• Wie wirkt Vitamin K im Körper?
  • Warum wurde Vitamin K Gegenstand wissenschaftlicher Forschung?
  • Ermöglichen die Studienergebnisse neue Therapieansätze?

Vitamin K ist in erster Linie für die Blutgerinnung wichtig, spielt aber auch eine Rolle beim Knochenstoffwechsel. Jetzt gelang es einem Forschungsteam eine weitere wichtige Funktion von Vitamin K zu beweisen und gleichzeitig ein bisher unbekanntes Enzym zu identifizieren. Bei Erkrankungen, die mit einer bestimmten Form des natürlichen Zelltods zusammenhängen, könnte diese Entdeckung neue Therapieoptionen eröffnen. 

Wie wirkt Vitamin K im Körper?

Die Vitamine A, D und E sind dir wahrscheinlich als fettlösliche Vitamine bekannt. Vergessen wird allerdings oft das Vitamin K, das ebenfalls zu dieser Gruppe gehört. Übrigens, leicht zu merken sind die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K mit dem Wort EDEKA. Nun zurück zum Vitamin K, das im Körper zum einen die Blutgerinnung regelt, zum andern aber auch wichtig für den Knochenstoffwechsel ist. Der Begriff Vitamin K umfasst dabei eine Gruppe von Verbindungen, zu denen auch das Vitamin K1 (Phyllochinon) und das Vitamin K2 (Menachinon) gehören. Der Vollständigkeit halber sei noch das Vitamin K3 (Menadion) erwähnt, das ausschließlich synthetisch hergestellt und heute nur noch als Zusatzstoff für Tierfutter verwendet wird.

Vitamin K1 - wichtig für Blut und Gefäße: Besonders reich an Vitamin K1 sind grüne Gemüsesorten wie Spinat, Brokkoli oder Grünkohl. Hier reichen schon kleine Mengen von bis zu 100 Gramm aus, um den Körper ausreichend zu versorgen. Zu den wichtigsten Aufgaben von Vitamin K1 gehört die Bildung von Gerinnungsfaktoren aus inaktiven Vorstufen. Bei einem Vitamin-K-Mangel kann das Blut bei einer Verletzung nicht so gut gerinnen und die Blutung stoppt langsamer. Zudem verhindert es Kalkablagerungen in Blutgefäßen und schützt somit vor Arteriosklerose. 

Vitamin K2 - wichtig für den Knochenstoffwechsel: Unsere Darmbakterien im Dickdarm sind zwar in der Lage, Vitamin K2 herzustellen, es wird jedoch nur unzureichend vom Körper aufgenommen. Vitamin K2 findet sich hauptsächlich in tierischen Nahrungsquellen wie in Milchprodukten, Fleisch und Eiern oder in fermentierten Lebensmitteln wie Sauerkraut oder gereiftem Käse. Vitamin K2 ist wichtig für das Skelett und wirkt unterstützend bei dem Erhalt der Knochendichte und dem Knochenumbau, indem es die Regulierung, den aktiven Transport und die Verteilung von Kalzium fördert. Besonders gut verfügbar für den Körper ist Vitamin K2 in seiner Menachinon-7 oder MK-7-Form. Es findet sich häufig in Nahrungsergänzungsmitteln in Kombination mit Vitamin D, da beide zusammen den Knochenstoffwechsel effektiver unterstützen. 

Warum wurde Vitamin K Gegenstand wissenschaftlicher Forschung?

Pro Sekunde sterben bei einem gesunden Menschen Millionen Zellen ab. Was sich zunächst dramatisch anhört, ist jedoch wichtig für einen gesunden Organismus. Denn beim sogenannten programmierten Zelltod, der medizinisch als Apoptose bezeichnet wird, begehen Körperzellen sozusagen Selbstmord, wenn sie ihre Lebensdauer überschritten haben oder gefährlich sind. Sie zerfallen und neue, funktionsfähige Zellen treten an ihre Stelle. Bei bösartigen Tumorzellen ist dieser programmierte Zelltod erwünscht, da ein unkontrolliertes Wachstum dadurch verhindert wird. Es gibt jedoch Erkrankungen, bei der eine vorzeitige oder verstärkte Apoptose zur Verschlimmerung der Symptome führen kann. 

