Gibt es das? Ein Geheimrezept gegen das Altern oder Krankwerden? Hat der Körper tatsächlich Selbstheilungskräfte? Birgit Scheffler, seit Jahrzehnten Ernährungsberaterin, kann da nur vielsagend lächeln. Ihre 66 Jahre sieht man ihr definitiv nicht an.

Das Schicksal lässt sich nicht überlisten, aber es gibt ganz einfache Grundregeln, die man beachten kann, um seinem Körper und Geist das zu geben, was er braucht. Denn Körper und Geist erledigen ihre Aufgaben ganz alleine. Solche Vorsorge zahlt sich aus in einem gesunden, leistungsfähigen Körper - auch im höheren Alter.

 

 

1. Fünf Hände am Tag

Je zwei handvoll Obst, je drei Gemüse - eine essenzielle Grundregel. Die wenigsten Menschen halten sich daran, dabei braucht der Körper Vitamine und Mineralien dringend, damit das Immunsystem gestärkt und der Stoffwechsel (genug Ballaststoffe) verbessert wird. Ein frischer Apfel hat 200 Inhaltsstoffe, die allesamt noch gar nicht richtig erforscht sind. Grundsätzlich Obst und Gemüse regional, saisonal und so frisch wie möglich kaufen und verputzen (nicht im Kühlschrank liegen lassen).

2. Genug Eiweiß essen

Gar nicht so einfach: zweimal Fisch, zweimal Fleisch in der Woche, rät Birgit Scheffler. Und: Kein Billigfleisch kaufen. Dazu Quark, Joghurt, Käse, Eier, Linsen und andere Hülsenfrüchte. Die höchsten Eiweißträger sind Parmesan und Hartkäse oder auch Hüttenkäse. Molke liefert das hochwertigste Eiweiß und wird vom Körper am besten verstoffwechselt. Als Faustregel gelten 1,2 Eiweiß pro Kilogramm Normalköpergewicht, die man essen sollte - jeden Tag. Denn der Körper besteht zum größten Teil aus Wasser und Eiweiß. Die Zellregeneration kommt nicht ohne die Eiweißbausteine aus. Beispiel Haut: Sie erneuert sich quasi alle vier Wochen. Am besten verstoffwechselt werden Kombis aus tierischem und pflanzlichem Eiweiß - des Franken Lieblingsgericht passt da doch bestens: Linsen mit Räucherfleisch. Und noch was: Eiweiß macht satt.

3. Zucker? Meiden!

"Wir brauchen diesen Stoff gar nicht", sagt Birgit Scheffler. Es sind überflüssige Kalorien, die dick machen. "Die Industrie baut fast in jedes Lebensmittel Zucker ein, weil sich der süße Geschmack besser verkauft." Und so kommt es dann auch dazu, dass viele Dinge gegessen werden, obwohl man überhaupt nicht hungrig ist. Übrigens: "Zucker hat über 70 verschiedene Namen". Schefflers Rat lautet, sich die Zutatenliste genauer anzusehen. Tipp: "Zucker wie Gewürz verwenden!"

4. Fette braucht der Körper unbedingt

Im Gegensatz zu den Anfangsjahren, wo die junge Birgit Scheffler den Patienten riet, die Haut vom knusprigen Hühnchen zu schälen und zu entfernen, weiß man heute mehr. Es muss bei weitem nicht alles mager sein. Tierische Fette in Maßen zwar (Butter ist Margarine vorzuziehen, denn die ist ein Chemiecocktail), aber vor allem einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Omega-Fettsäuren) geben einen guten Herzschutz ab.

Also guten Gewissens Rapsöl aus der Region kaufen, Olivenöl nutzen, fetten Fisch essen. In Nüssen befindet sich wertvolles Fett, ebenso wertvolles Eiweiß. "Sie sollten täglich auf den Speiseplan. Wir werden nicht vom Fett fett, sondern vom Zucker.

5. Kohlenhydrate mit Maß

Kohlehydrate sollten immer in Form von Ballaststoffen gegessen werden, und grundsätzlich sehr maßvoll. Weißes Mehl verbietet sich damit, wie alle Industrieprodukte. Denn kurzkettige Kohlehydrate verwandeln sich in Nullkommanichts in Zucker. Die langkettigen wie in Vollkornprodukten bauen sich langsam ab und treiben den Insulinspiegel nicht so hoch. Ballaststoffe sind überhaupt wichtig für einen funktionierenden Darm.

