Hamburg
Sexualität

Studie: Deutsche Paare reden selten über sexuelle Wünsche, Frauen oft unter Leistungsdruck

Sex-Talk oder schmutziges Geheimnis? Nur jeder Zweite redet offen mit dem Partner über seine Wünsche. Kommunikation ist eine der wichtigsten Zutaten einer Beziehung - doch in puncto Sex geben sich deutsche Paare eher verschlossen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Nur gut jeder Zweite spricht offen mit dem Partner über seine sexuellen Wünsche. Entsprechend wenig gelingt es, Fantasien auszuleben. Symbolbild: Christoph Gateau, dpa
Nur gut jeder Zweite spricht offen mit dem Partner über seine sexuellen Wünsche. Entsprechend wenig gelingt es, Fantasien auszuleben. Symbolbild: Christoph Gateau, dpa

Sex ist nicht einfach nur Sex - zumindest in Beziehungen. Das zeigt die bevölkerungsrepräsentative Elite-Partner-Studie 2018, in der über 3.500 Liierte befragt wurden, wie es um die Sexualität in ihrer aktuellen Partnerschaft steht. Für viele bedeuten Intimitäten, vom Partner geliebt zu werden und für jeden fünften Mann spielt Sex eine so wichtige Rolle, dass ihn eine dauerhafte Sexflaute zum Fremdgehen verleiten würde. Kein Wunder, dass ein Viertel der Liierten besorgt ist, den Partner sexuell nicht zufriedenzustellen.

Größere sexuelle Offenheit gewünscht

Nur gut jeder Zweite spricht offen mit dem Partner über seine sexuellen Wünsche. Entsprechend wenig gelingt es, Fantasien auszuleben. Nur 42 Prozent der Männer können die meisten ihrer sexuellen Fantasien in ihrer derzeitigen Partnerschaft ausleben. Bei den Frauen sind es mit 51 Prozent etwas mehr. Mit der Beziehungsdauer nimmt das Schweigen in den Betten zu. Unter drei Jahren Beziehungsdauer sprechen noch mehr als 70 Prozent über sexuelle Wünsche, zwischen zehn und 20 Jahren nur noch 51 Prozent. Jede fünfte Frau und jeder dritte Mann wünschen sich mehr sexuelle Offenheit vom eigenen Partner.

Auch interessant: Sex im Auto beliebter als Sex on the Beach - Studie zu den Vorlieben der Deutschen

Über Lust und sexuelle Wünsche offen zu sprechen, ist für die meisten unangenehm und tabuisiert, so Diplom-Psychologin Lisa Fischbach von Elite Partner. Dahinter steckt die Angst, sich dem Partner mit sehr intimen Inhalten zu zeigen, von ihm aber nur wenig Verständnis oder gar Ablehnung zu erfahren. Durch Schweigen geht aber ein großes Potenzial verloren, sich als Paar um eine sehr wichtige Säule für partnerschaftliche Zufriedenheit zu kümmern und Nähe zu schaffen.

Sich das Erhoffte vorstellen

Kopfkino: Beim Sex an jemand anderen zu denken ist keine Seltenheit. Wenn Fantasien nicht ausgelebt werden können, liegt es nahe, sich das Erhoffte einfach vorzustellen. Nicht selten spielen dabei auch andere Personen als der Partner eine Rolle: Jede fünfte Frau und fast jeder dritte Mann haben sich beim Sex in ihrer aktuellen Beziehung schon jemand anderen vorgestellt. Einen eindeutigen Zusammenhang mit der Beziehungsdauer gibt es dabei übrigens nicht. Auch wer frisch zusammen ist, träumt offenbar beim Sex heimlich von anderen. Eine Altersgruppe sticht dabei besonders heraus: Liierte zwischen 30 und 39 Jahren sind besonders häufig in Gedanken woanders: mit 23 Prozent der Frauen und 41 Prozent der Männer wird hier ein Spitzenwert erreicht.

