• Was steckt hinter COVIDBON?
  • Woraus besteht COVIDBON?
  • Kann COVIDBON wirklich effektiv vor COVID-19 schützen?

Unternehmen stellt "COVIDBON" vor: Die AHA+L-Regeln gehören mittlerweile zu unseren täglichen Begleitern. Aber welche Möglichkeiten haben wir noch, um uns neben der Impfung vor einer Corona-Infektion zu schützen? Mittlerweile werden Mundspülungen, Nasenprays oder auch Kaugummis entwickelt, um die Viruslast bereits in Mund und Nase zu reduzieren. Aber können diese Mittel wirklich einen effizienten Schutz bieten? Das Unternehmen Clevergum, das bereits einen antiviralen Kaugummi vertreibt, kommt jetzt mit COVIDBON auf den Markt. Können wir die SARS-Cov-2-Viren und dessen Varianten einfach "weglutschen"?

Was steckt hinter COVIDBON?

Die Grundidee für einen antiviral wirkenden Kaugummi und die nun entwickelte Lutschpastille geht auf eine Richtlinie zum Gebrauch von oralen viruziden Mundspüllösungen zurück, die die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) im Dezember 2020 erstellt hat. Die Gesellschaft stellt fest, dass das Gurgeln mit antiseptischen Mundspüllösungen als sinnvolle Präventionsmaßnahme anzusehen ist. Denn sie wirkt genau dort, wo sich viele Viren befinden, im Speichel. Die Menge an Viren entscheidet neben anderen Faktoren darüber, ob wir uns bei Kontakt zu Infizierten selbst infizieren oder nicht. Zudem ist die Viruslast entscheidend daran beteiligt, wie stark die Symptome auftreten und wie sich der Verlauf einer möglichen Erkrankung gestaltet. Wenn die Viren bereits im Mund- und Rachenraum inaktiviert würden und sich dadurch die Viruslast im Mund und in der Ausatemluft reduzierten, könnte dadurch eine mögliche Übertragung verringert werden. Die Idee bei COVIDGUM und COVIDBON war also, eine praktikable Möglichkeit anzubieten, die es Menschen jederzeit ermöglicht, ihren Mund und Rachen zu desinfizieren. 

Das 2021 gegründete Startup-Unternehmen Clevergum GmbH aus München hat sich auf die Produktion funktioneller Kaugummis und Bonbons spezialisiert. Der Leiter der medizinischen Abteilung, Professor Dr. med. habil. Florian Pfab, arbeitet auch als leitender Mannschaftsarzt des Fußballvereins Eintracht Frankfurt. Trotz aller Hygienemaßnahmen erkrankte er 2020 selbst an Corona und dachte über eine zusätzliche Schutzmaßnahme gegen COVID-19 nach. Da Mundspülungen für den Gebrauch unterwegs weniger gut geeignet sind, entstand die Idee zur Entwicklung eines Anti-Corona-Kaugummis. Es sollte jedoch rund 1,5 Jahre dauern, bis das endgültige Produkt entstand. Die Suche nach antiviral wirksamen natürlichen Wirkstoffen, die Entwicklung der Zusammensetzung und die Testung des Prototyps gingen voraus. 2022 geht nun COVIDBON an den Start, ein antivirales Bonbon mit den Inhaltsstoffen von COVIDGUM.

In Versuchen am Institut fur klinische Forschung Pneumologie Frankfurt (IKF) wurde an Patienten*innen, die mit SARS-CoV-2-Viren infiziert waren, die Wirkung untersucht. Dabei wurde die Viruslast in der Ausatemluft vor und nach dem Lutschen von COVIDBON getestet, indem Messungen nach 5 Minuten Lutschen und in weiteren regelmäßigen Abständen bis 180 Minuten nach der Einnahme von COVIDBON durchgeführt wurden. Die Probanden atmeten hierzu ein immer gleiches Volumen in ein Lungenfunktionsgerät. Dabei wurde vor jeder Messung der Luftpartikelfilter erneuert. Mittels PCR-Test wurde im Anschluss die Last der SARS-Cov-2-Viren zu den vorgegebenen Zeitpunkten gemessen. Die Testungen ergaben, dass nach etwa 15 Minuten Kauen die Virenlast in der Ausatemluft um über 90 % reduziert war. Dabei hielt die Reduktion der Virenlast etwa 90 Minuten an.

Woraus besteht COVIDBON?

Die antivirale Lutschpastille COVIDBON basiert auf einem ähnlichen Wirkprinzip wie das zuvor entwickelte Kaugummi COVIDGUM. In den Produkten sind wertvolle natürliche ätherische Öle wirksam, die aus unterschiedlichen Heilpflanzen gewonnen werden. Ätherische Öle sind leicht verdampfende Extrakte aus Pflanzen oder Pflanzenteilen, die einen für die Pflanze charakteristischen Duft verströmen. Die in den Produkten eingesetzten ätherischen Öle sind nach wissenschaftlichen Erkenntnissen antiviral wirksam. So finden sich hier zum Beispiel Zimtöle, Zitrusöle, Pfefferminzöl, aber auch das aus Weizenkeimextrakt gewonnene Spermidin sowie Quercetin, Ginseng, und Zink.

