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Hepatitis-E-Infektion beim Grillen: Robert-Koch-Institut meldet dramatisch gestiegene Zahlen

Vorsicht beim Grillen! Medizinier der Universitätsklinik Essen warnen aktuell vor einer Infektion mit Hepatitis E durch falsches Grillen. Es drohen schwere Leberschäden. Die Zahl der Fälle in Deutschland nimmt zu. So können Sie sich schützen.
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Vorsicht beim Grillen: Es können schwere Leberschäden durch Hepatitis E drohen. Davor warnt die Universitätsklinik Essen in einer Pressemitteilung. Der Grund scheint banal. Jeder kann sich schützen. Symbolfoto: David Ebener/dpa
Vorsicht beim Grillen: Es können schwere Leberschäden durch Hepatitis E drohen. Davor warnt die Universitätsklinik Essen in einer Pressemitteilung. Der Grund scheint banal. Jeder kann sich schützen. Symbolfoto: David Ebener/dpa
Hepatitis-Gefahr am Grill - wie kann man sich davor schützen? Wer sein Fleisch nicht richtig durchbrät, läuft Gefahr, sich eine gefährliche Hepatitis-E-Infektion zu holen. Denn die Hauptursache für Hepatitis E in Europa ist Schweinefleisch, das nicht richtig durchgebraten beziehungsweise durchgekocht wurde. Hepatitis E kann schwere Leberschäden bis hin zur Leberzirrhose hervorrufen. Dies berichtet das Universitätsklinikum Essen in einer aktuellen Pressemitteilung. Prof. Dr. Heiner Wedemeyer, Direktor der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie am Universitätsklinikum Essen, rät Grill-Freunden zur Sorgfalt.


Zahl der Hepatitis-E-Erkrankungen in Deutschland deutlich gestiegen

"Die Zahl der Hepatitis-E-Erkrankungen hat in den letzten Jahren in Deutschland deutlich zugenommen", so das Universitätsklinikum Essen. "Beim Robert-Koch-Institut in Berlin wurden 2017 knapp 3000 Fälle gemeldet, etwa vier Mal mehr im Vergleich zu 2013. Die Gesamtzahl der Neu-Infektionen wird von Experten in Deutschland auf Basis von Antikörper-Untersuchungen sogar auf etwa 400.000 Fälle pro Jahr geschätzt."


Beim Grillen infiziert: Diese Personen sind besonders gefährdet

Wer sich beim Grillen oder anderswo infiziert hat, bemerkt erst einmal nichts. Die Inkubationszeit von Hepatitis E beträgt 30 bis 40 Tage. Danach kommt es zu Beschwerden. Die meisten Hepatitis-E-Infektionen heilen bei den Betroffenen mit kaum spürbaren Beschwerden aus. Für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder mit einer chronischen Lebererkrankung kann eine Infektion allerdings sehr gefährlich werden. Ihnen drohen chronische Verläufe mit akuten Beschwerden oder eine gefährliche Leber-Zirrhose, warnt Leber-Experte Prof. Dr. Heiner Wedemeyer. Klinisch ist die Hepatitis E nicht von der Hepatitis A zu unterscheiden. In 0,5 bis 4 Prozent aller Fälle verläuft die Erkrankung tödlich. Besonders gefährdet sind Schwangere: Hier beträgt die Sterblichkeit bei einer Hepatitis-E-Infektion 25 Prozent.


Hepatitis E durch Schweinefleisch: So schützen Sie sich

Prof. Dr. Heiner Wedemeyer rät allen Grill-Fans: "Da nicht richtig erhitztes Schweinefleisch die Hauptinfektionsquelle für Hepatitis E ist, sollte das Fleisch auf dem Grill bei mindestens 70 Grad etwa 20 Minuten gebraten werden." Übrigens: Im Gegensatz zum Schweinefleisch (und auch Wildschweinfleisch und Hirsch) wurde im Rindfleisch in Europa bislang keine verbreitete Belastung mit Hepatitis-E-Viren festgestellt.

Für die Europäische Lebergesellschaft hat Prof. Dr. Heiner Wedemeyer gerade mit vier weiteren Fach-Medizinern aus England, der Schweiz, Frankreich und Deutschland die weltweit erste Leitlinie zum Umgang mit Hepatitis E. Die beinhaltet Handlungsempfehlungen für Tests und Therapien im Umgang mit der Infektion.


Weitere Gesundheits-Gefahren durch Grillen

Wenn Würste, Steaks und Gemüse auf dem Rost brutzeln, steigt nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Gesundheitsgefahr. Erst kürzlich warnte das Bundesumweltministerium vor der Feinstaub-Belastung durch Holzkohle-Grills. Immer wieder wird auch die Krebsgefahr thematisiert, die durch Grillen - vornehmlich mit Holzkohle - entstehen soll.


Profi-Tipp 1: Kein gepökeltes Fleisch grillen

Gepökeltes Fleisch oder Fleischerzeugnisse sollten nicht über 130 Grad erhitzt werden, da sonst Nitrosamine entstehen, die eine krebserregende Wirkung haben. Da diese Temperatur beim Grillen meist überschritten wird, sind Kassler, Speck, Schinken und gepökelte Würste eher nicht geeignet.


Profi-Tipp 2: Kein Fett in die Glut

Fett sollte niemals vom Grillgut direkt in die glühende Kohle tropfen. Das Fett verbrennt, es qualmt und stinkt, aber schlimmer noch: Es entstehen Benzpyrene, und diese werden mittels Rauch nach oben auf das Grillgut, sprich Steaks und Würste, übertragen.




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