In der Debatte um klarere Kennzeichnungen für Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten sorgt ein Gerichtsentscheid für neuen Wirbel. Der Tiefkühlkostanbieter Iglo muss die Einführung des farblichen Logos Nutri-Score auf Packungen vorerst stoppen.

Nutri Score: Verstößt das Logo gegen europäische Vorschriften?

Das Landgericht Hamburg erließ am Dienstag eine einstweilige Verfügung gegen die Iglo GmbH, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Beantragt hatte dies der Münchner Verein "Schutzverband gegen Unwesen in der Wirtschaft". Nutri-Score verstoße gegen europäische Vorschriften zur Lebensmittelkennzeichnung und sei daher im geschäftlichen Verkehr unzulässig, befand das Gericht. Iglo kündigte umgehend Berufung an.

Verbraucherschützer wollen Kunden gesündere Ernährung erleichtern

Verbraucherschützer machen sich für die aus Frankreich stammende Kennzeichnung stark, um Kunden eine gesündere Ernährung zu erleichtern. Das Nutri-Score-System bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe oder Proteine in eine Bewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an - auf einer fünfstufigen Skala von dunkelgrün bis rot. Einige andere Hersteller wie Danone haben erste Produkte damit schon in die Supermärkte gebracht. Auch der Verein foodwatch fordert die Einführung des Nutri-Scores - übrigens EU-weit und verpflichtend. Das derzeitige Kennzeichnungs-Wirrwarr in Deutschland sowie die Nährwertkennzeichnung der Industrie dagegen verwirre die Verbraucher. Iglo weist bislang Produkte im Internet damit aus und hatte für das Frühjahr den Start im Handel angekündigt.

SPD für Nutri-Score - Ministerium plant Befragung und Praxistest

Die SPD im Bundestag wirbt ebenfalls dafür. Die Koalition will bis Sommer ein Modell erarbeiten, das den Nährwertgehalt "gegebenenfalls vereinfacht visualisiert". Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) strebt vor einer Festlegung noch weitere Klärungen an, da laut einer Analyse alle bestehenden Systeme Vor- und Nachteile hätten - auch der Nutri-Score. Das Ministerium plant eine Verbraucherbefragung und einen Praxistest, welches System Bürgern im Alltag am meisten hilft. In diese Auswahl kommen soll auch ein weiteres Modell, das das bundeseigene Max-Rubner-Forschungsinstitut entwickeln soll.

Das Landgericht Hamburg erläuterte, diese Kennzeichnung solle eine Einordnung des Nährstoffprofils ermöglichen. Der Nutri-Score sei - soweit mit den Farbstufen positive Eigenschaften des Lebensmittels hervorgehoben werden - eine nährwertbezogene Angabe im Sinne der "Health Claims Verordnung". Diese mache bestimmte Vorgaben für derartige Angaben, denen der "Nutri-Score" aber nicht entspreche.

Die Kennzeichnung verstößt laut Gericht insgesamt gegen Artikel 35 der Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV), nach der bestimmte Anforderungen für Darstellungen des Brennwerts eines Lebensmittels gelten. Iglo habe dem Gericht nach dessen Auffassung nicht ausreichend belegt, dass die Nährwerteinstufungen auf fundierten und wissenschaftlich haltbaren Erkenntnissen der Verbraucherforschung beruhen, teilte der Sprecher mit.

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Die Iglo-Chefin für Deutschland, Antje Schubert, sagte: "Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass wir den Wunsch der Verbraucher nach einer transparenten, unabhängigen und leicht verständlichen Kennzeichnung erfüllen dürfen." Das System ist auf freiwilliger Basis für den Handel vor allem in Frankreich weit verbreitet, einige weitere EU-Länder wollen es einführen.