Plötzlicher Kindstod ist der Schrecken frisch gebackener Eltern. Immer noch sterben jährlich über 100 Kinder in Deutschland plötzlich und ohne Anzeichen vor ihrem zweiten Geburtstag. 

Die australische Schlaf-Wissenschaftlerin Dr. Carmel Harrington hat jetzt wohl die Ursache für die bisher immer noch unerklärliche Todesursache „plötzlicher Kindstod“ (englisch SIDS – sudden infant deadh syndrome) gefunden. Es besteht die Aussicht, gefährdete Kinder frühzeitig zu identifizieren und ihnen im besten Fall auch helfen zu können. Ihre Studie wurde Anfang Mai 2022 in der Zeitschrift "The Lancet" veröffentlicht.

Forscherin entdeckt wichtiges Enzym – Ursache für SIDS gefunden

Ein Team unter der Leitung von Carmel Harrington hat herausgefunden, dass ein Enzym namens Butyrylcholinesterase (BChE) im Gehirn eine wichtige Funktion bei der Übertragung von Signalen spielt. Dieses Enzym ist für den „Erregungsweg im Gehirn“ wichtig, daher tritt der plötzliche Kindstod wohl auch meist im Schlaf von Säuglingen auf. 

Die Forscher*innen entnahmen Babys, die an SIDS gestorben waren, Blutproben und verglichen sie mit gesunden Kindern. Sie fanden heraus, dass bei den gestorbenen Babys deutlich weniger Aktivität von BChE im Blut zu finden war. 

Die Theorie der Forscher*innen um Harrington: Wenn die Atmung eines Säuglings im Schlaf stoppt, führt der Mangel am Enzym BChE dazu, dass das Baby nicht aufwacht oder sich regt – es stirbt. 

Der plötzliche Kindstod – bisher unerklärbarer Schrecken

Bisher gab es bereits viele Theorien und Vermutungen und daraus resultierend teils widersprüchliche Ratschläge an Eltern, wie sie vorbeugen könnten. Oft wurde und wird geraten, dass Kinder im Säuglingsalter nicht auf dem Bauch schlafen sollten, dass sie nicht überhitzen sollten oder dass man Decken und Spielzeug aus Babybetten heraushalten sollte. Auch wurde teilweise das Schlafen im Elternbett kritisiert, andere wiederum sehen das als besonders wichtig an. 

Carmel Harrington ist es ein Anliegen, Eltern Schuldgefühle zu nehmen, denn immer wieder sterben Kinder, deren Eltern alles versucht haben, sich an die mutmaßenden Tipps zu halten, dennoch an SIDS. Diese Eltern machen sich häufig Vorwürfe und haben das Gefühl, das Falsche oder nicht genug getan zu haben. 

"Diese Familien können jetzt mit der Gewissheit leben, dass es nicht ihre Schuld war", so Harrington in einem Interview mit dem Sender ABC. Die Studie wurde zuerst in der Zeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht. Nun könne man damit beginnen, daran zu arbeiten, dass SIDS endgültig der Vergangenheit angehöre.

Forscherin hatte persönlichen Grund für ihre Arbeit

Vor 29 Jahren ereilte Carmel Harrington selbst das traurige Schicksal. Ihr zweijähriger Sohn Damien starb damals an SIDS. "Mein Sohn Damien ist eines Nachts plötzlich und unerwartet gestorben", erzählt Harrington dem TV-Sender ABC. "Es dauerte etwa zwei Jahre, bis ich wieder richtig durchatmen konnte, und da dachte ich, dass ich eigentlich herausfinden möchte, warum er gestorben ist. Niemand konnte es mir sagen. Sie sagten nur, es sei eine Tragödie. Aber es war eine Tragödie, die sich nicht mit meinem wissenschaftlichen Verstand vereinbaren ließ."

In den folgenden Jahren forschte Harrington hartnäckig daran, die Ursache für SIDS zu finden – jetzt mit Erfolg gekrönt. 

Sie bezeichnet den Erfolg als „Geschenk zum Muttertag“, das sie erhalten habe. Jetzt gebe es einen Schwerpunkt für die zukünftige Forschung, um die Ursache für den plötzlichen Kindstod zu bekämpfen. "Es gibt uns einen Schwerpunkt für unsere zukünftige Forschung. Es gibt noch eine ganze Menge zu tun. Jetzt müssen wir nur noch die Mittel dafür auftreiben“, sagts sie bei ABC. 

Um das Geld für die notwendigen Forschungen aufzutreiben,  hat Carmel Harrington eine Crowdfunding-Kampagne gegründet mit dem Namen „Damien’s Legacy“, benannt nach ihrem verstorbenen Sohn.