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Vitamin D Tabletten

Vitamin-D-Tabletten: Ergänzungsmittel sind nutzlos oder sogar schädlich

Besonders im Winter greifen viele Menschen auf Vitamin D Tabletten zurück. Doch dien Zeitschrift "Öko-Test" warnt jetzt vor solchen Nahrungsergänzungsmitteln. Denn: Viele Produkte sind nutzlos und können sogar teilweise schädlich sein.
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Wegen der geringeren Sonneneinstrahlung greifen Menschen  gerade im Winter, wenn die Tage dunkler werden, oft zu Vitamin-D-Präparaten.  Öko-Test hat sich 21 Präparate genauer angesehen. Foto: oekotest.de
Wegen der geringeren Sonneneinstrahlung greifen Menschen gerade im Winter, wenn die Tage dunkler werden, oft zu Vitamin-D-Präparaten. Öko-Test hat sich 21 Präparate genauer angesehen. Foto: oekotest.de

  • Die Zeitschrift Öko-Test hat 21 Vitamin D Tabletten getestet, darunter 16 Ernährungsergänzungsmittel
  • Das Ergebnis: Arzneimittel schneiden gut ab, die Ergänzungsmittel fallen hingegen alle durch
  • Öko-Test erklärt, warum Ergänzungsmittel meistens sowieso überflüssig sind

Vitamin D: Ergänzungsmittel versagen im Test

In der kalten Jahreszeit, wenn die Tage kürzer und dunkler werden, greifen viele Menschen auf Mittel mit Vitamin D Tabletten zurück. Damit wollen sie die Auswirkungen des mangelnden Sonnenscheins ausgleichen. Der Körper kann Vitamin D nämlich selbst produzieren - braucht dafür allerdings die Hilfe der Sonne.

Die Zeitschrift Öko-Test hat sich daher 21 Präparate angesehen, die in Apotheke oder Drogerie verkauft werden. Fünf davon sind Arzneimittel, weitere 16 sind Nahrungsergänzungsmittel. Das Ergebnis zeigt, dass die Arzneimittel sinnvoll sind - sie schnitten im Test mit den Noten "Gut" bis "Sehr gut " ab. Von den Ergänzungsmitteln erhielten zehn nur die Note "Ausreichend".

Die Tester kommen zum Fazit, dass Vitamin D nur in Form von Arzneimitteln eingenommen werden sollte, aber nur in Rücksprache mit einem Arzt.

Der Körper produziert und speichert Vitamin D

Auf Ergänzungsmittel kann aus ihrer Sicht ganz verzichtet werden. Ein gesunder Mensch produziert genug Vitamin D und speichert dieses im Körper, so dass auch in der dunklen Jahreszeit genug vorhanden ist. Eine Gefahr des Mangels besteht nicht. Lediglich bei Neugeborenen wird die Zugabe von Vitamin D empfohlen, um Rachitis vorzubeugen.

Bei gesunden Erwachsenen hat Vitamin D keine vorbeugende Wirkung. Im Gegenteil: Zu viel Vitamin D, in Eigenregie eingenommen, schädigt den Calciumstoffwechsel und die Knochengesundheit und kann Nierenschäden verursachen.

Vor einigen Mitteln warnt "Öko-Test" daher: Sie enthalten deutlich mehr als die angegebene Höchstmenge von 20 µg. Dies war bei Produkten von Abtei und tetesept der Fall.

Das Fazit also: Wenn es keine medizinische Notwendigkeit gibt, Finger von Vitamin-D-Präparaten lassen. Sie sind im besten Fall nutzlos und im schlimmsten Fall schädlich.

Warum braucht der Mensch Vitamin D?

Fest steht: Ein echter Vitamin-D-Mangel ist tatsächlich schädlich für die Gesundheit. Davon kann bei den meisten Menschen in Deutschland aber nicht die Rede sein.

Vitamin D ist die Vorstufe eines lebensnotwendigen Hormons, erklärt Prof. Helmut Schatz aus dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Besonders wichtig ist es für gesunde Knochen, es beeinflusst aber auch die Funktion der Muskeln. Im Unterschied zu anderen Vitaminen nimmt der Mensch nur einen kleinen Teil des Vitamin D über die Nahrung auf - zum Beispiel über fetten Seefisch.

80 bis 90 Prozent bildet der Körper in der Haut selbst, mithilfe von Sonnenlicht.

Nun ist Deutschland nicht gerade sonnenverwöhnt. Immer mehr Menschen glauben daher offenbar, dass sie unter einem Vitamin-D-Mangel leiden. Für rund 177 Millionen Euro verkauften allein Apotheken im Jahr 2017 Vitamin-D-Präparate. Das hat das Unternehmen IQVIA ausgerechnet, das den Pharmamarkt beobachtet.

Wann spricht man von einem Mangel an Vitamin D?

