• Corona und Psyche: Studie untersucht Zusammenhang
  • Corona-Studie zeigt: Auswirkungen auf die Psyche sind vielfältig
  • Depressionen als Nebenwirkung der Pandemie?
  • Was du bei dem Verdacht auf eine Depression tun kannst?

In den meisten Fällen verläuft eine Corona-Infektion mild und die Leute können sich zu Hause erholen. Das heißt aber nicht, dass eine Infektion mit dem Coronavirus spurlos an den Betroffenen vorbeigeht. Eine neue Studie, die im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht wurde, behandelt genau diese Fälle und stellt fest, dass ein höheres Risiko, danach beispielsweise an Depressionen zu leiden, nicht für alle Menschen gleichermaßen gilt.

Studie untersucht Zusammenhang zwischen Corona und der Psyche

Das Team aus internationalen Forschenden hat in der Studie insgesamt 247.249 Menschen aus sechs verschiedenen Ländern (Dänemark, Island, Norwegen, Schweden, Großbritannien und Estland) untersucht. Rund 10.000 von ihnen waren im Laufe des Erhebungszeitraums mit dem Coronavirus infiziert. Das Team fokussierte sich darin auf die Langzeitauswirkungen einer Infektion mit Corona auf die Psyche bei den Menschen, die nicht zwingend im Krankenhaus behandelt werden mussten. 

Die Forschenden konnten dabei einen Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und einer Corona-Infektion feststellen und auch, dass die Schwere der Erkrankung eine Rolle spielt. Insgesamt litten die Menschen mit der Corona-Infektion bis zu 16 Monate nach der Diagnose unter depressiven Symptomen und schlechtem Schlaf.

Dabei machte es allerdings einen Unterschied, wie stark die Menschen an Corona erkrankt waren. Die Menschen, die länger als sieben Tage mit Corona im Bett lagen (1613 Personen), hatten ein höheres Risiko von 50 bis 60 Prozent für Depressionen und Ängste als die Menschen, die gar nicht infiziert waren. Hatten Menschen einen sehr milden Verlauf der Erkrankung, war bei diesen das Risiko sogar geringer als bei Nichtinfizierten.

Corona-Studie: Unterschiedliche Auswirkungen auf die Psyche erkennbar

Das zeigt: Die Auswirkungen einer Corona-Infektion auf die Psyche sind sehr unterschiedlich. Die Forschenden erklären dies zum einen mit den Sorgen, die sich infizierte Menschen machen. Sie haben Fragen wie: "Habe ich womöglich andere Menschen infiziert?" Sie stellten die Annahme auf, dass sich diese Bedenken im Verlauf der Zeit zerstreuen, denn die meisten psychischen Symptome verschwanden zwei Monate nach der Corona-Infektion wieder. Gerade bei Menschen, die asymptomatisch erkrankt waren, könnte sich eine gewisse Erleichterung einstellen. Sie mussten sich zum Beispiel nun weniger Sorgen machen, Verwandte anzustecken.

Bei den Menschen, die länger als sieben Tage mit schweren Symptomen zu kämpfen hatten, könnten ihre lang anhaltenden Angst- und Depressionssymptome darauf zurückzuführen sein, dass sie wegen längerer Erkrankung ihr soziales Umfeld auch länger meiden mussten. Die Forschenden erklärten es damit, dass dies Sorgen und ein Gefühl der Hilflosigkeit hervorrufen könne. Ebenso könnten dafür körperliche Prozesse verantwortlich sein. 

Als Fazit konnten die Forschenden festhalten, dass es weiter zu klären bleibt, ob einer der beiden Faktoren oder ein Zusammenspiel beider Faktoren die hohe Depressionsrate der infizierten Personen erklärt. Ärztliches Fachpersonal sollte die Studienergebnisse allerdings schon jetzt zum Anlass nehmen, die psychische Gesundheit der Menschen mit schwereren Corona-Verläufen in den Blick zu nehmen.

