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Gesundheit

Sport treiben trotz Rheuma und Arthrose - so funktionierts

Stoßbelastungen sind für die Gelenke Gift, vor allem bei Erkrankungen. Doch mit der richtigen Umsetzung und etwas Vorsicht ist Aktivität dennoch möglich.
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Auch mit Gelenkproblemen kann man Sport treiben. Schwimmen zum Beispiel eignet sich sehr gut. Foto: Fredrik von Erichsen, dpa
Auch mit Gelenkproblemen kann man Sport treiben. Schwimmen zum Beispiel eignet sich sehr gut. Foto: Fredrik von Erichsen, dpa
Handgelenk, Fußgelenk, Schultern, Knie, Hüfte, Ellenbogen, Wirbelsäule: Der menschliche Körper besteht aus gut 140 Gelenken. Bei vielen Menschen funktionieren sie einwandfrei. Wo solche Strukturen verbaut sind, können sie aber auch Schaden nehmen. Arthrose und Rheuma sind die bekanntesten Gelenkerkrankungen. Aber auch Überlastung kann den Gelenken schaden.

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Stoßbewegungen vermeiden

Die gute Nachricht: Sport ist trotzdem meist möglich. "Der Gelenkknorpel darf und soll belastet werden, aber auf die richtige Weise", erklärt Prof. Sven Ostermeier von der Orthopädischen Gelenk-Klinik Gundelfingen bei Freiburg. Man müsse sich den Knorpel vorstellen wie einen mit Wasser gefüllten Schwamm. Sobald jemand ein Gelenk belastet, wird der Schwamm minimal zusammengedrückt, etwas Flüssigkeit tritt in den Gelenkspalt: "Das wirkt wie ein Schmiermittel und ermöglicht uns das Laufen", erklärt der Orthopäde und Sportmediziner. Das Problem: Je länger sich der Schwamm in einer Position befindet, desto mehr wird er ausgedrückt. "Wenn der Knorpel an einer Stelle immer wieder belastet wird, geht er kaputt."

Harte, unvermittelte Stoßbelastungen sowie Sportarten, die das Gelenk zu lange in einer Position belassen, sind daher ungünstig. Wer Gelenkschädigungen hat, sollte sich also Sportarten aussuchen, bei denen wenig belastende Bewegungen ausgeführt werden. Das Paradebeispiel: Schwimmen. "Das verringert das eigene Körpergewicht, entlastet die Gelenke also noch", sagt Ostermeier.
Für Übergewichtige sei auch Aquagymnastik die perfekte Sportart, rät Prof. Daniel Kaptain von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken. Durch den Wasserwiderstand ist es sehr effektiv, ohne die Gelenke zu sehr zu belasten. Doch auch außerhalb des Wassers kann man gelenkschonend fit bleiben: "Fahrradfahren, Übungen mit dem Theraband, Gymnastik", zählt Melanie Krieg auf, Physiotherapeutin aus Neu-Isenburg und Geschäftsführerin der Rheuma-Liga Hessen.


Dem Schmerz auf die Spur kommen

Die Gelenke selbst lassen sich nicht trainieren, stellt die Physiotherapeutin klar. Aber die umgebenden Strukturen zu stärken, tut auch dem Gelenk gut. "Es gibt Übungen, die diese Strukturen kräftigen, das Gelenk entlasten, verkürzte Muskeln dehnen und verkrampfte Muskulatur lockern", sagt Krieg.
Wer seine Sportart nicht aufgeben möchte, kann sie bei Gelenkproblemen auch modifizieren. Bei Knieproblemen sei zum Beispiel Walken oft die bessere Wahl als Joggen, sagt Sportwissenschaftler Kaptain. Wer partout nicht aufs Joggen verzichten will, dem empfiehlt Ostermeier, auf den richtigen Untergrund zu achten. "Perfekt wäre ein Feldweg, der Federung bietet, aber nicht zu viele Hindernisse bereithält." Bei Arthrose sei Laufen generell nicht so geeignet.

Manch einer hat auch ohne bekannte Ursache nach jeder Laufrunde Knieschmerzen. In dem Fall kann eine Analyse Klarheit schaffen. Ab wann beginnen die Schmerzen? Ist die Technik fehlerhaft? Um dem Schmerz auf die Spur zu kommen, rät Kaptain, langsam zu starten: zwei Minuten joggen, zwei Minuten gehen, insgesamt unter 30 Minuten. Was beim Joggen das Knie ist, sind beim Yoga oft die Handgelenke: Schwachpunkte. "Sobald man merkt, dass es wehtut, sollte man aufhören", so Kaptain. "Die Dosis macht das Gift."


Besser als gedacht: Trainieren im Fitnessstudio

Besser als sein Ruf für Gelenke ist das Gerätetraining im Fitnessstudio. "Ausgeführt werden sollte es nur mit fachlicher Begleitung durch Trainer oder Therapeuten", sagt Physiotherapeutin Krieg. Ein gutes Fitnessstudio, eine gute Anamnese und eine gute Betreuung: Diese Voraussetzungen sieht auch Daniel Kaptain als Muss. Dann könnten hier alltagstaugliche Bewegungsmuster wie das richtige Heben trainiert werden. Denn für den Sportwissenschaftler steht fest: "Es gibt kaum einen körperlichen Zustand, in dem man sich auf lange Sicht nicht bewegen darf."
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