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Experten klären auf

Mysterium: Warum gibt es so wenige Linkshänder?

Eine überwältigende Mehrheit der Weltbevölkerung ist Rechtshänder. Aber was hat es mit der Minderheit der Linkshänder auf sich? Eine Annäherung.
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Weltweit gibt es deutlich mehr Rechts- als Linkshänder. Symbolfoto: Mascha Brichta/dpa
Weltweit gibt es deutlich mehr Rechts- als Linkshänder. Symbolfoto: Mascha Brichta/dpa
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Albert Einstein, Leonardo da Vinci, Julia Roberts, Isaac Newton, Johann Wolfgang von Goethe, Charlie Chaplin - die Liste berühmter Linkshänder ist lang. Jedoch sehen sich Menschen, die ihre linke Hand als ihre starke bezeichnen und damit vorzugsweise Tätigkeiten ausführen, in der Minderheit. Die Schätzungen verschiedener Experten und Wissenschaftler bewegen sich zwischen einem zehn- und 15-prozentigen Linkshänderanteil weltweit. Rechtshänder sind folglich in der eindeutigen Überzahl. Am konkretesten wird dabei eine Studie der Universität Oxford, die von einem 90-prozentigen Rechtshänderanteil auf der Erde spricht.

Warum sind so wenige Menschen Linkshänder?

Die Frage, warum so wenige Menschen Linkshänder sind, kann pauschal nicht beantwortet werden. Allerdings haben Wissenschaftler bereits aufwendige Ursachenforschung betrieben und dabei zwei Faktoren identifiziert: Dem Neurologen Waldemar Schuster zufolge, bestimmen Genetik und Gewohnheit, welche Hand wir für unsere starke halten.

Genetik: So beeinflusst das Gengerüst die starke Hand

Grundsätzlich ist die linke Gehirnhälfte für logisches und analytisches Denken verantwortlich. Die rechte Hälfte des Gehirns steuert hingegen die Emotionen und Sinneseindrücke. Auffällig ist, dass das Sprachzentrum von Rechtshändern genetisch bedingt von der linken Hirnhälfte gesteuert wird. Bei Linkshändern steuert dies die rechte Gehirnhälfte, wie Schuster web.de sagte.

Gewohnheit: Wie beeinflusst das Gewohnte die Händigkeit?

Schuster spricht von "echten" Händern. Dabei kommt der zweite Faktor ins Spiel: die Gewohnheit. Um zu überprüfen, ob wir ein "echter Linkshänder" oder ein "echter Rechtshänder" sind, oder ob die starke Hand antrainiert wurde, wären Untersuchungen an den Hirnhälften nötig, wobei eine der Hälften betäubt werden müsste. Würde dabei das Sprachzentrum ausfallen, wäre klar, dass dieses von der betäubten Hirnhälfte gesteuert wird. Allerdings beinhalten operative Eingriffe wie diese ein enormes Gesundheitsrisiko.

 

Linkshänder

Aufschluss über diese Fragestellung brachte die eingangs erwähnte Studie der Universität Oxford. Das Forscherteam um Akira Winberg stellte fest, dass bei Linkshändern die linke sowie die rechte Gehirnhälfte miteinander kommunizieren. Die Annahme, dass diese autark voneinander arbeiten würden, widerlegt dieser Befund.

In Zukunft werden uns Fragestellungen rund um das Sprachzentrum weiter beschäftigen. Da die genetische Präposition und Beschaffenheit der Gehirnhälften möglicherweise stärker zusammen arbeiten als bisher angenommen, rückt der Aspekt der Gewohnheit weiter in den Fokus.

Hintergrund dessen ist Kritik an Umerziehung, die immer wieder aufkommt: In vergangenen Jahrhunderten wurden Linkshänder oftmals umerzogen. Vielerorts gehörte es zum guten Ton mit der "schönen", der rechten Hand zu schreiben. Die Psychologin Barbara Sattler teilt diese Kritik: "Es können verschiedene Schwierigkeiten auftreten. Manche umgeschulten Menschen haben mit Primärfolgen wie Konzentrationsstörungen zu kämpfen", erzählt sie der Berliner Zeitung. Nicht nur Umerziehung bezüglich der starken Hand kann gesundheitliche Probleme auslösen, sondern auch der Sonderfall "Beidhänder".

Sonderfall Beidhänder: Lernprobleme, Hyperaktivität und ADHS

"Die Händigkeit ist so eindeutig wie das Geschlecht", sagt Experte Frank Steinkopf im Gespräch mit n-tv. Dieser Aussage widerspricht allerdings eine Studie der britischen Universität Leicester. Drei von 1000 Menschen werden demnach als sogenannte "Beidhänder" geboren. Das heißt, diese Menschen können mit beiden Händen gleich geschickt agieren.

Diese Fähigkeit bedeutet einer Studie des Imperial Colleges aus London zufolge, dass mit der Fähigkeit beidhändig agieren zu können, Aufmerksamkeitsdefizite, Hyperaktivität, Lernprobleme und allgemeine psychische Probleme einhergehen. Forscherin Alina Rodriguez, die an der Studie mitgewirkt hat, ordnet das Risiko ein. "Beidhänder" hätten ein höheres Risiko an für diese Defizite. "Das sollten Eltern, Kinderärzte und Pädagogen von frühester Kindheit an berücksichtigen, wenn sie es mit einem beidhändigen Kind zu tun haben", erklärt die Wissenschaftlerin.

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