"Wir gehen davon aus, dass die Massenvermehrung anhält", sagt Andreas Hahn von der "Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)". Die Prognose des Forstexperten fällt im Gespräch mit der dpa ernüchternd aus. Für 2020 erwarten die Behörden, dass insbesondere Wälder in Mittelfranken und Unterfranken von einer erneuten Raupenplage betroffen sind. 2019 wurde bereits mehrere extreme Befallsfälle, wie in Gunzenhausen bekannt. Dort belagerten die "Schwammspinner" Häuser und Gärten. Im Juni sagte eine Sprecherin der Stadt zu inFranken.de: "Die Bäume sehen aus, wie im Winter" - so kahl gefressen waren sie.

"Schwammspinner"-Befall der Wälder: Fränkische Gebiete im Fokus

Das "LWF" untersuchte im Oktober und November rund 30.000 Bäume in der Region, insbesondere Eichen. Dabei fiel auf, dass es mehr Gelege der Schmetterlingsraupen gibt, als noch im Jahr zuvor. Besonders im Fokus stehen dabei folgende Gebiete:

Angaben der Experten zufolge, sei die Population hingegen im geplagten Gunzenhausen zurückgegangen. Mögliche Gründe dafür sind, dass die Tiere krank wurden oder verhunger sind. "Ohne Gegenmaßnahmen dauern Massenvermehrungen des Schwammspinners in der Regel vier bis fünf Jahre an und brechen dann aufgrund von Nahrungskonkurrenz, Parasitierung oder einer Viruserkrankung der Raupen zusammen", heißt es von Seiten des "LWF". Allerdings kämen die "Schwammspinner" nun in anderen Gebieten Frankens vor, sagte Hahn der dpa.

Für betroffene Gebiete kann das erschreckende Folgen haben: Teile des Waldes werden nahezu kahlgefressen. In vielen Fällen kommt es zur vollständigen Auflösung von Baumbeständen. Betroffen sind vor allem Eichen- und Eichenmischwälder. Von der "Schwammspinner"-Plage befallene Bäume sind anschließend hochgradig durch sogenannte "Sekundärschädlinge" gefährdet. "Eichenprachtkäfer" nutzen beispielsweise die prekäre Lage der Bäume aus und sorgen dafür, dass sie teils komplett absterben. "Die Käfer legen ihre Eier an die Stammrinde oder Grobäste der Eiche. Die geschlüpften Larven bohren sich ein und fressen in zickzackförmigen Gängen unter der Rinde im lebenden Gewebe. Bei stammumfassendem Befall stirbt die Eiche ab", informiert das "LWF".

Die "Schwammspinner" werden im Sommer erwartet, wie 2019 im Juni. Allerdings startet der Falterflug der Raupen in der Regel erst im Juli und August. Die Behörden überwachen die Flüge mit speziellen Pheromonfallen, die die Tiere anlocken. So kann festgestellt werden, wie viele es sind. Bei einer Schwelle von 2000 Faltern je Falle verdichten sich die Anzeichen einer "Massenvermehrung".

Forstexperten suchen in einem solchen Fall Waldgebiete nach Nestern vom Wurzellauf bis auf zwei Meter Stammhöhe ab. Wenn der Kahlfraß bestandsgefährdend wird, müssten die Waldbesitzer zusätzlich entscheiden, ob sie Pflanzenschutzmittel gegen die Raupen einsetzen wollen.

Sind "Schwammspinner gefährlich für den Menschen?

Der haarige Schädling kann nicht nur eine Gefahr für den Fortbestand von Wäldern werden, sondern auch für den Menschen. Falls empfindliche Menschen in Kontakt mit den Härchen der Raupen geraten, kann es zu erheblichen Reizungen der Haut kommen. Allergische Reaktionen und Atemnot sind ebenfalls möglich.

Insbesondere weil die Tiere Vorgärten und Häuser in Waldnähe bevölkern, ist Vorsicht für Anwohner geboten.

tu