6. Trinken!

Jeden Tag acht Gläser Wasser. Und nicht zum Essen trinken, denn das verwässert den Nahrungsbrei im Magen.

7. Kauen!

Jeden Bissen 15 Mal kauen. Klingt verrückt? Tut aber gut, denn nicht nur wird die Nahrung so zerkleinert, dass die hauseigene Maschinerie loslegen kann, vor allem wird die Nahrung mit Verdauungsenzymen aus dem Speichel durchsetzt und kommt so wohlvorbereitet im Magen an. "Es braucht weniger Magensäure. Man kann Übersäuerung so vermeiden", sagt Birgit Scheffler: "Die Verdauung beginnt im Mund."

8. Bewegen!

Bewegung wirkt entsäuernd. Jeder Atemzug an der frischen Luft baut Übersäuerung ab. Jeden Tag 30 Minuten Bewegung, empfiehlt Birgit Scheffler; "egal ob mit 60, 70 oder 80 Jahren!" Jeden zweiten Tag eine Stunde Bewegung, geht auch - Ausdauersportarten wirken Wunder. Und helfen nicht zuletzt bei einem weiteren wichtigen Punkt:

9. Bloß keinen Stress

"Halten Sie Stress fern", mahnt die Ernährungsberaterin. Unguter Stress belaste die Seele, schwächt das Immunsystem und greift besonders das Herz an. Der Mensch wird anfälliger für Infektionen. Wer Stress nicht vermeiden kann, der sollte sich auf Entspannungstechniken konzentrieren. Außerdem: Genussgifte meiden und genug schlafen. "Ab 60 Jahren acht Stunden", so Scheffler. Und: "Lachen Sie viel!"

10. Gewicht

 

Klar ist, dass Übergewicht den Körper und alle Organe schneller altern lässt. Gewicht also in Grenzen halten. Denn Übergewicht bringt Bluthochdruck mit sich, Diabetes, einen erhöhten Cholesterinspiegel und Gelenkprobleme.

Birgit Scheffler könnte noch viele Tipps geben. Zum Beispiel dass Schokolade nicht - wie oft üblich - wie Brot gegessen werden soll, sondern höchstens als ein Stück gelutscht und dann auch keine Vollmilch-, sondern Zartbitterschokolade nehmen. Oder wie wichtig es ist, frisches Gemüse und Obst zu essen. Sie plädiert für Nahrungsergänzungsmittel, denn "in unseren Böden ist nichts mehr drin, zum Beispiel Selen, das ist ausgewaschen, die Böden sind überdüngt und gespritzt". Hinzu kommen bei Obst und Gemüse aus dem Laden, dass diese meist lange Lagerung und Transport hinter sich haben.Im Laden sind sie Licht und Luft ausgesetzt - Sauerstoff zerstört die Vitamine, Vitamin C zum Beispiel verändert sich innerhalb einer halben Stunde.

Ach Gott, was soll man denn noch alles berücksichtigen, möchte man ausrufen. Birgit Scheffler lächelt: "Altsein", sagt sie weise, "beginnt im Kopf..."

Rezept für Blumenkohlcurry mit roten Linsen

Blumenkohl igitt? Den ungeliebten Kohlgeschmack gibt es bei diesem Rezept nicht. Das Blumenkohlcurry mit Linsen lässt die Sonne im Inneren erstrahlen - es stärkt Körper und Seele:

Zutaten

1 Blumenkohl 2 Zwiebeln 4 Möhren 160 g rote Linsen 2 TL Currypulver TL Kurkuma 1 L Gemüsebrühe frischer Ingwer Koriandergrün 4 EL saure Sahne Salz und Pfeffer Zubereitung

Zwiebel, Blumenkohl, Möhren putzen, schälen, kleinschneiden (wer Zwiebeln nicht mag, kann sie auch weglassen). Mit den Linsen in eine Pfanne geben und in reichlich Rapsöl anschwitzen. So viel frischen Ingwer mit einer Reibe darüber raspeln, wie man mag (kann ruhig ein Stückchen sein). Gewürze darüber geben (wer kein Kurkuma hat, kann auch nur Curry nehmen). Mit Gemüsebrühe angießen. Alles 15 Minuten mit geschlossenem Deckel sanft köcheln lassen, das brauchen die Linsen, um gar zu werden. Abschmecken mit Salz und Pfeffer. Saure Sahne unterrühren. Koriandergrün zur Deko.