Leistungsdruck im Bett

Jede vierte Frau fühlt sich beim Sex manchmal unwohl in ihrem Körper. Leistungsdruck im Job ist heutzutage fast normal, doch offenbar macht das Prinzip Leistung auch vor dem Schlafzimmer nicht Halt. Jeder vierte Liierte macht sich Sorgen, seinen aktuellen Partner sexuell nicht zufriedenzustellen, Männer (27 Prozent) ganz ähnlich wie Frauen (26 Prozent). Auch herrschende Schönheitsideale scheinen sich auf den Beziehungssex auszuwirken und zu verunsichern: Jede vierte Frau (24 Prozent) fühlt sich beim Sex in ihrer derzeitigen Partnerschaft manchmal unwohl in ihrem Körper. Bei den Männern sind es elf Prozent.

Noch Single? Hier finden Sie einen Partner in Franken!

Für Frauen und zunehmend auch für Männer besteht in unserer Gesellschaft, verstärkt durch bildwirksame soziale Medien, ein hoher Druck, unter allen Umständen einen perfekten Körper vorzeigen zu können, erklärt Diplom-Psychologin Lisa Fischbach von Elite Partner. Das hat vielfach negative Auswirkungen auf das Körpergefühl. Wer beim Sex intensiv mit seinem Aussehen und der sexuellen Performance beschäftigt ist, lässt sich nicht fallen und verwehrt sich und seinem Partner die Möglichkeit, intime Momente zu genießen.

Ist Sex ein Liebesbeweis?

Für jeden Zweiten sind Intimitäten ein Liebesbeweis. Für knapp jeden zweiten Deutschen (45 Prozent) stellt der Liebesakt auch eine Form der emotionalen Bestätigung dar. Er vermittelt Männern wie Frauen gleichermaßen das Gefühl, geliebt zu werden. Mit der Dauer der Beziehung nimmt die emotionale Bedeutung von Sex allerdings ab. Dass Beziehungssex für viele bestätigend wirkt, kann jedoch auch Druck aufbauen. Etwa jeder fünfte Liierte berichtet, dass seine oder ihre derzeitige Partnerschaft darunter leidet, dass die Lust nachlässt.

 

Zärtlichkeit und Sexualität werden von vielen Paaren als Gradmesser ihrer Liebe und Beziehungsqualität wahrgenommen, so Diplom-Psychologin Lisa Fischbach von Elite Partner, auch weil körperliche Intimität eine besondere Form der Kommunikation ist, in der wir uns berührbar zeigen und gegenseitig bestätigen. Zum anderen ist Sex für viele ein wichtiges Grundbedürfnis. Verändert sich die Lust über die Zeit, geschieht das häufig ungleich - und das ist völlig normal. Um nicht in eine Schieflage zu geraten, ist es wichtig im Gespräch zu bleiben, keinen Druck aufzubauen oder vorschnell an der Liebe zu zweifeln.

Sexlosigkeit und Fremdgehen

Eine Beziehung so ganz ohne Sex? Für jeden Zweiten ist das offenbar eine Option: 55 Prozent der Frauen und 44 Prozent der Männer geben an, dass sie in ihrer aktuellen Beziehung auch ohne Sex zufrieden wären. In puncto Treue scheiden sich beim Thema Sexlosigkeit aber die Geister und die Bettpartner: Jeden fünften Mann würde eine dauerhafte Sexflaute dazu verleiten, fremdzugehen (20 Prozent). Bei den Frauen geht nur jede zehnte (11 Prozent) davon aus, dass Sexlosigkeit sie zur Untreue veranlassen würde. Möglicherweise aus Erfahrung: Mehr als jeder zehnte Liierte in Deutschland gibt offen zu, seinen aktuellen Partner schon einmal sexuell betrogen zu haben: Acht Prozent der Frauen und 16 Prozent der Männer hatten schon einmal ohne das Wissen ihres Partners Sex außerhalb ihrer aktuellen Beziehung.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren