• Der Unterschied zwischen Ischias und einem Bandscheibenvorfall
  • Verschiedene Formen der Ischiasbeschwerden
  • Bedeutung des Piriformis-Muskels
  • Die häufigsten Symptome und Ursachen in der Übersicht
  • Die richtige Behandlung
  • Übungen gegen den Schmerz
  • Ischias in der Schwangerschaft?

Der Ischias gilt als der längste und dickste Nerv im menschlichen Körper, im Querschnitt misst er rund eineinhalb Zentimeter. Dabei setzt er sich insgesamt aus mehreren Nervenwurzeln zusammen, die in der Lendenwirbelsäule entspringen. Von dort aus verläuft er über das Gesäß durch beide Beine und endet in den Füßen. Auf dieser langen Strecke ist es die Aufgabe des Ischias, die Beinmuskeln ausreichend zu versorgen. Außerdem sendet der bedeutende Nerv sensibelste Empfindungsmeldungen aus der unteren Körperhälfte an das zentrale Nervensystem.

Ischias oder doch ein Bandscheibenvorfall?

Ein schmerzhaftes Ziehen im unteren Rücken oder der Hüfte, das meist bis ins Bein ausstrahlt, wird umgangssprachlich oft als Ischias bezeichnet. Der korrekte medizinische Fachbegriff hierfür ist Ischialgie. Häufig werden die unangenehmen Rückenschmerzen allerdings auch mit einem Bandscheibenvorfall verwechselt und dementsprechend falsch behandelt. Doch wie kann man diesen Trugschluss vermeiden?

Wichtig ist es, die auftretenden Symptome genau zu beobachten. Schmerzen im unteren Rücken, dem Gesäß sowie in Beinen und Füßen können bei beiden Krankheitsbildern gleichermaßen auftreten. Kommen jedoch Beschwerden im oberen Rücken, Nacken, den Armen oder der Brust hinzu, liegt in der Regel ein Bandscheibenvorfall vor. Wirkliche Sicherheit kann hier aber nur eine ärztliche Untersuchung geben, beispielsweise durch eine Computertomographie (CT).

Ischias-Neuralgie

Grundsätzlich ist Ischias-Neuralgie lediglich eine andere Bezeichnung für den Fachbegriff Ischialgie. Der Schwerpunkt liegt hier jedoch konkret auf den Nervenschmerzen, die unter Medizinern auch Neuralgie genannt werden. In diesem Fall treten die nervlichen Beschwerden in den unteren Körperextremitäten, wie der Hüfte oder den Beinen, auf.

Auch interessant: Was kann man gegen einen Hexenschuss tun?

Ischiassyndrom

Bei einem sogenannten Ischiassyndrom kommen zu den Nervenschmerzen im Bereich des Ischias noch weitere unangenehme Symptome hinzu. So leiden Betroffene häufig unter einem starken Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühl sowie weiteren Missempfindungen in den unteren Körperteilen. Im schlimmsten Fall können sogar Lähmungserscheinungen auftreten.

Lumboischialgie

Treten die beschriebenen Ischiasbeschwerden kombiniert mit denen eines Hexenschusses auf, ist von einer Lumboischialgie die Rede. Denn die bekannten, akut einsetzenden Kreuzschmerzen, werden unter Medizinern auch als Lumbago bezeichnet. Bei diesem Krankheitsbild kommen zu den typischen Ischiasschmerzen, wie nervliche Missempfindungen oder Taubheitsgefühl, somit weitere schmerzhafte Symptome im Rücken hinzu. Diese sitzen in der Regel etwas weiter oben als der Ischias, da von einem Hexenschuss insbesondere die Rückenmarksnerven der Lendenwirbelsäule betroffen sind. Außerdem strahlen diese Beschwerden meistens nur in ein Bein aus.

Piriformis-Muskel sorgt für ähnliche Beschwerden

Schmerzen im unteren Rücken oder der Hüfte können jedoch auch durch einen völlig anderen Auslöser entstehen. Denn der sogenannte Piriformis verursacht laut dem US-amerikanischen Orthopäden Dr. Paul Liebert ganz ähnliche Symptome wie eine Ischialgie. Dabei handelt es sich um einen fingerdicken, birnenförmigen Muskel, der direkt neben dem Ischiasnerv liegt. Er entspringt in der Hüfte und verläuft unter dem Gesäß, vom Kreuzbein bis zur oberen Knochenkante des Oberschenkels. Seine Aufgabe ist es, die Außenrotation des Hüftgelenks zu ermöglichen. Wird der Piriformis-Muskel beispielsweise durch zu langes, falsches Sitzen überlastet oder verkrampft, schwillt er schnell an. Dadurch drückt er häufig auf den nahegelegenen Ischiasnerv und führt so zu ähnlichen Beschwerden wie eine Ischialgie.

Das sind die häufigsten Symptome

Wie bereits beschrieben, sind die Symptome eines entzündeten Ischias je nach genauem Krankheitsbild unterschiedlich stark ausgeprägt. Ein ziehender Schmerz im unteren Rücken geht in der Regel jedoch immer mit den Beschwerden einher. Außerdem treten oft Taubheitsgefühle, Kribbeln, Muskelschwäche oder sogar Lähmungserscheinungen in den unteren Körperteilen auf. Unterschiedlich ist jedoch, ob die Schmerzen nur in einer Körperhälfte oder beidseitig vorkommen. Ebenso ist es individuell, ob und wie weit sich die unangenehmen Symptome verbreiten. Im schlimmsten Fall können sie vom Gesäß bis in den Knöchel ausstrahlen.

Meistens werden die Betroffenen durch diese Beschwerden in ihrer Bewegungsfreiheit deutlich eingeschränkt. Langes Sitzen oder Stehen wird oft unerträglich. Ähnlich ist es bei ruckartigen Bewegungen, Drehungen oder starkem Vorbeugen. Die Schmerzen führen darüber hinaus oft zu Humpeln oder verschiedenen Schonhaltungen. Genau diese können die unangenehmen Ischiasbeschwerden jedoch zusätzlich verstärken, da so die Muskulatur in der Wirbelsäule falsch angespannt wird und verkrampft.

Die genannten Symptome können sowohl ganz plötzlich als auch schleichend auftreten. Bei einer klassischen Ischialgie sind die Schmerzen dabei allerdings nachts meist deutlich stärker. Unterschiedlich ist ebenfalls, ob sie dauerhaft anhalten oder in Schüben erscheinen. In der Regel sollten die Beschwerden allerdings nach wenigen Tagen oder Wochen wieder abklingen. Ist dies nicht der Fall, ist ein Arztbesuch unumgänglich.

Mögliche Ursachen in der Übersicht

  • Verspannungen der Wirbelsäulenmuskulatur
  • Starke, einseitige Belastungen
  • Falsche Körperhaltung, zum Beispiel bei langem, krummen Sitzen
  • Überlastung des Piriformis-Muskels
  • Verkrampfte Bänder im Rücken oder der Hüfte
  • Erkrankung der Nervenwurzeln
  • Infektionen (Gürtelrose, Borreliose)
  • Blutergüsse, eitrige Abszesse im umliegenden Gewebe
  • Gelenkrheuma
  • Verletzung, Verschiebung einzelner Wirbelkörper
  • Bandscheibenverschleiß
  • Bandscheibenvorfall oder dessen Vorstufe Bandscheibenwölbung

Wundermittel gegen entzündeten Ischias?

Grundsätzlich gibt es bei Ischiasbeschwerden keine konkrete Maßnahme, die in jedem Fall hilft. Je nach Ursache, Symptomatik und Schwere muss für jeden Patienten ein individueller Behandlungsweg festgelegt werden. Allgemein gilt jedoch: So schnell wie möglich handeln! Treten zunächst nur leichte Schmerzen auf, sollten diese nicht ignoriert werden. Eine frühe Therapie lindert nicht nur den Verlauf einer Ischialgie, sondern führt auch zu schnelleren Behandlungserfolgen. Außerdem kann so verhindert werden, dass die Schmerzen chronisch erhalten bleiben.

Ein hilfreicher Tipp bei akut auftretenden Beschwerden ist es, die schmerzenden Beine hoch zu lagern. Liegt man auf dem Rücken und platziert zum Beispiel ein Kissen unter den Unterschenkeln, sollten Knie und Hüfte dabei im rechten Winkel gebeugt sein. Sobald die Bettruhe erste Erfolge zeigt und die Beschwerden etwas gelindert sind, sollten sich Betroffene aber auch immer wieder bewegen. Denn leichte Dehn- oder Gymnastikübungen entlasten den Rücken. Nur so, können Ischiasbeschwerden langfristig und wirksam therapiert werden.

Wärme oder Kälte?

Um herauszufinden, ob eine Behandlung mit Wärme oder doch eher mit Kälte hilfreich ist, muss der Auslöser der Symptome genau bestimmt werden. Handelt es sich dabei tatsächlich um eine reine Entzündung, ist Kälte am besten. Denn Kühlpads oder Kompressen grenzen die Weiterleitung der Schmerzen ein. Ist der Ischiasnerv jedoch gequetscht oder die Muskulatur stark verspannt, kann mit Wärme (Wärmflasche, Heizkissen) gut entgegengewirkt werden.

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Behandlung langfristig anhaltender Ischiasbeschwerden

Sollten sich die Schmerzen über mehrere Tage hinweg nicht bessern oder sogar verschlimmern, sind weitere Behandlungsschritte erforderlich. Dabei gibt es grundsätzlich drei verschiedene Möglichkeiten:

  • Medikamente
  • Physiotherapie
  • in schwierigen Fällen eine Operation

Entscheidet sich der Patient nach einer ärztlichen Untersuchung für eine medikamentöse Behandlung, wird sich hier meistens in drei Schritten vorgetastet. Zunächst sollten Betroffene Schmerzmittel einnehmen, die keine Opioide sind. Geeignet sind dabei etwa Paracetamol, Ibuprofen oder Diclofenac. Können die Beschwerden damit nicht gelindert werden, ist die Einnahme von schwachen - beziehungsweise im weiteren Verlauf auch starken - Opioiden erforderlich. Dies sind Schmerzmittel, die zwar als besonders wirksam gelten, allerdings nur mit großer Vorsicht angewendet werden sollten. Denn sie führen häufig zu starken Nebenwirkungen und machen Patienten schnell abhängig. Werden die Schmerzen durch eine Infektion ausgelöst, kann auch ein Antibiotikum helfen.

Um Ischiasbeschwerden langfristig zu lindern, empfiehlt sich ebenso eine Physiotherapie-Behandlung. Ob Massagen, Wärmebehandlungen oder doch eher körperliche Übungen geeignet sind, muss von Patient zu Patient individuell entschieden werden. Krankengymnastik und gezielte Dehnungen helfen dabei besonders, die Wirbelsäule zu stabilisieren, den Rücken zu kräftigen sowie Verspannungen zu lockern. Außerdem können Physiotherapeuten bei falschen Belastungen oder Schonhaltungen konkrete, individuell angepasste Hilfestellungen geben.

Einfache Übungen gegen den Schmerz

Mit bestimmten, einfachen Übungen lassen sich leichte Ischiasbeschwerden meist unkompliziert selbst lindern. Werden sie regelmäßig ausgeführt, können sie die lästigen Rückenschmerzen sogar aktiv vorbeugen. Doch auch nach einem langem Arbeitstag am Schreibtisch, wirken diese Übungen wahre Wunder!

Gymnastik im Sitzen

Ischiasbeschwerden am Arbeitsplatz? Diese kurze Sporteinheit lässt sich sogar sitzend am Schreibtisch ausführen! Dafür sollte eine angenehme Position am vorderen Rand des Stuhles eingenommen werden, sodass beide Füße komplett auf dem Boden stehen. Nun wird der rechte Fuß so auf dem linken Oberschenkel platziert, dass sich der Knöchel unmittelbar hinter dem Knie befindet. Der rechte Unterschenkel sollte dabei waagrecht gehalten werden. Außerdem wird die rechte Hand auf dem rechten Oberschenkel abgelegt, die linke Hand auf dem rechten Fuß. In dieser Sitzhaltung kann schließlich der gerade Rücken langsam und bedacht nach vorne bewegt werden. Für einen gleichmäßigen Effekt sollte die Übung auch mit dem linken Fuß auf dem rechten Oberschenkel ausgeführt werden.

Dehnung der Gesäßmuskulatur

Die Dehnung der Gesäßmuskulatur hilft, den Ischiasnerv zu entlasten. Dies lässt sich leicht in einer flachen Rückenlage auf dem Boden durchführen. Dabei sollte der Betroffene zunächst beide Beine ausstrecken. Anschließend wird das linke Bein im rechten Winkel zum Körper herangezogen. Um diese Lage mühelos zu ermöglichen, hält die rechte Hand das linke Knie und zieht es außerdem langsam, leicht schräg zur rechten Seite. Diese Position sollte für mindestens 30 Sekunden, bestenfalls sogar eine Minute lang, gehalten und danach spiegelverkehrt wiederholt werden. Eine starke Dehnung lässt sich hier schnell spüren. Führt diese allerdings zu starken Schmerzen, sollte die Übung sofort abgebrochen werden.

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Abwechslung durch intensiven Ausfallschritt

Langes Sitzen oder konstante Fehlhaltungen der Wirbelsäule führen schnell zu schmerzhaften Verspannungen. Regelmäßige Bewegung ist demnach besonders wichtig. Wem hierfür jedoch manchmal die Zeit fehlt, kann mit dieser Übung zumindest für einen kurzen Moment für Abwechslung sorgen und sich die Beine vertreten. Die Ausgangsposition ist dabei ein tiefer Ausfallschritt. Ist das linke Bein vorne, kann der Oberkörper langsam nach links gedreht werden. Rücken, Schultern sowie Kopf müssen gerade gehalten werden. Im Anschluss sollte die kurze, effektive Übung ebenso zur anderen Seite durchgeführt werden.

Entspannung in Rückenlage

Für die Bekämpfung von Rückenschmerzen sind neben Dehnung und Bewegung auch Entspannungseinheiten wichtig. Zu einer schnellen Linderung verhilft beispielsweise diese Übung, die flach auf dem Rücken liegend durchgeführt wird. Damit auch die Lendenwirbelsäule gerade auf dem Boden liegt, werden die Beine angewinkelt und Richtung Oberkörper gezogen. Für einen optimalen Effekt kann der Betroffene seine Schienbeine festhalten und so beide Knie sanft Richtung Brust drücken. Diese Position sollte circa 30 Sekunden gehalten werden. Wichtig ist es dabei, gleichmäßig und tief zu atmen. Kopf, Schultern sowie der obere Rücken bleiben währenddessen auf dem Boden.

Auch interessant: Diese Übungen helfen sofort gegen Rückenschmerzen am Arbeitsplatz.

Ischiasbeschwerden in der Schwangerschaft

Viele Frauen leiden in der Schwangerschaft unter Rückenschmerzen und halten diese häufig für Ischiasbeschwerden. Doch tatsächlich steckt nur selten eine wirkliche Ischialgie hinter den Schmerzen in diesen besonderen Monaten. Stattdessen können die ischiasähnlichen Schmerzen durch unterschiedlichste Faktoren entstehen.

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Zum einen sorgen die Schwangerschaftshormone für veränderte, lockere Bänder im Rücken und der Hüfte. Dadurch können sich Knochen minimal verschieben und so Verspannungen oder falsche Belastungen der Muskulatur auslösen. Doch auch durch das zusätzliche Gewicht im Bauch wird die untere Wirbelsäule in der Schwangerschaft stark belastet, da der Körperschwerpunkt nun vorne liegt. Zum anderen können sowohl die wachsende Gebärmutter als auch Blutansammlungen auf den Ischiasnerv drücken. Letztere entstehen, wenn das heranwachsende Kind auf die untere Hohlvene drückt und sich so Venenblut im Becken staut.

Obwohl Schmerzmittel bei diesen Beschwerden am schnellsten wirken, sollten Schwangere davon zum Schutze ihres Kindes absehen. Besser sind dagegen muskelentspannende Übungen, Physiotherapie oder auch alternative Maßnahme, wie etwa Akupunktur. Nach der Geburt klingen die Beschwerden dann meist schnell von selbst wieder ab.

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