Das neuartige Coronavirus "Sars-Cov-2" oder COVID-19 sorgt für große Verunsicherung. Zahlreiche Menschen sind mittlerweile damit infiziert und befinden sich in Quarantäne. Das "Robert-Koch-Institut (RKI)" gibt täglich neue Fallzahlen bekannt. Die Politik versucht die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, um der Forschung Zeit für die Entwicklung eines massentauglichen Impfstoffes zu verschaffen. Doch was geschieht im Körper, wenn die Infektion einen schweren Verlauf nimmt?

Bei schweren Verläufen gelangt das Coronavirus in die unteren Atemwege, also in die Lunge. Dort verursacht es das akute Atemnotsyndrom (ARDS), eine Art des Lungenversagens durch eine großflächige Lungenentzündung. Dabei schwillt das Gewebe an und es sammelt sich Flüssigkeit in der Lunge. 

Was macht das Coronavirus im Körper? Lungenentzündung und Blutvergiftung drohen 

Betroffenen fällt das Atmen schwerer, weil die Viren von Abwehrzellen aufgenommen werden und sich im Gewebe zwischen den Lungenbläschen anreichern. Den Betroffenen fällt das Atmen zunehmend schwerer. Der Körper wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. 
Noch kritischer wird es, wenn die Infektion zu einer Sepsis (Blutvergiftung) führt. Bei einer viralen Sepsis gelangen Viren aus dem entzündeten Gewebe in die Blutbahn.

Auf diesem Weg verbreiten sich im ganzen Körper und in den Organen. Die Folge: Das Immunsystems überreagiert. Es werden so viele Abwehrstoffe produziert, dass sich die Blutgefäße entzünden können. Die Blutgerinnung funktioniert nicht mehr wie gewohnt und es bilden sich Blutgerinnsel. Es ein droht ein septischer Schock, bei dem das Herz es nicht mehr schafft, den Körper ausreichend zu durchbluten. 

Umso wichtiger ist die Entwicklung eines Impfstoffs. Lothar Wieler, Chef des "RKI", sagt, dass es mehrere Impfstoff-Kandidaten gebe. Diese müssen allerdings getestet werden - und das kann dauern. Wieler rechnet nicht mit einem Fortschritt vor dem Jahr 2021. "Der Impfstoff soll nicht nur helfen, er darf auch keinen Schaden anrichten", macht der "RKI"-Chef deutlich.

Coronavirus: Impfstoff dringend benötigt

Durch die Dringlichkeit einer Impfstoffentwicklung gegen das Coronavirus veröffentlichen Wissenschaftler weltweit aktuell deutlich schneller, was sie erforscht haben. Neueste Erkenntnis der Forschung ist, dass eine Quarantänezeit von zwei Wochen wohl ausreichend ist, um zu erkennen, ob aus einem Verdachts- ein Infektionsfall geworden ist. Das zeigt eine Studie, die im Fachmagazin Annals of Internal Medicine publiziert wurde. Darin heißt es, dass bei 99 Prozent aller am Coronavirus erkrankten Menschen die Symptome innerhalb von 14 Tagen auftreten.

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Ein Meilenstein der Impfstoff-Forschung bezüglich des Coronavirus gelang Wissenschaftlern Mitte Februar: Forscher aus den USA konnten das Schlüsselprotein des Virus dreidimensional abbilden. Dieses Protein ist von so großer Bedeutung, da das Coronavirus dadurch in die Wirtszelle eindringen kann, heißt es im Fachmagazin Science. Untersuchungen chinesischer Forscher zeigen, dass das Protein des aktuell grassierenden Coronavirus sich von verwandten Viren unterscheidet: Es ist deutlich aggressiver. Der markanteste Unterschied ist dabei, dass die Aktivierung durch das Enzym "Furin" erfolgt. "Furin" ist zum Beispiel im Dünndarm, der Lunge oder der Leber zu finden. Das insbesondere als Lungenkrankheit titulierte Coronavirus könnte also nicht nur die Lunge, sondern auch weitere Organe befallen.

Ein Ansatz in der Impfstoffentwicklung ist, Moleküle zu erforschen, die "Furin" blockieren können. Die Wissenschaftler haben jedoch noch einen weiteren Aspekt des Coronavirus erkannt, wie der Spiegel berichtet. Demnach wurde in zahlreiche Experimenten erkannt, dass sich "Furin" zehnfach so stark mit einem Enzym, das für die Regulierung des Blutdrucks verantwortlich ist, verbindet. Das unterscheidet das neuartige Coronavirus maßgeblich von "Sars", der herkömmlichen Form des Coronavirus. Da einer der häufigsten Todesursachen von Coronavirus-Infizierten die Blutvergiftung ist, könnte dies ein Ansatz in der Entwicklung des Impfstoffes sein.

Impfstoff gegen Coronavirus: Ebola-Behandlung in Bayern

Wissenschaftler experimentieren mittlerweile auch mit unkonventionellen Methoden: Beispielsweise wird in Wuhan, der Region Chinas, in der das Coronavirus ausbrach, mit HIV-Präparaten versucht das Coronavirus zu bekämpfen. Auch in Deutschland gibt es Ideen. So wird im bayerischen Weilheim derzeit eine Coronavirus-Patientin mit einem Ebola-Medikament behandelt. Durch die Verabreichung verbesserten sich die Symptome innerhalb eines Tages, wie der Bayerische Rundfunk berichtet. Allerdings besitzt das Ebola-Medikament in Deutschland bislang keine Zulassung.

Im Vergleich zur Impfstoff-Entwicklung sollen Schnelltests zur Erkennung des Coronavirus deutlich schneller auf den Markt kommen. Innerhalb von wenigen Minuten kann das Virus damit identifiziert werden. Das könnte Todesfälle verhindern. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation "WHO" verursacht "Sars-Cov-2 bei vier von fünf Patienten nur moderate Symptome, die oftmals unterschätzt werden.

Allerdings bleibt bei diesen Schnelltests die Frage unbeantwortet, wie zuverlässig diese sind. Mit Antikörpertests, die deutlich aufwendiger sind, können Ärzte bislang stichhaltiger Diagnosen stellen.