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Arzneimittel

Techniker Krankenkasse kritisiert Cannabis-Gesetz

Welche Dosis soll bei Cannabis verabreicht werden? Und in welcher Form? Vieles ist nach dem Gesetz noch unklar, kritisiert ein Report der Techniker Krankenkasse.
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Welche Dosis soll bei Cannabis verabreicht werden? Und in welcher Form? Vieles ist nach dem Gesetz noch unklar, kritisiert ein Report der Techniker Krankenkasse. Symbolbild, Foto: Oliver Berg/dpa
Welche Dosis soll bei Cannabis verabreicht werden? Und in welcher Form? Vieles ist nach dem Gesetz noch unklar, kritisiert ein Report der Techniker Krankenkasse. Symbolbild, Foto: Oliver Berg/dpa
Die Wirksamkeit von Cannabis als Arzneimittel ist nach Darstellung der Techniker Krankenkasse noch immer ungeklärt. Ein reguläres Zulassungsverfahren der verschriebenen Präparate sei "überfällig", heißt es in einem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Report der Krankenkasse und der Universität Bremen. "Es ist unklar, welchen Patientengruppen Cannabis in welcher Dosis hilft und wie es am besten verabreicht werden sollte", sagte der Gesundheitswissenschaftler Gerd Glaeske von der Universität Bremen, einer der Autoren des Reports.

Die mitunter schlecht belegte Wirksamkeit der Arzneimittel "darf bei Antrag auf Erstattung einer Cannabistherapie jedoch kein Ablehnungsgrund der Krankenkassen sein", kritisieren die Verfasser der Studie. Mit dem Gesetz hatte das Bundesgesundheitsministerium vor rund einem Jahr die Krankenkassen verpflichtet, die Kosten für die Behandlung schwer kranker Menschen mit Cannabis zu übernehmen.

Was eine schwere Erkrankung sei, "ist nicht hinreichend deutlich", erläuterte der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, bei der Vorstellung des Berichts in Berlin. Die im Gesetz vorgesehene Begleitstudie zur Wirksamkeit von Cannabis als Arzneimittel bezeichnete Baas als "unzureichend".
Den Angaben zufolge hat die Techniker Krankenkasse im Jahr 2017 2.900 Anträge auf Kostenerstattung für eine Behandlung mit Cannabis erhalten. Am häufigsten hätten Ärzte angegeben, Cannabis gegen Schmerzen einsetzen zu wollen. Rund 62 Prozent dieser Anträge seien genehmigt worden, hieß es.

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Kritiker des Umgangs der Krankenkassen mit Cannabis als Arzneimittel wie der Medizinprofessor Sven Gottschling vom Universitätsklinikum des Saarlands werfen den Kassen und ihrem Medizinischen Dienst vor, auch gut begründete Anträge auf Übernahme der Behandlungskosten bei Schwerkranken abzulehnen.

Bei der Vorstellung des Cannabis-Reports der Techniker Krankenkasse verteidigte Report-Autor Glaeske die Einbindung des Medizinischen Dienstes. Dies sei verständlich, solange das Gesetz keine klaren Hinweise dafür gebe, wann eine Behandlung mit Cannabis gerechtfertigt sei.


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