Genf
Infektionskrankheit

Wieder mehr Masernfälle in Deutschland - Gesundheitsexperten: Lage ist besorgniserregend

Bis 2020 sollte die Menschheit eigentlich von den Masern befreit sein - so der Wunsch der Weltgesundheitsorganisation WHO. Doch die Realität sieht anders aus. Weltweit steigen die Zahlen der Infektionen und auch der Todesfälle. Die Entwicklung in Deutschland ist laut Experten besorgniserregend.
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Immer mehr Menschen erkranken und sterben an Masern. Foto: Patrick Seeger/dpa
Immer mehr Menschen erkranken und sterben an Masern. Foto: Patrick Seeger/dpa

Die Weltgesundheitsorganisation(WHO) ist über die rasant steigende Zahl der Maserninfektionen alarmiert - und warnt vor einem Wiedererstarken der Masern.

Mehr Menschen sterben an Masern

2017 seien weltweit 30 Prozent mehr Fälle gemeldet worden als im Jahr davor, berichtete die Unterorganisation der Vereinten Nationen am Donnerstag in Genf. Rund 110.000 Menschen seien an der gefährlichen Infektionskrankheit gestorben - ebenfalls ein Anstieg von 30 Prozent verglichen mit 2016.

Erneuter Anstieg der Maser-Fälle in 2018

In diesem Jahr wiederum seien es schon bis November zehn Prozent mehr Fälle gewesen als 2017. Ursprüngliches Ziel war es, die Masern bis zum Jahr 2020 auszurotten. Die WHO ist skeptisch, ob das noch gelingt. Besorgniserregend sei auch die Entwicklung in Deutschland, erklärten WHO-Experten.

Die WHO führt den Anstieg auf erhebliche Lücken bei den Impfungen zurück. Masern seien 2017 auch in Ländern aufgetreten, in denen die Krankheit fast ausgerottet war. Eine flächendeckende, lückenlose Impfung sei dringend geboten, um Leben zu retten.

"Kein Zweifel, es gab seit dem Jahr 2000 riesige Fortschritte", sagte Martin Friede von der WHO-Fachabteilung Impfungen. Die Zahl der Ansteckungen sei seitdem um 85 Prozent zurückgegangen. 21 Millionen Menschenleben seien so gerettet worden, geht aus einer neuen Analyse aller Daten der WHO und der US-Gesundheitsbehörde CDC hervor.

"Aber wir werden Opfer unseres eigenen Erfolgs", so Friede. Weil viele Eltern in Ländern wie Deutschland kaum noch Masernfälle sähen, unterschätzten sie möglicherweise die Gefahr und handeln leichtsinnig. "Masern sind eine höchst ansteckende, bisweilen tödliche Krankheit mit vielen Komplikationen", warnte WHO-Impfexpertin Ann Lindstrand.

37 Staaten haben Masern eleminiert

Von den 53 Staaten der europäischen WHO-Region haben nach Angaben der deutschen Nationalen Verifizierungskommission Masern/Röteln (NAVKO) 37 die Masern eliminiert. Deutschland zählt nicht dazu. 2016 seien 325 Fälle gemeldet worden, im vergangenen Jahr 929, teilte die NAVKO im November mit.

2020, das war das große Ziel der WHO, sollte die Menschheit von ihnen befreit sein. Aber die Realität sieht anders aus. Die Erkrankungszahlen steigen wieder, in Amerika, dem östlichen Mittelmeerraum und Europa. In Deutschland, Venezuela und Russland wurde zudem die entscheidende Impfrate von 95 Prozent nicht mehr erreicht. Schuld sind nicht nur die viel gescholtenen Impfverweigerer. Sie sind eine bedauerliche Minderheit. Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie keinen ausreichenden Impfschutz mehr haben. Damit verhindern sie die Ausrottung der Masern.

2017 wurden weltweit 190.000 Fälle bekannt. 110.000 Menschen seien an Masern gestorben, die meisten davon Kinder, berichtet die WHO. Sie geht nach Angaben von Friede davon aus, dass nur ein sehr kleiner Teil des Anstiegs um 30 Prozent auf bessere Überwachung zurückgeht. Die Zahl der Fälle sei tatsächlich gestiegen. Die wahre Zahl der Fälle liege noch deutlich höher als die der gemeldeten: bei 6,7 Millionen weltweit.

Masern: Hauptsächlich Kinder sind betroffen

Masern sind laut "Ärzte ohne Grenzen" eine hoch ansteckende Krankheit, die durch ein Virus hervorgerufen wird. Hauptsächlich betroffen seien Kinder. Masern könnten zu schwerwiegenden gesundheitlichen Komplikationen wie Lungenentzündung, Mittelohrentzündung und Durchfall mit Dehydrierungsrisiko führen.

 



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