Das Thema Corona-Impfstoff wird derzeit heiß diskutiert: Wenn es so weit ist, soll ein Impfstoff der Heilsbringer sein, der die Gesellschaft wieder zurück in den Normalzustand versetzt und der ganzen Pandemie ein Ende bereitet.

Nicht verwunderlich also, dass sich viele Menschen sehnlichst die Nachricht von einem "Super-Impfstoff" gegen das Coronavirus herbeiwünschen. Oliver Keppler,  Virologe und Vorstand des "Max von Pettenkofer-Instituts" an der "Ludwig-Maximilians-Universität München", hat eine Einschätzung abgegeben, wann denn mit einem potenziellen Impfstoff zu rechnen ist: Die Prognose dürfte für viele ein Dämpfer sein.

Corona-Impfstoff: Entwicklung kann Jahrzehnte dauern

In einem Interview mit der Tagesschau äußert sich Keppler zur Einschätzung der "WHO", dass innerhalb der nächsten elf bis 17 Monate mit einem Impfstoff zu rechnen sei. "Es gibt weltweit mehr als einhundert Projekte zur Impfstoffentwicklung, die auf dem Weg sind und viele brillante Forscher, Konsortien und Impfstofffirmen arbeiten mit, es fließen Milliarden", so Keppler. Erfolg sei dennoch nicht garantiert, führt er aus. 

Bereits seit Jahrzehnten kämpft die Forschung mit anderen pandemische Infektionskrankheiten wie HIV, Dengue-Fiber, Tuberkulose oder Malaria und findet keine effektiven Lösungen. Laut Keppler sei es möglich, dass die Entwicklung mehrere Jahre oder Jahrzehnte dauern kann: "Es ist auch nicht gesagt, dass es überhaupt einen hocheffektiven und sicheren Impfstoff geben wird."

Ganz auszuschließen sei ein Impfstoff natürlich trotzdem nicht, es sei nur unrealistisch, ein Mittel zu entwickeln, welches ohne Nebenwirkungen für alle Alters- und Risikogruppen geeignet ist. "Ich bin relativ zuversichtlich, auch wegen der großen Anstrengungen, die im Moment in die Entwicklung gesteckt werden, dass wir Impfstoffe bekommen, die für gewisse Personengruppen zumindest eine Teilimmunität hervorrufen werden."

Neue Studien: "Ergebnis eigentlich eine Katastrophe"

Besonders kritisch seien aktuelle Studienergebnisse zu betrachten, die mit Schlagzeilen wie "Erfolg in der Impfstoffentwicklung" werben. Besonders erschreckend sei ein Bericht aus den USA gewesen, in dem stand, dass acht von 34 geimpften Probanden eine Immunreaktion gezeigt hätten. "Das wäre der Zeitpunkt, an dem man die Forschung zu diesem Impfstoff abbrechen oder ganz 'zurück auf Start' gehen müsste, weil dieses Ergebnis eigentlich eine Katastrophe ist. Da wird momentan - natürlich auch aus wirtschaftlichen Interessen - ein Hype produziert, der mit der Realität nicht viel zu tun hat."

Einen Super-Impfstoff gegen "Sars-Cov-2" hält der Virologe zwar für unrealistisch, dennoch ist er zuversichtlich, was die medizinische Behandlung angeht. "Ich bin aber zuversichtlich, dass wir medizinische Mittel finden werden, die helfen, wenn auch nicht klar ist, wann." Auch antivirale Medikamente seien denkbar, um die Krankheitsverläufe abzuschwächen und Folgeschäden zu verhindern.

Zur Eindämmung des Virus ist auch eine App geplant. Der Virologe Hendrik Streeck hat allerdings Zweifel daran, dass sie den gewünschten Nutzen erzielt.

aa