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Gesundheit

Risiko-Lebensmittel: Kontrolleure warnen vor Keimen im Klinik-Essen

Krankenhäuser, Pflegeheime und Kitas servieren oft Risiko-Lebensmittel und gefährden damit die Gesundheit. Das zuständige Bundesamt übt nun scharfe Kritik.
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Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit warnt in ihrer Lebensmittel- und Bedarfsgegenständeüberwachung 2017 vor Risiko-Lebensmitteln in Kliniken und Heimen. Foto: Daniel Karmann, dpa
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit warnt in ihrer Lebensmittel- und Bedarfsgegenständeüberwachung 2017 vor Risiko-Lebensmitteln in Kliniken und Heimen. Foto: Daniel Karmann, dpa

Ein paar Scheiben Brot, dazu Mettwurst und Räucherlachs. Zum Abschluss ein Stück Limburger. Diese Lebensmittel haben Lebensmittelkontrolleure bei ihren Besuchen in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Kindertagesstätten im vergangenen Jahr in ganz Deutschland entdeckt.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sieht darin ein "unnötiges gesundheitliches Risiko". Denn rohe Wurst, Räucherfisch, Salate, manche Weichkäse und Tiefkühlbeeren sind besonders oft mit krankmachenden Keimen belastet. Bei empfindlichen Personen wie Kindern, Schwangeren oder Senioren können sie allerdings schwere Infektionskrankheiten auslösen.

"Es ist erschreckend, dass in so vielen Einrichtungen, in denen man gesund werden soll, das Risiko besteht, am Essen zu erkranken", fasst es BVL-Präsident Helmut Tschiersky bei der Vorstellung des Jahresberichts zur Lebensmittelsicherheit am Donnerstag zusammen.

Häufig Listerien entdeckt

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393 Mal haben die Kontrolleure Rohwürste eingesammelt, darunter Tee- und Mettwurst sowie Braunschweiger Wurst. Jede achte Probe war mit einem "messbaren Gehalt" von Listerien betroffen. "Bei Gesunden wäre das nicht sehr problematisch, bei Menschen mit Vorerkrankungen oder immunempfindlichen Personen kann eine Infektion mit Listerien aber einen dramatischen Verlauf nehmen", erklärt Tschiersky.

Eigentlich hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung schon 2011 eine Empfehlung herausgegeben: "Sofern es nicht vorgesehen ist, diese Lebensmittel direkt vor der Ausgabe ausreichend zu erhitzen, (...) wird geraten, auf deren Abgabe an besonders empfindliche Personengruppen zu verzichten." Mit anderen Worten: In Kitas, Schulen, Krankenhäusern und Pflegeheimen sollten Harzer Käse, Carpaccio oder selbst gemachtes Eis nicht auf den Teller kommen. "Es ist sehr wichtig, dass Menschen, die empfindlich gegenüber Krankheitskeimen sind, nicht ohne Not mit diesen Lebensmitteln in Kontakt kommen", sagt Tschiersky.

Nur zehn Prozent verzichten auf Risikoprodukte

Das Problem: Nur etwa die Hälfte der 1880 Einrichtungen, die im vergangenen Jahr kontrolliert wurden, kannten diese Empfehlungen. Und nur zehn Prozent verzichteten komplett auf die risikohaften Produkte. "Die Empfehlung kann man sich ohne Weiteres im Internet herunterladen", sagt Tschiersky. Außerdem werde sie jedes Jahr aktualisiert.

Warum die gefährlichen Speisen dennoch angeboten werden, darüber kann der BVL-Präsident nur spekulieren: "Wir haben hier vielleicht tatsächlich ein Informationsdefizit." Die Gründe müssten im Einzelfall geprüft werden. "Womöglich ist auch das Risikobewusstsein einfach nicht da."

Insgesamt 504.000 Kontrollen

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Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hatte nach eigenen Angaben bisher nicht die Gelegenheit, die neuen Zahlen zu prüfen. Sie sieht das angesprochene Gesundheitsrisiko in Kliniken für die gefährdete Patientengruppe aber weitestgehend ausgeschlossen.

Die Verbraucherschutzorganisation foodwatch kritisierte, dass die Ergebnisse der Lebensmittelüberwachung nur anonym veröffentlicht würden. "Solange nicht alle Verstöße öffentlich werden, haben Lebensmittelbetriebe, Caterer oder Kantinenbetreiber kaum Anreiz, sich durchgehend an die lebensmittelrechtlichen Vorgaben zu halten", so Oliver Huizinga von foodwatch.

Die Kontrolleure des Bundesamtes besuchten neben Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen auch Restaurants, Imbisse und Betriebe, die mit Lebensmitteln arbeiten. Von 1,2 Millionen Betrieben in Deutschland wurden demnach rund 504.000 kontrolliert. Formelle Verstöße, wegen derer Betriebe geschlossen wurden oder die Straftaten darstellten, gab es insgesamt 68.613. Die Ursache war meist die allgemeine Hygiene im Betrieb. Die Zahl ist aber nur leicht rückläufig.

Ein Artikel von Christoph Donauer, mit Informationen von dpa

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