ebenfalls sehr wichtig. Dazu ist es sinnvoll, ein Blick auf den Hypothalamus zu werfen: Hier sitzen Rezeptoren, die messen, wie hoch der Spiegel der Schilddrüsenhormone im Blut ist. Ist der Spiegel zu niedrig, werden Hormone ausgeschüttet, um die Schilddrüse zu stimulieren. Die Schilddrüse wiederum sitzt unterhalb des Kehlkopfes und produziert Thyroxin, kurz auch T4 genannt.

T4 gilt als Prähormon für das Hormon Trijodthyronin, kurz T3. Die beiden Hormone steuern gemeinsam unter anderem Herzkraft, Herzfrequenz und unseren Kreislauf. Außerdem sorgt das Hormon dafür, dass Talg- und Schweißdrüsen aktiviert werden. Doch nicht nur das: Auch Verdauung und Körpertemperatur werden unter anderem von Thyroxin reguliert.

Werden zu viele oder zu wenige Schilddrüsenhormone produziert, kann dies unter anderem an einer Autoimmunkrankheit, einem Jodmangel oder der genetischen Veranlagung liegen. Typische Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion sind Störungen in der Gedächtnisfunktion des Hippocampus, Schwäche und Müdigkeit. Symptome einer Überfunktion sind häufig Gewichtsverlust und Herzrasen sowie Durchfall, Zyklusstörungen bei Frauen, innere Unruhe und Haarausfall. Bei einem Verdacht auf eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse solltest du unbedingt einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen.

Fazit - ein Überfluss oder Mangel an Hormonen kann zu gesundheitlichen Problemen führen

Hormone haben verschiedene Funktionen im Körper. Oftmals ist an einer Aufgabe nicht nur ein Hormon, sondern mehrere beteiligt. Hormone haben dabei einen erheblichen Einfluss auf unsere Gesundheit und unsere Gefühle. Die Zusammenfassungen geben dir einen Überblick über einige wichtige Hormone, decken aber selbstverständlich nicht alle Aspekte im Detail ab. Ist ein Hormon im Überfluss vorhanden oder mangelt es uns an einem, kann dies schwerwiegende Folgen haben. Vermutest du bei dir eine Hormonstörung, solltest du dies unbedingt bei einem Arzt oder einer Ärztin abklären lassen.

Du interessiert dich für Hormone, ihre Auswirkungen auf unseren Körper und mögliche in Zusammenhang stehende Krankheiten? Dann findest du weitere Infos in den folgenden Artikeln: 

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