Bei Rückenschmerzen denken die meisten sofort an einen Hexenschuss oder Bandscheibenvorfall. Hinter den Schmerzen kann sich jedoch ein anderer Übeltäter verstecken, den kaum einer auf der Rechnung hat: Das Iliosakralgelenk, kurz ISG oder auch Kreuzbein-Darmbein-Gelenk. Vom Iliosakralgelenk haben wohl die wenigsten schon mal gehört, es steckt aber gar nicht so selten hinter Schmerzen im unteren Rückenbereich.

Schmerzen im unteren Rückenbereich: Wo befindet sich das Iliosakralgelenk?

Das Gelenk sitzt auf beiden Seiten unten im Rücken und verursacht Schmerzen, die die Betroffenen kaum lokalisieren können. Meistens wird das Symptom als einseitiger Schmerz im unteren Rückenbereich beschrieben, jedoch kann der Schmerz in Richtung Oberschenkel, Po, in die Leistengegend, den Bauch oder sogar bis hin zum Fuß strahlen.

Die beiden handtellergroßen Gelenke verbinden die Wirbelsäule auf Höhe des Kreuzbeins mit den Beckenschaufeln.

Welchen Nutzen hat das ISG?

Das ISG dient als Stoßdämpfer zwischen Wirbelsäule und Becken. Geht eine Person beispielsweise joggen, entsteht beim Auftreten eine Belastung, die von den Beinen an den Beckenring weitergeleitet und dort abgefangen wird. Anschließend wird der Impuls an den Rumpf und die Wirbelsäule abgegeben. Zusätzlich wird das Iliosakralgelenk durch Muskeln und Bänder gestützt, so dass das Gelenk die Erschütterungen abdämpfen können.

Wie kommt es zu Schmerzen im Iliosakralgelenk?

Werden die stabilisierenden Strukturen weicher, beispielsweise bei einer Schwangerschaft, oder kommt es bei einem Sportunfall zu kleinsten Verletzungen, kann das Beschwerden verursachen. Zudem setzen unterschiedliche Beinlängen den Iliosakralgelenk zu.

Es gibt bestimmte Krankheiten, die speziell dieses Gelenk betreffen, dazu gehören Morbus Bechterew und Sakroliitis. Bei beiden Erkrankungen kommt es zu einer Entzündung und letztlich zu einer kompletten Versteifung des Gelenks.

Welche Personengruppen sind gefährdet?

Prinzipiell kann jeder Schwierigkeiten mit den Iliosakralgelenk bekommen. Laut Dr. med. Johannes Flechtenmacher, sind Menschen , die recht wenig Sport treiben öfter betroffen. Auch Personen, die ein starkes Hohlkreuz haben sollen eher Probleme bekommen als andere.

Sobald die Schmerzen im Rücken länger als eine Woche anhalten sollte unbedingt ein Facharzt aufgesucht werden. Stellt sich heraus das wirklich das Iliosakralgelenk betroffen ist, rät Flechtenmacher zu Bewegung. Weiterhin rät er eine trainierte Bauchmuskulatur, da diese einen stützenden Effekt hat und somit der Rücken entlastet wird.

Aktivitäten sollten sich an den Beschwerden orientieren. Falls das ohnehin schon straffe ISG weiter eingeschränkt wird, Ärzte nennen das Blockade, sollte ein Arzt versuchen die Blockade zu lösen. Zudem sollte der Patient täglich 15-minütige Übungen durchführen um seine Rumpfmuskulatur zu stärken. Ein Beispiel sind Pilates Übungen, die auf das Ganzkörpertraining aufbaut.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Neben verschiedenen Muskelaufbauübungen könnten auch Elektrotherapien, Massagen oder Wärmetherapien die Schmerzen lindern. Operiert wird nur in absoluten Ausnahmefällen, so Flechtmann.