Nebenwirkung der Pandemie: Depressionen und Angststörungen steigen um 25 Prozent

Ein Zusammenhang zwischen vermehrt auftretender Depression und Corona zeigt sich allerdings nicht nur als Folge einer Infektion, sondern als Folge der gesamten pandemischen Situation in den vergangenen zwei Jahren. Die sozialen Beschränkungen, der allgemeine Lockdown mit Schul- und Geschäftsschließungen und der Verlust der Lebensgrundlage bei vielen Berufstätigen, haben bei den Menschen psychisch Spuren hinterlassen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine weitere Studie im "The Lancet", die bereits im Jahr 2021 durchgeführt wurde. Ein internationales Forschungsteam überprüfte dafür systematisch Daten, die über einen Zusammenhang von schweren depressiven Störungen und Angststörungen und der Corona-Pandemie berichteten. Sie konzentrierten sich auf den Zeitraum zwischen dem 01. Januar 2020 und dem 29. Januar 2021. Demnach haben schwere Depressionen und Angststörungen im Verlauf der Corona-Pandemie um 25 Prozent zugenommen. 

Schon vor der Corona-Pandemie gehörten Depressionen und Angststörungen bereits zu den 25 Erkrankungen mit der größten Krankheitslast. Eine Studie des "Queensland Centre for Mental Health Research" in Brisbane macht dies in Zahlen sichtbar. Ohne Pandemie hätten 193 Millionen Menschen weltweit die Diagnose schwere Depression erhalten. Durch die Pandemie ist die Zahl auf 246 Millionen Fälle gestiegen. Ähnlich verhält es sich bei Angststörungen. Die Zahl hätte ohne pandemische Umstände circa 76 Millionen Fälle umfasst und ist durch die Folgen von Corona ebenfalls auf 374 Millionen angestiegen. Besonders junge Menschen waren im Jahr 2020 stärker von schweren Depressionen und Angststörungen betroffen als ältere. Dabei dominierte der Anstieg in der Altersgruppe der 20-bis 24-Jährigen.

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Symptome einer Depression: Was tun?

Eine Depression stellt kein homogenes Krankheitsbild dar. Deswegen ist es schwer, die Frage "Habe ich eine Depression?" zu beantworten. Sie lässt sich außerdem häufig gar nicht so leicht erkennen. Die "Deutsche Depressions-Hilfe" bietet daher einen Selbsttest an, bei dem Haupt- und Nebensymptome erfragt werden, die auf den für Deutschland gängigen Diagnosekriterien nach dem sogenannten ICD-10 basieren. Die nun folgenden Fragen stammen aus dem Test der "Deutschen Depressions-Hilfe". Den gesamten Test findest du hier. Leidest du seit mehr als zwei Wochen unter

  1. gedrückter Stimmung?
  2. Interessenlosigkeit und/oder Freudlosigkeit, auch bei angenehmen Ereignissen?
  3. Schwunglosigkeit und/oder bleiernder Müdigkeit und/oder innerer Unruhe?
  4. fehlendem Selbstvertrauen und/oder fehlendem Selbstwertgefühl?
  5. verminderter Konzentrationsfähigkeit und/oder starker Grübelneigung und/oder Unsicherheit beim Treffen von Entscheidungen?
  6. starken Schuldgefühlen und/oder vermehrter Selbstkritik?
  7. negativen Zukunftsperspektiven und/oder Hoffnungslosigkeit?
  8. hartnäckigen Schlafstörungen?
  9. vermindertem Appetit?
  10. tiefer Verzweiflung und/oder Todesgedanken?

Dieser Test gibt dabei nur Hinweise auf eine mögliche Erkrankung und stellt keine medizinische Diagnose. Kannst du diese Fragen überwiegend mit Ja beantworten, ist es wichtig, dass du das Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin oder einem/einer Psychotherapeut*in suchst. Grundsätzlich ist der Hausarzt oder die Hausärztin der erste Ansprechpartner für die Diagnostik und die Behandlung von Depressionen. Bei Bedarf überweist er an eine*n Psychiater*in bzw. Psychotherapeut*in.

Bei Suizidgedanken sollte in jedem Fall die Ambulanz der psychiatrischen Abteilung einer Klinik vor Ort kontaktiert werden. Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist unter der Telefonnummer 116 117 zu erreichen. Akute, anonyme und kostenlose Beratung der Telefonseelsorge gibt es zudem montags bis freitags zu jeder Tages- und Nachtzeit unter den bundesweiten Telefonnummern (0800) 111 0 111 oder (0800) 111 0 222. Die Telefonseelsorge bietet auch eine Mail- und eine Chat-Beratung an.