Erlangen
Ernährung

Süchtig nach Kartoffelchips: Wie kann man die "Fressfalle Chips" überlisten? Forscher entdecken die "Naschformel"

Auf der Couch genüsslich ein paar Chips naschen? Fängt man einmal an, ist die Tüte Chips schon wieder leer. Warum sind Kartoffelchips so unwiderstehlich und wie entkommt man der Suchtgefahr? Das erklären nun Forscher der FAU Erlangen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Kartoffelchips sind ein beliebter Snack. Ist eine Tüte erst einmal geöffnet, wird sie oftmals komplett gegessen. Symbolbild: pixabay.com/avantrend
Kartoffelchips sind ein beliebter Snack. Ist eine Tüte erst einmal geöffnet, wird sie oftmals komplett gegessen. Symbolbild: pixabay.com/avantrend

Warum machen Chips süchtig? Ist die Tüte einmal offen, ist sie auch schon wieder leer. Wer mit einer Handvoll Chips anfängt, der hat danach Lust auf den kompletten Inhalt der Tüte. Aber warum birgt der Snack eigentlich eine so hohe Suchtgefahr? Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen beschäftigen sich bereits seit geraumer Zeit mit dieser Thematik und haben nun erstmals fundierte Ergebnisse vorgelegt.

 


Was ist die Naschformel?


Das untersuchte Phänomen heißt "hedonische Hyperphagie": Im Fokus der Untersuchungen stand ein spezielle "Naschformel": Diese setzt sich aus einem bestimmten Verhältnis von Fett und Kohlenhydraten zusammen, was Lebensmittel besonders attraktiv macht. Dies wurde zunächst an Ratten getestet.

 

 


Sind dicke Menschen anfälliger für Chips?


Nun wurden die Tests auf Menschen ausgeweitet. Das Ergebnis: Je dicker ein Mensch ist, desto stärker wird sein Belohnungszentrum im Gehirn beim Chips-Verzehr aktiviert.

 

 


Chips-Formel: 45 Prozent Kohlenhydrate, 35 Prozent Fett

Aufbau der Studie: Die Wissenschaftler der "FAU" haben insgesamt 20 Männer und Frauen getestet. Zuerst gaben sie ihnen Kartoffelchips zu essen, drei Tage später Zucchini. Davor und danach wurde das Gehirn der Probanden jeweils im Kernspin durchleuchtet. Demnach reagierte das Gehirn extrem stark auf den Chips-Genuss - ähnlich, wie es bei den Ratten der Fall war.

"Für uns war das interessanteste Ergebnis, dass sich abhängig von BMI der Person genau die gleiche Struktur im Gehirn ändert wie bei Ratten - der Nucleus accumbens", so Studienleiter Andreas Hess.

 

 


Zusammensetzung von Kartoffelchips entscheidend für Suchtgefahr


Die Zusammensetzung von Kartoffel-Chips scheint der wichtigste Aspekt für die Suchtgefahr zu sein. So ergaben die Tests mit den Ratten, dass verschiedene Mischverhältnisse von Fett und Kohlenhydraten in den Chips jeweils unterschiedliche Stimulationen im Gehirn verursachten. Unabhängig zeigten die Versuche eines deutlich: Gegenüber verschiedenen Futtermischungen mit unterschiedlichen Fett- und Kohlenhydrat-Anteilen, führten die Chips bei Ratten "zu einer Aktivierung im Belohnungszentrum", sagte Hess.

 

 

Der Erwartungshaltung der Wissenschaftler war im Vorfeld der Studie, dass umso mehr Fett das Futter habe, desto attraktiver sei es. Diese Hypothese wurde mit dem hohen Energiegehalt bei fett-intensivem Futter begründet. Die Resultate des Experiments zeigte jedoch etwas anderes: "Die Ratten bevorzugen eindeutig das Verhältnis von ungefähr 35 Prozent Fett zu 45 Prozent Kohlenhydraten."

Übrigens: Schokolade oder Nussnougatcreme besitzen exakt dieses Verhältnis.

Auch wenn die Studie der Erlanger Forscher diesen Zusammenhang noch nicht bei Menschen beweist, glaubt Hess, dass es dort ähnlich ist. Die Spezies des Menschen sei noch sehr jung und gute Ernährung, wie wir sie heute haben, sei relativ neu. Das Gehirn sei immer noch darauf aus, möglichst viel "gute", also reichhaltige Nahrung aufzunehmen, wenn sie verfügbar ist. Die Hypothese der
Wissenschaftler lautet: "Für den Körper ist diese Mischung möglicherweise physiologisch ideal - sie liefert schnell mobilisierbare Energie durch die Kohlenhydrate und speicherbare Energie im Fettanteil."

 

 


Das Gehirn austricksen

Andreas Hess hat deshalb einen praktischen Tipp für alle Chips-Liebhaber parat: "Bewusst rangehen: Nicht die ganze Tüte vor den Fernseher mitnehmen, sondern nur ein kleines Schälchen". Manchmal müsse man sich eben selbst austricksen.
dpa/tu

 

 



Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren