• Sex und Drogen: Diese Gründe stecken hinter der akuten Syphilis-Ausbreitung
  • Angeborene Syphilis als gefährliche Bedrohung für die Kleinsten
  • Die häufigsten Symptome der Geschlechtskrankheit
  • So verlaufen die Stadien einer Lues-Infektion
  • Syphilis erkennen und richtig behandeln
  • Wie du Syphilis vorbeugen kannst

Nachdem Syphilis lange Zeit verschwunden war, breitet sich die Geschlechtskrankheit nun wieder in Europa ausEinem Bericht des Europäischen Zentrums für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zufolge, ist hier die Zahl der Syphilis-Fälle massiv angestiegen. Seit 2010 hat sich der Anteil der Betroffenen um 70 Prozent gesteigert, zwischen 2010 und 2017 wurden europaweit 260.505 Krankheitsfälle dokumentiert. Wie die Behörde ECDC mitteilt, rücken in dieser Entwicklung, insbesondere fünf EU-Staaten in den Fokus: Deutschland, Irland, Island, Großbritannien und Malta. In diesen Ländern hat sich die Rate mehr als verdoppelt. Wie du dich dennoch vor Syphilis schützen kannst, an welchen Symptomen du die Geschlechtskrankheit erkennst und wie eine Behandlung abläuft, erfährst du in diesem Artikel. 

Die Gründe und Auslöser der akuten Syphilis-Ausbreitung

Syphilis, auch Lues genannt, wird in der Regel beim Geschlechtsverkehr übertragen. Denn Haut und Schleimhäute bieten optimale Bedingungen, um die hochansteckenden Erreger weiterzugeben. Bereits kleinste Verletzungen ermöglichen es Bakterien in den Körper einzudringen und sich dort zu verbreiten. Meist passiert das bei ungeschütztem Oral- oder Analverkehr. "Die Zuwächse bei den Syphilis-Infektionen, die wir in Europa sowie in anderen Ländern in aller Welt sehen, sind ein Ergebnis mehrerer Faktoren wie Sex ohne Kondom oder mit mehreren Sexualpartnern", so Andrew Amato-Gauci, Leiter des ECDC zur Deutschen Presse-Agentur. Auch die immer geringer werdende Angst vor einer HIV-Infektion scheint ein Auslöser des gravierenden Syphilis-Anstiegs zu sein. Dadurch üben wohl mehr Menschen bedenkenlos ungeschützten Geschlechtsverkehr aus.

Darüber hinaus kann Syphilis auch bei Drogenkonsum übertragen werden. Spritzen, die beispielsweise von verschiedenen Personen gemeinsam benutzt werden, gelten ebenfalls als gefährliche Verursacher einer Lues-Infektion. 

Die Gefahren einer angeborenen Syphilis

Mit Lues können sich auch die Kleinsten infizieren! Denn Schwangere übertragen die gefährlichen Bakterien in der Regel auf ihr ungeborenes Kind. Dabei wird zwischen einer frühen und späten angeborenen Syphilis unterschieden. Erstere wird bereits bei Bluttests während der Schwangerschaft entdeckt, Symptome zeigen sich meist ab dem dritten Lebensmonat. Doch auch während der Schwangerschaft kann eine Infektion drastische Folgen haben. So steigt etwa das Risiko für Früh- oder gar Totgeburten. Bei Kindern mit einer späten angeborenen Syphilis zeigt sich diese normalerweise erst im zweiten Lebensjahr. Wird die Erkrankung rechtzeitig diagnostiziert, kann sie in der Regel gut behandelt werden.

So verläuft eine Syphilis-Infektion

Hast du dich mit Syphilis infiziert, ist ein phasenweiser Verlauf typisch für die Geschlechtskrankheit. Dieser kann unterschiedlich intensiv ausfallen und sich über eine kurze oder lange Zeit hinziehen. Je nachdem, wie fortgeschritten die Erkrankung ist, treten dabei verschiedenste Symptome auf. In der Regel verstärken sich diese mit der Zeit und sind zu Beginn kaum bis gar nicht spürbar. Doch auch Betroffene einer unbemerkten, schmerzlosen Infektion sind ansteckend.

Durch die individuelle Ausprägung der einzelnen Stadien wird Lues nur selten erkannt. Stattdessen werden die Beschwerden oft anderen Geschlechtskrankheiten zugeordnet. Eine falsche Behandlung in Folge einer Fehldiagnose kann jedoch lebensbedrohliche Folgen nach sich ziehen.

1. Stadium: Tückische Gefahr durch unentdeckte Symptome

Während der ersten Phase, auch primäre Syphilis oder Lues I genannt, bilden sich meist kleine, schmerzlose Knoten oder Schwellungen. Diese liegen an den Stellen, an denen die gefährlichen Bakterien in den Körper gelangt sind. Bei Frauen ist das oft an der Scheide, den Schamlippen oder dem Gebärmutterhals. Syphilis beim Mann zeigt sich hingegen durch kleine Veränderungen am Penis und der Eichel. Auch im Bereich des Afters oder Enddarms können die unauffälligen Schwellungen auftreten. Zudem sind Knoten am Mund und der Zunge möglich. Diese gehen vornehmlich mit angeschwollenen Lymphknoten einher. Rund drei Wochen nach der Infektion entwickeln sich aus den ersten Gewebeveränderungen kleine Geschwüre, die ebenfalls überwiegend schmerzlos bleiben.

Doch Vorsicht: Oft klingen diese ersten Symptome nach rund vier bis sechs Wochen auch ohne medikamentöse Behandlung wieder ab. Das bedeutet allerdings keinesfalls, dass die Gefahr gebannt ist. Denn die Beschwerden können jederzeit zurückkehren oder sich zunächst unbemerkt verschlimmern.

