Die Forschung beschäftigt sich bereits seit geraumer Zeit mit der Frage, ob Kinder "schlaue" Gene, sprich Intelligenz, von der Mutter oder dem Vater vererbt bekommen. Die Untersuchungen von Jennifer Delgado Suárez, einer spanischen Wissenschaftlerin geben darauf eine eindeutige Antwort.

Vererbung von Intelligenz: Von welchem Elternteil kommen die schlauen Gene?

Delgado Suárez hat ihre Erkenntnisse bereits vor längerer Zeit auf dem Blog Psychology Spot veröffentlicht: Die Psychologin und ihr Forschungsteam kommen darin zum Ergebnis, dass Gene, die für kognitive Funktionen verantwortlich sind, komplett deaktiviert werden, sobald sie vom Vater vererbt werden. Das würde bedeuten, dass lediglich die Gene der Mutter eine Rolle im Kontext vererbter Intelligenz spielen. Darüber berichten unter anderem dieWelt sowie Focus Online.

Die Erklärung hierfür sehen die spanischen Forschern in sogenannten "konditionierten Genen": Sie sind demnach für Intelligenz verantwortlich. Da grundsätzlich entweder die Gene der Mutter oder des Vater übertragen würden, sei die Situation eindeutig: Laut den Ergebnissen der Wissenschaftler bleiben hierbei nur die Gene der Mutter übrig - die Gene des Vaters haben demnach keinen Einfluss auf die Intelligenz des Kindes. Doch ist die Lage wirklich so eindeutig?

Schlaue Gene liegen auf X-Chromosom: Stimmt das wirklich?

Es kursieren immer wieder Gerüchte, dass Gene, die die Intelligenz maßgeblich beeinflussen, mehrheitlich auf dem X-Chromosom zu finden seien. Da Frauen zwei X-Chromosome besitzen, befänden sie sich in "Pole-Position" im Vererbungswettrennen mit den Männern. Simple Rechnung: Frauen haben doppelt so viele im Vergleich zu Männern.

Bisher konnte nicht das "eine" Gen identifiziert werden, das maßgeblichen Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten des Menschen hat. Wissenschaftler der National Academy of Sciences in den USA treffen die Annahme, dass eine Vielzahl an Genvarianten daran beteiligt sind. Wie Spiegel Online berichtet, haben diese jedoch jeweils nur einen geringen Einfluss. Allerdings berichten einige Forscher davon, dass sie eine Häufung von Genen festgestellt haben, die im Kontext von Intelligenz Relevanz aufweisen. David H. Skuse veröffentlichte dazu Forschungsergebnisse im Fachmagazin der Oxford Academic "Human Molecular Genetics". Tests bei geistig behinderten Menschen ergaben, dass entsprechende Genvarianten dort überdurchschnittlich oft zu finden sind. Schätzungen chinesischer Wissenschaftler nach sind 16 Prozent der Gene, die Einfluss auf die Intelligenz haben, auf dem X-Chromosom zu finden.

Verwirrung um Vererbung: Was heißt das nun?

Abschließend kann nicht geklärt werden, ob die Intelligenz mehrheitlich beziehungsweise ausschließlich durch Frauen vererbt wird. Ebenfalls unklar ist, ob die die Intelligenz beeinflussenden Gene auf X-Chromosomen zu Hause sind. Um die Debatte einzuordnen, ist von Bedeutung, dass die Forschung davon ausgeht, dass lediglich 50 Prozent der Intelligenz eines Menschen durch Gene beeinflusst werden kann. Die anderen 50 Prozent sind maßgeblich durch Lebensumstände bedingt.