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WhatsAppitis: Wie das Smartphone uns abhängig und krank machen kann

Es ist der tägliche Begleiter und ein echter Alleskönner. Fotoapparat, Musikplayer, Mini-Computer - alles in einem handlichen Gerät. Das Smartphone gehört für viele Menschen fest zum Alltag dazu. Doch diese Abhängigkeit kann auch drastische gesundheitliche Folgen haben.
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Smartphones gehören zum Alltag. Doch kann die dauernde Erreichbarkeit gesund sein? Die Experten sehen gesundheitliche Risiken. Symbolfoto: Andrea Warnecke/dpa
Smartphones gehören zum Alltag. Doch kann die dauernde Erreichbarkeit gesund sein? Die Experten sehen gesundheitliche Risiken. Symbolfoto: Andrea Warnecke/dpa

Smartphone als Krankheitsursache - was ist WhatsAppitis? Leiden Sie auch unter WhatsAppitis? Der etwas seltsam anmutende Begriff beschreibt ein nur allzu bekanntes Phänomen. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich um Handysucht beziehungsweise die Unfähigkeit, das Smartphone aus der Hand zu legen.

Im Schnitt 56 Mal schauen Smartphone-Besitzer in der Altersgruppe zwischen 18 und 24 Jahren auf ihren Taschencomputer. Das ergab bereits eine Studie des Wirtschaftsunternehmens "Deloitte" aus dem Jahr 2018. Mehr als 2000 Probanten wurden befragt. Außerdem waren sich 38 Prozent der Befragten sicher, dass sie zu viel Zeit mit dem Smartphone verbringen würden. Lediglich 12 Prozent der Befragten ist der Schritt zu einem geringeren Konsum auch gelungen.

Smartphone spielt eine zentrale Rolle im Leben

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch ein Forschungsteam der Universität Bonn. Das Team veröffentlichte für Android-Geräte die App "Menthal", die genauestens jegliche Nutzung des Smartphones protokolliert, und den Besitzer über die Anzahl der Anschaltungen des Displays, die Nutzungsdauer und mögliche negative Auswirkungen aufklärt. Mehr als 500.000 Nutzer haben seit dem Beginn des Projekts Ende 2013 an dem freiwilligen Forschungsprozess teilgenommen.

Im Schnitt alle 18 Minuten blicken die Menschen auf ihr Smartphone

Die Ergebnisse sind laut den Forschern erschreckend. Im Schnitt unterbrechen die Menschen alle 18 Minuten ihre Tätigkeit, um einen Blick auf das Smartphone zu werfen. Tendenz steigend.

"Smartphone-Apps funktionieren wie Glücksspielautomaten. Wir betätigen sie immer wieder, um uns einen kleinen Kick zu holen", sagt Alexander Markowetz, Juniorprofessor für Informatik an der Universität Bonn in einem ersten Resümee der Studie.

Die Forscher beschreiben, dass uns Likes und positives Feedback im digitalen Raum immer wieder das Glückshormon Dopamin ausschütten lassen. Dieser Verlauf ist ähnlich zu dem, wenn wir gelobt werden. Deshalb erlernt unser Gehirn, dass wir durch den regelmäßigen Konsum von digitalen Inhalten auf dem Smartphone Glückshormone bekommen. So wollen wir immer mehr davon.

Kurzer Gefühls-Kick vs Glücksempfinden

Doch durch den ständigen kurzen Kick treten die dramatischen Folgen der Unterbrechungen zu Tage. Dadurch wird es quasi unmöglich, sich konzentriert einer Tätigkeit zu widmen. Dadurch ist es auch nicht möglich, sich in eine Sache zu vertiefen. Die Folgen dieses Kreislaufs sind steigende Unproduktivität sowie ein gestörtes Glücksempfinden, meint Markowetz.

Jedoch gehe es ihm weder darum, Smartphones komplett abzuschaffen noch sie zu verteufeln. "In einem ersten Schritt haben wir die Geräte geschaffen, in einem zweiten müssen wir uns nun gesunde Umgangsformen angewöhnen", schildert der Forscher in dem ersten schriftlichen Resümee der Universität. Außerdem seien immer mehr Verkehrsunfälle durch Smartphones verursacht worden, wie die Studie von Deloitte feststellte.

Handy-Abstinenz keine Alternative

Das Forscherteam aus Bochum ist sich jedoch sicher: Die Dosis macht das Gift. Denn wie bei jedem anderen Ansatz, ist der Exzessive Gebrauch schädlich. Alexander Markowetz führt weiter aus: "Die permanente Smartphone-Nutzung ist ein unterbewusster Reflex". Diesem Reflex könne man nur mit einer Verhaltensänderung beikommen. Erste positive Beispiele seien z.B. Zeiträume, in denen das Smartphone einfach gar nicht klingelt oder den Nutzer benachrichtigt. Oder aber, man erklärt bestimmte Bereiche zur Handy-freien Zone.

Die Politik soll handeln

Markowetz nimmt außerdem die Politik und die Länder in die Pflicht: "Wir müssen beginnen, in unserer Kommunikation gegenseitig Rücksicht aufeinander zu nehmen und uns eine neue Kommunikationsetikette auferlegen. Grundlegende Fähigkeiten müssen bereits in der Schule vermittelt werden."

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