Coronavirus und Bluthochdruck: Insbesondere Patienten mit Vorerkrankungen und Menschen, die zur Risikogruppe gehören, sollen die Vorschriften in Zusammenhang mit dem Coronavirus befolgen - zu ihrem eigenen Schutz. Das verkünden sowohl die Bundesregierung als auch das Robert-Koch-Institut (RKI) nahezu täglich. Im Zuge dieser Debatte verbreiteten sich schnell einige Meldungen über sogenannte „ACE-Hemmer“ und „Sartane“. Dabei handelt es sich um bestimmte Arten von Medikamenten. Genauer: um sogenannte Hemmstoffe. Die wirken vor allem gegen Bluthochdruck.

Doch: Sie sollen ebenfalls Einfluss auf den Krankheitsverlauf bei einer Coronavirus-Infektion haben. Diese Theorien wuchsen auf fruchtbarem Boden. Wenn ein Virus den Menschen befällt, geschieht das zwangsläufig über bestimmte Stellen, sogenannte Rezeptoren. Befällt nun das neuartige Coronavirus einen Menschen, dockt es am „Angiotensin-Converting-Enzym-2“, kurz ACE-2, an. Dieses Enzym entsteht in den Zellen der Lunge. In löslicher Form gelangt es in die Blutbahn.

Bluthochdruck-Medikamente: Erhöhen sie das Risiko, am Coronavirus zu erkranken?

In der löslichen Form ist es für das Virus eine Art Köder. Manche gehen davon aus, dass im Falle einer Bindung des Virus mit dem im Blut vorkommenden ACE-2 das Coronavirus keine Zellen mehr befallen könne.

Ob diese Theorie der Wahrheit entspreche, könne zum aktuellen Zeitpunkt nicht mit Sicherheit gesagt werden, berichtet die Apotheken Umschau. Es seien aus akademischer Sicht sowohl negative als auch positive Effekte von ACE-2 auf SARS-CoV-2 und die Anfälligkeit hierfür denkbar.

Die "Europäische Gesellschaft für Bluthochdruck" erklärt in einer Pressemitteilung, dass es „keine eindeutigen Hinweise darauf gibt, dass Bluthochdruck per se mit einem erhöhten Infektionsrisiko durch Covid-19 assoziiert ist“. Die Gesellschaft empfiehlt aus diesem Grund, dass Patienten mit Bluthochdruck dieselben Vorsichtsmaßnahmen treffen sollen wie Gleichaltrige ohne Vorerkrankungen. Unter Berufung auf eine Facharbeit der Oxford Universität erklären die Verantwortlichen: „Wir konnten herausfinden, dass die verfügbaren Erkenntnisse ausreichen, um eine schädliche Wirkung von Blutdrucksenkenden Medikamenten bei einer Covid-19-Infektion auszuschließen.“

Der größte Risikofaktor für einen schweren Krankheitsverlauf des neuartigen Coronavirus seien das Alter sowie die Zahl der Begleiterkrankungen. Dazu zähle unter anderem auch Bluthochdruck, erklärt der Verein der Deutschen Bluthochdruckliga. „Aber wie sehr Bluthochdruck allein für sich betrachtet das Risiko erhöht, kritisch zu erkranken, ist derzeit nicht bezifferbar“, erklärt Professor Florian Limbourg aus Hannover, Vorstandsmitglied der Deutschen Hochdruckliga DHL.

Experte: "Gesunder Blutdruck verringert das Risiko auf eine Erkrankung"

Doch der Fachmann betont auch: „Es liegt auf der Hand, dass Menschen mit gut eingestelltem Blutdruck ein geringeres Risiko haben, schwer an Covid-19 zu erkranken, als Menschen, bei denen eine über Jahre unbehandelte Bluthochdruckerkrankung bereits zu Organschädigungen geführt hat.“ Das solle Patienten darin bestärken, keinen Abbruch der Blutdrucktherapie in Erwägung zu ziehen. 

Professor Ulrich Wenzel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga, ergänzt: „Selbst, wenn Menschen mit Bluthochdruck an Covid-19 erkranken, ist das nach derzeitigem Stand der Forschung kein Argument, die Blutdrucksenker abzusetzen - schon gar nicht ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt. Zu diesem Schluss kommt auch unsere europäische Fachgesellschaft.“

Letztendlich gelte es schlicht, sich vor der Virusinfektion möglichst gut zu schützen. Das sei das Gebot der Stunde, insbesondere für ältere Menschen. Fakt ist: Es gibt keinerlei Beweise dafür, dass blutdrucksenkende Medikamente ein höheres Infektionsrisiko verursachen.