Tag für Tag tippen wir etwas in unser Smartphone ein, checken unsere Emails oder lesen die neuesten Schlagzeilen. Die Nutzung des Internets hat innerhalb weniger Jahrzehnte die Art, wie wir nach Informationen suchen und Medien konsumieren, komplett umgestülpt. Ebenso unsere sozialen Netzwerke und Beziehungen. Mit der Erfindung des Smartphones ist der Zugang zum Internet dazu mobil und allgegenwärtig geworden. Wie wirkt sich das auf unser Gehirn und unsere Leistungsfähigkeit aus?

Studie: Nutzung des Internets wirkt sich negativ auf kognitive Fähigkeiten aus

Mehrere renommierte Universitäten, darunter die Western Sydney University, die Harvard University und die Oxford University haben eine Studie durchgeführt, um diese Frage zu beantworten. Die Forscher stellen fest, dass sich die häufige Nutzung des Internets negativ auf unsere kognitiven Fähigkeiten, vor allem die Aufmerksamkeitsspanne auswirkt. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in der englischsprachigen Fachzeitschrift "World Psychiatry" veröffentlicht.

Anhand einer Kombination verschiedener Modelle aus Psychologie, Psychiatrie und der Neuro-Bildgebung analysierten die Forscher, wie das Internet die Struktur und Funktion des Gehirns und dessen Entwicklung beeinflusst. Schwerpunkte lagen dabei auf der Konzentrationsfähigkeit, dem Erinnerungsvermögen und der sozialen Wahrnehmung.

Das Internet verändert die Art, wie wir Informationen aufnehmen

"Die Ergebnisse zeigen, dass ein hohes Maß an Internetnutzung tatsächlich viele Funktionen des Gehirns beeinträchtigen kann. Zum Beispiel fördert der unbegrenzte Strom von Aufforderungen und Benachrichtigungen aus dem Internet eine ständige Aufteilung unserer Aufmerksamkeit ", erklärt der Forschungsbeauftragte Dr. Joseph Firth von der Western Sydney University in einer Pressemitteilung.

Das Internet verändert die Art und Weise, wie wir Informationen aufnehmen und verknüpfen. Multi-Tasking-Fähigkeiten werden angeregt. Aber die Fähigkeit, sich auf eine einzelne Aufgabe zu konzentrieren, verringert sich dabei. Denn ständig wird unsere Aufmerksamkeit von etwas neuem eingefangen.

Die unmittelbare Verfügbarkeit von Information führt zu einem schlechteren Gedächtnis

Die Tatsache, dass Fakten und Informationen nur noch ein paar Klicks entfernt sind, führt zudem zu einem schlechteren Gedächtnis. Durch den allgegenwärtigen und schnellen Zugang zum Internet wird die Art und Weise, wie wir Fakten und Wissen speichern, verändert.

Auch der Coburger Unternehmer Joshua Kohberg beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesundheit. Der "Digital-Held" sieht die Veränderungen in unserem Gehirn mit Besorgnis - vor allem bei Kindern und Jugendlichen.

Für Kinder schädlich, für ältere Menschen sogar förderlich

Die ersten Längsschnittanalysen zu dem Thema zeigen, dass sich das digitale Multi-Tasking vor allem bei Kindern und jungen Jugendlichen auf die Konzentration auswirkt. Zudem stellen die Forscher fest, dass eine häufige Internetnutzung über drei Jahre hinweg bei Kindern eine geringere verbale Intelligenz zur Folge hat und die Entwicklung von Nervenfasern hemmt.

Für ältere Menschen kann die Internetnutzung genau das Gegenteil zur Folge haben: Die Online-Welt stellt für sie eine neue Quelle der positiven kognitiven Stimulierung dar. Bei Senioren (55-76 Jahre) mit Onlineerfahrung wurden so bei der Internetsuche mehr neurale Schaltkreise stimuliert, als beim Lesen von Texten.

Das Internet beeinflusst die soziale Wahrnehmung und das Verhalten

Auch die gesellschaftliche Wahrnehmung wird stark vom Internet beeinflusst: Durch das Internet wird die gesellschaftliche Aktivität in der "realen"Welt verändert.

"Das Internet hat auf drastische Weise die Möglichkeiten sozialer Interaktionen und den Kontext, in dem Beziehungen stattfinden können, erweitert. Es ist schwierig zu erfassen, in welchem Ausmaß die Online-Welt unsere sozialen Funktionen tatsächlich beeinflusst und schwierig festzustellen, welche Aspekte unseres sozialen Verhaltens sich verändern werden und welche nicht", erklärt Firth.

Langfristige Folgen noch nicht bekannt

Wie uns das Internet in langfristiger Hinsicht verändert, ist allerdings noch ungewiss. Das World Wide Web ist schließlich erst seit knapp 30 Jahren für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Langzeitfolgen können also noch nicht zuverlässig erforscht werden.

"Die Ergebnisse dieser Studie betonen wie viel mehr wir über den Einfluss unserer digitalen Welt auf die psychische Gesundheit lernen müssen", sagt Dr. John Torous, Leiter des Programms für digitale Psychiatrie am Beth Israel Deaconess Medical Center in Harvard. "Es gibt sicherlich neue potenzielle Vorteile für manche Aspekte der Gesundheit, aber wir müssen sie gegen potenzielle Risiken abwägen."