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Gesundheit

Schlaganfälle frühzeitig erkennen: Ein Test kann Leben retten

Alle zwei Minuten erleidet ein Mensch in Deutschland einen Schlaganfall. Oftmals erkennen Laien diesen zu spät oder wissen nicht, wie zu reagieren ist. Die Folgen für die Betroffenen sind gravierend. Ein Schnelltest soll nun bei der Erkennung eines Schlaganfalls helfen.
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Schlaganfälle sind in Deutschland die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für Langzeitbehinderungen im Erwachsenenalter. Behandlungsmöglichkeiten sind bisher begrenzt, weswegen es wichtig ist, dass im Falle eines Schlaganfalls schnell reagiert wird.

12-Monats-Prävalenz liefert erschreckende Ergebnisse

Ab dem 75. Lebensjahr steigen die Zahlen der Betroffenen eines Schlaganfalls innerhalb der letzten 12 Monate drastisch an. Während das Gesundheitsproblem in der 12-Monats-Prävalenz bei Männern und Frauen unter 55 Jahren noch deutlich unter einem Prozent liegt, steigt die Prozentzahl der Betroffenen ab 75 Jahren auf ganze 6,3 Prozent. Jedes Jahr erleiden knapp 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall.

Die Erkrankung tritt sehr plötzlich auf und kann massive langfristige Folgen für die Betroffenen haben. Jede Minute, die bis zum Einsetzen von therapeutischen Maßnahmen vergeht, erhöht das Risiko für bleibende Schäden. Eine frühzeitige Erkennung ist daher extrem wichtig, um schnellstmöglich mit der Behandlung der Patienten beginnen zu können. Da bei vielen Betroffenen trotz aller Bemühungen Folgeschäden bleiben, gibt es eine Vielzahl an Ratgebern und unterstützenden Büchern, um den Weg zurück zum gewohnten Leben zu vereinfachen.

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Schnelltest zur Erkennung von Schlaganfällen

Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur ein Bewusstsein für die Erkrankung zu schaffen, sondern auch hilfreiche Vorgehensweisen zu verbreiten, mit denen sowohl Betroffenen, als auch Angehörigen in den kritischen Minuten eines Schlaganfalls geholfen werden kann.

Ausgelöst werden Schlaganfälle in 85 Prozent der Fälle durch Blutgerinnsel. Das bedeutet, dass eine Gehirnarterie durch einen Blutpfropf blockiert wird. Die Gehirnbereiche, welche sich hinter der Blockade befinden, werden so von der Durchblutung abgeschnitten und geschädigt. In weniger häufigen Fällen entsteht der Anfall durch das Reißen eines Blutgefäßes im Hirn.

"Was auch immer die Ursache ist - ein Schlaganfall ist immer ein medizinischer Notfall", sagt Prof. Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und Chefarzt an der Klinik für Neurologie am Evangelischen Krankenhaus Bielefeld-Bethel.

FAST-Test in Schlaganfallerkennung bewährt

In vielen Fällen ist es schwierig, einen Schlaganfall zu erkennen. Aus diesem Grund wurde der sogenannte "FAST-Test" entwickelt. Die Kürzel "FAST" stehen für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit).

Der Sinn des Testes ist es, die häufigsten Schlaganfallsymptome schnell abzufragen und somit entscheiden zu können, ob ein Schlaganfall vorliegt oder nicht. Hierauf muss geachtet werden:

Beim ersten Punkt Face wird der Betroffene um ein Lächeln gebeten. Wenn sich bei dem Lächeln nur eine Seite des Gesichts hebt oder das Gesicht sich einseitig verzieht, deutet das auf eine Gesichtslähmung hin. Im zweiten Schritt Arms soll die Person die Arme nach vorne ausstrecken und dabei möglichst die Handflächen nach oben drehen.

Wenn ein oder beide Arme die Hebung beziehungsweise Drehung des Arms und der Hand nicht ausführen können, weist das auf eine weitere Lähmung hin. Als letztes wird der Betroffenen beim Punkt Speech gebeten, einen einfachen Satz nachzusprechen. Sollte dies nur sehr undeutlich oder gar nicht gelingen, ist dies ein weiteres Warnsignal eines Schlaganfalls. Der letzte Punkt Time steht für den Zeitfaktor, der bei der Ausführung nicht vergessen werden darf. Jede Minute ist wichtig und Folgeschäden zu minimieren. Wenn auch nur einer der drei Tests auffällig ist, muss direkt der Notruf (Tel.: 112) gewählt werden.

Bei Verdacht ins Krankenhaus - Stroke-Units klären Fragen am besten

Bei manchen Krankheiten wie Migräne oder Epilepsie können schlaganfallsähnliche Symptome auftreten. Man nennt sie "Schlaganfall-Mimics". Auch wenn nur der Verdacht auf einen Anfall besteht, muss schnell gehandelt werden. Ob es sich wirklich um einen Schlaganfall handelt oder nicht, wird am besten von den sogenannten "Stroke-Units" geklärt.

Dies sind Krankenstationen, welche eine spezielle Ausrichtung auf die Pflege und Behandlung von Schlaganfallpatienten besitzen. Jede Stroke-Unit benötigt ein gültiges Zertifikat, welches alle drei Jahre erneuert werden muss. Auf der Internetseite der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft findet sich eine Liste der zertifizierten Stroke-Units in Deutschland.

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