Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ruft gesunde Menschen ab 18 Jahren dazu auf, weiterhin Blut zu spenden. Alle sieben Sekunden brauche ein Patient in Deutschland eine Bluttransfusion, erklärte der DRK-Blutspendedienst Nord-Ost diese Woche.

Präparate aus Spenderblut könnten vielfach Leben retten. Sollten wegen der Coronavirus-Pandemie in den kommenden Tagen nicht genügend Blutspenden eingehen, wäre die Patientenversorgung innerhalb kurzer Zeit nicht mehr lückenlos abgesichert, warnte der medizinische Geschäftsführer Torsten Tonn.

Blutspenden sind lebensnotwendig

"Es ist wichtig, dass gerade jetzt in einer Frühphase der Epidemie verstärkt gespendet wird, wo die Durchseuchung noch auf Einzelfälle beschränkt ist, um einen Vorrat anlegen zu können", sagte Tonn. Dann könnten Patienten weiterhin sicher mit Blutpräparaten in Therapie und Notfallversorgung behandelt werden. Spendewillige würden gebeten, sich kurzfristig im Internet oder über die kostenfreie Hotline 0800/1194911 zu informieren, ob der infrage kommende Termin tatsächlich stattfinden könne oder ob es Alternativen gebe.

Nach Angaben des DRK werden jährlich etwa 112 Millionen Blutspenden weltweit benötigt. Mit einer Blutspende könne bis zu drei Schwerkranken oder Verletzten geholfen werden. In Deutschland sichere das DRK 75 Prozent der notwendigen Blutversorgung. Das entspreche etwa drei Millionen Spenden.

Auch in Zeiten der Coronakrise gelte es, nicht nachzulassen, da der Bedarf an Blutprodukten weiterhin hoch sei. So würden alleine 19 Prozent der Blutprodukte für die alltägliche Versorgung von Krebspatienten benötigt. Weitere jeweils 16 Prozent brauchten Patienten mit Herzerkrankungen sowie Magen- und Darmkrankheiten.

Keine Sorgen machen - Risiken werden minimiert

Die Sorgen von Spendewilligen rund um das Coronavirus findet Eberhard Weck, Leiter Spendenmarketing beim DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg/Hessen, nachvollziehbar, doch werde alles getan, um mögliche Risiken zu minimieren. So würden Spendewillige schon im Eingangsbereich der Blutspendeeinrichtungen befragt. Wer etwa innerhalb der vergangenen Wochen in Italien oder einer anderen vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuften Region war oder mit erhöhter Temperatur und anderen Erkältungssymptomen zum Spendetermin komme, werde weggeschickt. In den Räumlichkeiten würden die Spender zudem räumlich voneinander getrennt, um Ansteckungen zu vermeiden.

Auch einige weitere Regeln gelte es zu beachten: Wer Kontakt zu einem an Coronavirus-Erkrankten oder zu einem Verdachtsfall hatte, darf vier Wochen nach diesem Kontakt kein Blut spenden. Und Menschen, die selbst an Covid-19 erkrankt sind, müsse für drei Monate nach Ausheilung der Lungenkrankheit aufs Blutspenden verzichten.

Für die Empfänger von Blutspenden bestehe derweil nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen kein Ansteckungsrisiko, sagte Weck: Das Coronavirus Sars-CoV-2 werde per Tröpfcheninfektion, nicht aber über das Blut weitergegeben.

Grundsätzlich zähle jede Spende. Besonders gefragt und deshalb praktisch immer Mangelware seien aber Spenden der Blutgruppe 0/Rhesus negativ, weil diese von fast jedem Patienten vertragen wird und daher bei Notfällen besonders stark benötigt wird. Allerdings kommt sie nur bei etwa sechs Prozent der Bevölkerung in Deutschland vor. Für Krebspatienten besonders wichtig sind zudem Thrombozyten, die eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung spielen.