2. Stadium: Zwischen unangenehmen Beschwerden und latenten Ruhephasen

In den meisten Fällen treten nach zwei Monaten intensivere Symptome auf: Es kommt zu Fieber, starken Kopf- und Gelenkschmerzen. Die übertragenen Bakterien verteilen sich dann im gesamten Körper und den Blutbahnen. Zudem bilden sich, während der sogenannten sekundären Syphilis beziehungsweise Lues II, dunkelrote oder weiße Beläge auf der Zunge. Neben verhärteten Lymphknoten, Haarausfall und entzündeten Mandeln, sind hochansteckende Hautausschläge ein weit verbreitetes Symptom. Rötliche Flecken treten dabei vor allem an Brust, Bauch und Rücken sowie den Füßen oder Handinnenflächen auf.

Doch auch diese Welle an Beschwerden klingt nach geraumer Zeit von selbst wieder ab. Ohne die richtige Behandlung verweilen die Erreger jedoch unbemerkt im Blut und können selbst nach Monaten oder Jahren zu erneuten Beschwerden führen. Solche symptomlosen Ruhephasen werden auch als latente Syphilis bezeichnet.

3. Stadium: Zunehmende Ausbreitung im Körper

Kann sich die Geschlechtskrankheit weiterhin unbehandelt im Körper entwickeln, kann es jederzeit zu einer tertiären Syphilis kommen. Überall bilden sich hierbei Geschwüre, die sämtliche Organe angreifen. Selbst an den Knochen können sich dann gummiartige Knoten bilden. Dies führt in vielen Fällen dazu, dass der Organismus mit mehreren schwerwiegenden Schäden zurechtkommen muss. Werden etwa Augen und Ohren beschädigt, droht Blind- beziehungsweise Taubheit. Des Weiteren kann es zu entzündeten Arterien kommen. Beeinträchtigen diese die Funktionsfähigkeit der Hauptschlagader, besteht akute Lebensgefahr.

4. Stadium: Lebensbedrohliche Nervenentzündungen

Eine quartäre Syphilis oder Neurosyphilis führt zu schweren Schäden des zentralen Nervensystems. Dieser Verlauf tritt meist nur dann auf, wenn sich ein HIV-positiver Mensch mit Lues infiziert. Eine solche Kombination beider Geschlechtskrankheiten führt etwa zu Störungen im Bereich des Rückenmarks oder Gehirnhautentzündungen. Dies kann Lähmungen, Fehlempfindungen, Krampfanfälle oder Gedächtnisprobleme zur Folge haben. 

Du bist Single und in Franken auf der Suche nach einem Partner? Dann schau doch mal auf single.inFranken.de vorbei.

Syphilis erkennen und richtig behandeln

Befürchtest du, dich mit Syphilis infiziert zu haben, solltest du schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen. Dieser kann Geschwüre oder Schwellungen genauer untersuchen und mithilfe eines Bluttests eine sichere Diagnose stellen. Einen offiziellen Selbsttest gibt es für diese Geschlechtskrankheit nicht. Sollte die Blutuntersuchung tatsächlich ein positives Ergebnis liefern, wird deine Erkrankung an das Robert-Koch-Institut gemeldet. Das ist notwendig, da es sich hierbei um eine überwachungspflichtige Infektionskrankheit handelt.

Während den ersten beiden Stadien der Krankheit ist eine rechtzeitige und medikamentöse Behandlung äußerst erfolgversprechend. Da die Medizin in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht hat, kommt es so auch nur in den seltensten Fällen zur dritten oder vierten Syphilis-Phase. Heutzutage kann die Geschlechtskrankheit sehr gut mit Antibiotika bekämpft werden. Penizillin fällt oftmals als Stichwort, welches als effektivste Behandlung der Krankheit gilt. Das Medikament wird per Spritze oder Infusion verabreicht. Wurde die Infektion in den beiden ersten Stadien erkannt, sollte die Therapie nach zwei bis drei Wochen abgeschlossen sein. Bei einem fortgeschrittenen Krankheitsbild kann die Behandlung auch länger dauern.

Leiden Betroffene jedoch zudem an HIV, treten die genannten Symptome typischerweise deutlich stärker auf. Außerdem kann sich eine Syphilis-Infektion dann schneller entwickeln und lässt sich trotz rechtzeitiger Medikamentengabe nur schwer kontrollieren. Häufig kommen die Beschwerden bei diesen Patienten auch nach einer fachgerechten Behandlung erneut zurück.

Syphilis vorbeugen: Wie du dich vor der Geschlechtskrankheit schützen kannst

Um sich vor Syphilis effektiv zu schützen, gibt es nur einen Weg: Kondome oder die Verwendung ähnlicher Verhütungsmittel wie Lecktücher. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Verhütungsmethoden das Ansteckungsrisiko lediglich stark senken. Vollständig ausgeschlossen ist die Infektionsgefahr beim Geschlechtsverkehr nie. Laut der Deutschen Aidshilfe können unabhängig davon auch nässende Hautstellen des Sexualpartners ein erhöhtes Infektionsrisiko darstellen.

Darüber hinaus ist es grundsätzlich ratsam, sich regelmäßig auf Syphilis und weitere übertragbare Geschlechtskrankheiten testen zu lassen. Empfohlen wird dies rund einmal im Jahr und ist vor allem bei häufig wechselnden Sexualpartnern wichtig. Mit einem Bluttest lässt sich etwa der Verdacht auf eine Lues-Infektion schnell im Keim ersticken - oder rechtzeitig bestätigen. So kannst du idealerweise bereits frühzeitig handeln und dich einer fachgerechten, ärztlichen Therapie unterziehen. So werden auch lebensbedrohliche Folgen bestmöglich verhindert.