Birgit Niemann vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)erklärt, dass wir erst von einem Mangel sprechen, wenn Menschen Symptome haben, also krank sind. Weit verbreitete Mangelerscheinungen gab es früher zum Beispiel bei Jod. Seit den 1980er-Jahren wird in Deutschland daher flächendeckend der Konsum von mit Jod angereichertem Salz empfohlen. "Beim Vitamin D ist das nicht der Fall", betont Niemann. "Wir teilen die Ansicht, dass es in Deutschland einen flächendeckenden Vitamin-D-Mangel gebe, ausdrücklich nicht."

Das BfR interessiert aber nicht nur, ob es der Bevölkerung an etwas mangelt - das Institut will auch wissen, wie optimal die Menschen versorgt sind. "Und da gibt es bei vielen Vitaminen noch Luft nach oben", sagt Niemann. Vitamin D gehöre auch dazu.

Bei welchen Werten wird von einem Mangel ausgegangen?

Dem Robert Koch-Institut zufolge erreicht gut die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland die als optimal angesehene Serumkonzentration von 50 Nanomol pro Liter (nmol/L) oder 20 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) nicht. Haben die nun alle einen Mangel? "Nein", sagt Niemann. "Es könnte aber sein, dass sie ein Risiko für eine Unterversorgung haben."

Denn das Risiko der Unterversorgung besteht immer, wenn die Serumkonzentration unter dem Optimalwert liegt. Von einem Mangel sprechen Mediziner aber erst, wenn der Wert noch viel tiefer liegt - 10 ng/ml für einen moderaten und 5 ng/ml für einen schweren Mangel. Beides komme relativ selten vor, sagt Schatz.

Ein höheres Risiko haben Säuglinge, die daher flächendeckend Vitamin D bekommen, und auch ein paar andere: Menschen zum Beispiel, die gar nicht oder nur verschleiert das Haus verlassen, Senioren über 65 Jahren und Menschen mit dunkler Hautfarbe. Bei diesen Gruppen kommt eine prophylaktische Gabe von Vitamin D in Betracht, sagt Schatz.

Was bedeutet ein Vitamin-D-Mangel für die Gesundheit?

Nun klingt aber auch Unterversorgung nicht wie etwas, das man gern hätte. Doch was bedeutet das eigentlich konkret? "Das ist ein Kern des Problems", sagt Schatz: "Wir wissen es nicht." In zahlreichen Studien haben Wissenschaftler versucht herauszufinden, ob Menschen mit niedrigem Vitamin-D-Spiegel früher sterben, ob sie häufiger an Krebs erkranken oder einen Herzinfarkt erleiden.

Etliche Studien fanden auch einen Zusammenhang zwischen Atemwegs- und rheumatischen Erkrankungen oder Diabetes und einer niedrigen Vitamin-D-Konzentration im Blut. "Was hier aber die Frage ist: Erhöht jetzt der niedrige Vitamin-D-Wert das Risiko für zum Beispiel Rheuma? Oder ist es umgekehrt: Beeinflusst die Erkrankung den Vitamin-D-Spiegel?"

So kann man seinen Vitamin-D-Wert auch ohne Pillen steigen lassen

Wer unbedingt wissen will, ob er ausreichend versorgt ist, dem rät die Stiftung Warentest zu einem Bluttest über den Hausarzt. Sieht der für die Überprüfung keinen Anlass, muss der Patient die rund 20 Euro jedoch selbst bezahlen. Die Überprüfung ist nicht Teil eines normalen Check-ups.

Und wer meint, dass er ohne Nahrungsergänzungsmittel nicht über die Runden kommt, könne auf eigene Kosten solche Pillen schlucken, sagt Schatz. Dosierungen von 800 bis 1000 Internationalen Einheiten (I.E.) schaden dem Körper zumindest nicht. Nimmt jemand ohne medizinischen Grund mehr als 4000 I.E. zu sich, kann aber zum Beispiel die Niere leiden. 

Und dann ist da ja noch der natürliche Weg, Vitamin D zu tanken: die Sonne. Wer zu einer optimalen Versorgung seines Körpers beitragen möchte, sollte täglich vor die Tür gehen. "Sie müssen dafür nicht den halben Tag in der Sonne liegen", sagt Niemann. "25 Minuten täglich genügen." Dabei sollte rund ein Drittel des Körpers der Sonne ausgesetzt werden.

"Als Faustregel sagen wir: die halbe Zeit bis zum Sonnenbrand", ergänzt Schatz. Sorge, dass die Haut im Winter zu wenig Vitamin D bildet, müsse man sich nicht machen. "Wer sich im Sommer regelmäßig kurz draußen aufhält, füllt seine Speicher so weit auf, dass er gut durch den Winter kommt." Auch im Winter lohnen sich Spaziergänge. Denn selbst wenn der Himmel bedeckt ist, wird in der Haut noch Vitamin D gebildet.



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