Bei der sogenannten Ferroptose handelt es sich um eine erst 2012 entdeckte Form des Zellsterbens, die an verschiedenen krankheitsfördernden Prozessen beteiligt ist. Hierbei wird die Zellmembran einer Zelle durch bestimmte Prozesse zerstört. Eisen spielt hier eine wichtige Rolle, weshalb diese Form des natürlichen Zelltods als Ferroptose bezeichnet wird, denn das lateinische Wort "ferrum" bedeutet Eisen. Die Ferroptose wird als beschleunigender Faktor bei der Alzheimer-Erkrankung, bei akuten Verletzungen von Organen und weiteren Krankheiten beschrieben. Somit gilt die Verringerung der Ferroptose als hoffnungsvoller Ansatz bei der Therapie vieler degenerativer Erkrankungen, bei denen Abnutzung, Verschleiß und Alterung eine Rolle spielen. 

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen erforschen nun intensiv neue Mechanismen und Wirkstoffe, die die Ferroptose regulieren. Ein internationales Forschungsteam untersuchte aktuell Vitamin K als Möglichkeit, die Ferroptose zu verhindern.

Ermöglichen die Studienergebnisse neue Therapieansätze?

Die Forschenden kamen zu dem Ergebnis, dass Vitamin K in seiner vollständig reduzierten Form als Vitamin K-Hydrochinon in der Lage war, Zellen und Gewebe vor der Ferroptose zu schützen. Die Wirkung kommt zustande, weil Vitamin K hier als starkes fettliebendes (lipophiles) Antioxidans wirkt und die Ferroptose verhindert, indem es Sauerstoffradikale in Zellmembranen einfängt. Antioxidantien stellen eine Gruppe von Molekülen dar, die den Organismus vor reaktiven Sauerstoffradikalen schützt. Herrscht im Körper ein Ungleichgewicht zwischen freien Sauerstoffradikalen und Radikalfängern (Antioxidantien) vor, wird dies als oxidativer Stress bezeichnet. Wenn eine hohe Konzentration an freien Sauerstoffradikalen über einen längeren Zeitraum bestehen bleibt, steigt damit das Risiko für Krankheiten, die das Immunsystem betreffen, aber auch für rheumatische oder Nervenerkrankungen. Vitamin K erfüllt hier also die Funktion eines Radikalfängers, der die Sauerstoffradikale in Zellmembranen einfängt und dadurch die Ferroptose verhindert.

Außerdem entdeckten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Enzym, das Vitamin K effizient zu Vitamin-K-Hydrochinon reduziert. Es handelt sich hier um FSP1 oder Ferroptose-Suppressor-Protein-1. Damit wurde der bisher unbekannte Mechanismus des Vitamin-K-Stoffwechsels bei der Blutgerinnung entschlüsselt. 

Diese Entdeckungen können dabei helfen, neue Therapien für Krankheiten zu entwickeln, an denen die Ferroptose beteiligt ist. Zudem vermuten die Forschenden, dass es sich bei Vitamin K um eine der ältesten Arten von natürlich vorkommenden Antioxidantien handeln könnte und die Ferroptose ebenso eine sehr alte Form des Zelltods darstellt. Hierdurch könnten sich neue Erkenntnisse hinsichtlich der Bedeutung von Vitamin K bei der Evolution des Lebens ergeben.

Fazit

Bisher war Vitamin K als ein Vitamin bekannt, das wichtige Funktionen bei der Blutgerinnung und beim Knochenstoffwechsel übernimmt. Die neu entdeckte Funktion von Vitamin K scheint Menschen eine neue Therapiemöglichkeit eröffnen zu können, die an bestimmten degenerativen Erkrankungen leiden. Ein Grund mehr, deinen Speiseplan mit Lebensmitteln zu bereichern, die Vitamin K enthalten, denn der vielseitige Vitalstoff muss über die Nahrung zugeführt werden.