E-Zigaretten genießen den Ruf, sie seien "gesünder" als herkömmliche Zigaretten. Im Gegensatz zur klassische Kippe, wird bei der elektrischen Zigarette sogenanntes Liquid verdampft und inhaliert. Dies soll laut dem britischen Gesundheitssystem etwa 95 Prozent gesunder sein, als das Einatmen von Tabakrauch. Ein Forscherteam der University of California, Riverside (UC Riverside) will vor kurzem festgestellt haben, dass der Dampf einer E-Zigarette vielleicht doch schädlicher ist, als bisher angenommen.

E-Zigaretten-Dampf führt zu gefährlichem Stress im Gehirn

Um herauszufinden, welchen Einfluss der E-Zigaretten-Dampf auf unser Gehirn hat, beobachteten die Forscher einige isolierte neuronale Stammzellen von Labormäusen. Dort konnten sie ein interessantes Phänomen beobachten: Das verdampfte Liquid der elektronischen Zigarette sorgte für eine stressinduzierten mitochondriale Hyperfusion (SIMH). Dieser komplexe Prozess ist den Autoren der Studie zufolge eine Art Schutzmechanismus, welcher Eintritt, sobald schädliche Substanzen in unser Nervensystem eindringen. Während einer SIMH "verschmelzen" unsere Mitochondrien miteinander, um sich gegenseitig vor eventuellen Schäden zu schützen.

Je länger beziehungsweise je häufiger man dieser künstlichen Stresssituation ausgesetzt ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass neuronale Stammzellen beschädigt werden und eventuell absterben. Der Studie zufolge können Zellen, welche auf diese Weise beschädigt wurden, sich nicht mehr weiterentwickeln. Ein beschädigtes Mitochondrium sorgt laut Studie außerdem für einen beschleunigten Alterungsprozess unseres Gehirns.

Zelltod durch nikotinhaltigen Dampf

Der nikotinhaltige Dunst einer elektronischen Zigarette führt außerdem zu einer Überreaktion in unserem neuronalen Nervensystem. Sobald das Nikotin durch die Riechbahnen unser Gehirn erreicht, werden dort einige Rezeptoren in der Zellmembran angezapft. Diese Rezeptoren öffnen bestimmte Kanäle unserer Zellen, durch die daraufhin unbegrenzte Mengen Calcium und Eisen einströmen können. So kommt es zu einem Calciumüberschuss in der Zelle, welcher die Mitochondrien bis zum Zelltod überstrapazieren kann.

In einer Pressemittelung erklärte Dr, Atena Zahedi, Leiterin der Studie: "Schon ein kurzzeitiger Kontakt mit dem E-Zigaretten-Dampf kann Zellen derart stressen, dass dies - bei regelmäßigem Dampfen - zu Zelltod oder Krankheit führen kann. Höchstwahrscheinlich hat jedoch jedes nikotinhaltige Produkt dieses Schadpotential."

Laut der Studie wurden für die Untersuchungen ausschließlich Geräte der US-Firmen Vuse und JUUL verwendet. Da Vuse-Produkte einen überhöhten Nikotingehalt aufweisen und somit nicht in Deutschland erlaubt wären, wird die Nikotinmenge hierzulande angepasst.

Einfluss von E-Zigaretten auf Jugendliche und Schwangere

Sowohl Jugendliche als auch schwangere Frauen sollten sich über die Auswirkungen des E-Zigaretten-Dampfes im Klaren sein, so Zahedi. "Ihre Gehirne sind in einer wichtigen Entwicklungsphase. Der Kontakt mit Nikotin während dieser Phasen kann das Gehirn in mehreren Bereichen schädigen, welche Einfluss auf das Gedächtnis, das Lernvermögen oder unsere kognitiven Fähigkeiten haben", erklärte Prue Talbot, Professorin in Abteilung für Molekular- und Zellbiologie an der UC Riverside.

E-Zigaretten können - ganz unabhängig von der Studie - auch auf andere Weise gefährlich sein. In den USA kam Anfang des Jahres ein junger Mann bei einem E-Zigaretten-Unfall ums Leben. Bei einer Explosion wurde die Halsschlagader des 24-Jährigen durchtrennt.

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