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Gesundheit

WHO-Bericht: Lärm von Windrädern kann krank machen

Die WHO empfiehlt Richtwerte für Windenergieanlagen und Freizeitlärm. Es bestehe ein Zusammenhang zwischen Lärm und gesundheitlichen Schäden.
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Windkraft zählt zu den wichtigsten sauberen Energielieferanten. Doch der Lärm der Anlagen kann laut der WHO die Gesundheit gefährden. Symbolbild: pixabay.com
Windkraft zählt zu den wichtigsten sauberen Energielieferanten. Doch der Lärm der Anlagen kann laut der WHO die Gesundheit gefährden. Symbolbild: pixabay.com

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat einen Bericht zum Lärm von Windenergieanlagen veröffentlicht, der einen Zusammenhang zwischen dem entstehenden Lärm der Anlagen und möglichen gesundheitlichen Schäden beschreibt. Richtlinien für die Läutstärke sollen helfen.

Empfohlener Richtwert soll nicht überschritten werden

In ihrem Bericht spricht die WHO von einem Richtwert von 45 Dezibel, die tagsüber nicht überschritten werden sollen. Denn: "Lärm von Windenergieanlagen oberhalb dieses Wertes" sei "mit schädlichen gesundheitlichen Auswirkungen verbunden." Eine Richtlinie für die Lärmbegrenzung in der Nacht ist in dem aktuellen Bericht nicht enthalten, da laut der Organisation dafür noch nicht ausreichend aussagefähige Studien gäbe.

12.09.2018

Grenzwert des Umweltbundesamts höher

Mit ihrer Empfehlung unterschreitet die WHO den aktuellen Immissionswert für Lärmbelastung von Windkraftanlagen in Wohngebieten von 55 Dezibel damit um 10 Dezibel. Allerdings sind diese Vorschrift und die Begrenzung auf 40 Dezibel nachts für die Betreiber der Anlagen bindend. Als Vergleich hat Flüstern etwa 30 Dezibel, eine Kreissäge 100 Dezibel.

Empfehlungen auch für Verkehr

Auch für den Straßen-, Schienen- und Luftverkehr nennt die WHO Grenzwerte, die gesundheitliche Schäden vermeiden oder eindämmen sollen. Tagsüber soll die Lärmbelastung durch Straßenverkehr nicht mehr als 53 Dezibel betragen, bei Schienenverkehr nicht mehr als 54 und beim Flugverkehr nicht mehr als 45 Dezibel. Die nächtlichen Werte liegen mit 45 Dezibel für den Straßenverkehr, 44 Dezibel für Schienenverkehr und 40 Dezibel für Flugverkehr noch darunter. Dass die Werte für die unterschiedlichen Verkehrsmittel voneinander abweichen, läge daran, dass sie verschiedene gesundheitliche Folgen hätten. Während eine Autobahn zum Beispiel eher durchgehenden Lärm erzeugt, seien es beim Zugverkehr kurzfristigere Zeiten von Lärmbelastung, auf die auch wieder längere Ruhephasen folgten, so die WHO.

Experten sprechen von ambitionierten Zielen

Thomas Myck, Fachgebietsleiter Fachgebietsleiter Lärmminderung bei Anlagen und Produkten, Lärmwirkungen hält die Richtlinien für "ambitioniert". Da die aktuellen Grenzwerte in Deutschland noch höher lägen, bestehe "deutlicher Handlungsbedarf". Er hält die WHO-Analyse für einen "wichtigen und fundierten Meilenstein" dafür, dass die gesetzlichen Vorgaben entsprechend angepasst werden.

Lärmbelastung als "echtes Gesundheitsrisiko"

Zsuzsanna Jakab, Regionaldirektorin der WHO für Europa beschreibt die Lärmbelastung als "mehr als ein Ärgernis" und spricht gar von einem "echten Gesundheitsrisiko". Deshalb sollen die Leitlinien dafür sorgen, dass Politiker Richtwerte festlegen und dafür sorgen, dass diese auch eingehalten werden, um die Bevölkerung vor Lärm zu schützen. Laut Jakab könne der übermäßige Lärm beispielsweise zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.

Auch Richtlinien für Freizeitlärm

Doch nicht nur für den Verkehr sprach die WHO in ihrem Bericht Empfehlungen aus. Auch für den Freizeitbereich nennt sie Richtlinien. In diesen Bereich fallen unter anderem Besuche von Nachtclubs oder Kneipen, Sportveranstaltungen, Fitnesskurse oder Konzerte. Die Organisation empfiehlt die durchschnittliche Lärmbelastung pro Jahr für alle Quellen gesammelt auf 70 Dezibel zu begrenzen. Denn: Auch der Freizeitlärm sei mit gesundheitsschädlichen Folgen verbunden, wenn er diese Werte übersteige.



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