Spermidin ist eine organische Verbindung (biogenes Polyamin) und wirkt unter anderem förderlich auf die Zellerneuerung (Autophagie). Eine vorab veröffentlichte Charité-Studie, an der unter anderem der Virologe Christian Drosten mitwirkte, legt die Vermutung nahe, dass Spermidin die Vermehrung von SARS-CoV-2-Viren vermindern kann. Hier sind allerdings noch klinische Studien am Menschen notwendig. Quercetin ist ein sogenanntes Flavonoid. Der gelbe Pflanzenfarbstoff findet sich zum Beispiel in Äpfeln, Beerenfrüchten oder Zwiebeln und ist unter anderem für seine antientzündliche und antiallergische Wirkung bekannt. In einer italienischen Studie wurde festgestellt, dass Quercetin die Vermehrung von SARS-CoV-2-Viren verhindern konnte. Zudem stellten Forschende fest, dass die Kombination von Quercetin und Vitamin C die Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2-Viren erhöhen kann.  

Ginseng gilt in der fernöstlichen Medizin als Mittel, das die Widerstandsfähigkeit des Körpers gegenüber Erregern erhöhen kann, stärkend auf das Immunsystem wirkt und den Stoffwechsel anregt. In Arzneien wird die Wurzel der Pflanze verwendet. Wissenschaftler*innen konnten zeigen, dass Ginseng in klinischen Studien und Tierversuchen einen Schutz gegen Influenza und Lungenentzündung durch Pneumokokken bieten kann. Zink ist ein Spurenelement, und seine Immunsystem stärkende und antientzündliche Wirkung ist bekannt. Eine australische Übersichtsarbeit stellte nun verschiedene Studien hinsichtlich der Wirkung von Zink bei Atemwegserkrankungen zusammen. Hier wurde Probanden Zink in Form von Lutschtabletten, Nasensprays und Gel je nach Studie in unterschiedlichen Dosierungen verabreicht. Und hier zeigten die Ergebnisse, dass im Vergleich mit Placebo-Präparaten die Anwendung von Tabletten oder Nasensprays, die Zink enthielten, fünf von 100 Atemwegserkrankungen pro Monat verhindern konnten. Zudem wurde ein schnellerer Genesungsprozess beobachtet. Die Wirksamkeit hinsichtlich SARS-Cov-2-Infektionen muss allerdings noch weiter erforscht werden. 

Kann COVIDBON wirklich effektiv vor COVID-19 schützen?

Die Wirksamkeit wurde am Institut für klinische Forschung Pneumologie Frankfurt untersucht. Hier zeigten die Ergebnisse*, dass COVIDBON eine effektive Reduzierung der Viruslast von über 90 % der SARS-Cov-2-Viren im Bereich von Mund und Rachen erreichen kann. Die in COVIDBON enthaltenen Stoffe waren in der Lage, vorhandene spezifisch behüllte Viren zu inaktivieren und deutlich zu reduzieren. Die Studie nähert sich an reale Effekte in einer breiten Bevölkerung an, allerdings bemerkten die Forschenden, dass die Vielfalt der Freiwilligen eher gering ausfiel. COVIDBON und COVIDGUM sind als zertifizierte Medizinprodukte zugelassen und haben damit die grundlegende Sicherheits- und Leistungsanforderungen erfüllt. Bis zur Durchführung von großflächigen Studien muss Clevergum allerdings noch die Genehmigung des Ethikrats abwarten. 

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Professor Pfab erklärt dazu, dass mit COVIDGUM und COVIDBON ergänzende präventive Maßnahmen zur Verfügung stünden und zur Entlastung des Gesundheitssystems beitrügen. Für Menschen, die eine Lutschpastille einem Kaugummi vorziehen, kann die Verwendung von COVIDBON eine zusätzliche Möglichkeit bieten, die Viruslast von SARS-Cov-2-Viren im Mund-Rachen-Raum zu senken. Beim Lutschen wird zudem die Speichelbildung stimuliert, wodurch sich die Inhaltsstoffe des Bonbons gut im Mundbereich verteilen können. Dadurch, dass die Abnahme der Viruslast rund zwei Stunden anhält, kann die Übertragung von Coronaviren dabei deutlich reduziert werden, sieht der Mediziner verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Beispielsweise bei Veranstaltungen wie Sportveranstaltungen, Fahrten mit dem Öffentlichen Personennahverkehr oder anderen Situationen, wo Menschen über einen begrenzten Zeitraum zusammenkommen. Dabei weist Florian Pfab ausdrücklich darauf hin, dass das Bonbon die bisherigen Hygieneregeln nicht ersetze, sondern zusätzlich eingesetzt werden soll.

Wichtig: Bei Allergien oder Unverträglichkeiten gegen einen der Inhaltsstoffe dürfen COVIDGUM und COVIDBON nicht angewendet werden. Dies gilt auch für den Fall einer Schwangerschaft, da hierzu bisher keine Daten vorliegen. Im November 2021 wurde eine Studie veröffentlicht, die ebenfalls ein Kaugummi zur Bekämpfung von COVID-19 untersuchte. Hier verabreichten die Wissenschaftler*innen allerdings ein fehlendes Enzym (ACE2) mithilfe des Kaugummis. Dieses Enzym soll die Viren wie ein Schwamm aufsaugen und binden, aber auch vor Lungenschäden schützen, wie Prof. Dr. Josef Penninger erklärt, der in den letzten Jahren ebenfalls die Funktion von ACE2 im Körper näher untersucht hat. Die Viruslast im Mundraum soll durch den Kaugummi um 95 Prozent verringert werden. Das Forschungsteam arbeitet zurzeit an einer Genehmigung für eine klinische Studie. Hier sollen Sicherheit und Wirksamkeit der Technologie getestet werden, bevor eine Anwendung an Menschen erfolgt, die mit SARS-CoV-2 infiziert sind.

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