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Gesundheit

Wenn die "Männergrippe" wieder zuschlägt: Warum leiden Männer besonders schlimm?

Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Fieber: Wer sich mit dem Männerschnupfen infiziert, verwandelt sich schnell vom starken, selbstbewussten Mann in ein wimmerndes, leidendes Wesen. Aber ist es wirklich nur Einbildung, dass Männer eine Erkältung viel schlimmer trifft als Frauen?
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Entkräftet und leidend im Bett: Wenn die Männergrippe mal wieder Einzug gehalten hat, scheint das sonst so starke Geschlecht besonders stark zu leiden. Doch gibt es bei einer Erkältung wirklich Unterschiede zwischen Mann und Frau? Symbolbild: Christin Klose/dpa-tmn
Entkräftet und leidend im Bett: Wenn die Männergrippe mal wieder Einzug gehalten hat, scheint das sonst so starke Geschlecht besonders stark zu leiden. Doch gibt es bei einer Erkältung wirklich Unterschiede zwischen Mann und Frau? Symbolbild: Christin Klose/dpa-tmn

Wenn der Mann schniefend, leidend und entkräftet auf dem Sofa oder im Bett liegt und schwer krank zu sein scheint, ist die Diagnose klar: Ein typischer Fall von Männerschnupfen. Die weiblichen an Erkältung Erkrankten scheinen mit den Symptomen wie Husten, Schnupfen und Fieber viel besser und unempfindlicher umzugehen. Doch simulieren die Männer wirklich nur und baden einfach gerne in Selbstmitleid? Forscher erklären, warum beide Geschlechter tatsächlich unterschiedlich auf die Krankheitserreger reagieren.

Männergrippe: Was ist das genau?

Eine Männergrippe ist laut der Deutschen Familienversicherung die "übertriebene und überempfindliche Reaktion auf Symptome wie Husten und Schnupfen seitens männlicher Betroffener. Das Wort wird meistens scherzhaft gebraucht, um auf die übertriebene Wehleidigkeit bei einer leichten Erkrankung aufmerksam zu machen". Synonyme zur Männergrippe sind die Begriffe Männerschnupfen oder Männererkältung. Und genau das ist die Krankheit eigentlich - eine ganz normale Erkältung.

Unterschiedliche Reaktion des Immunsystems bei Mann und Frau

Aber wieso reagieren die meisten Männer trotzdem empfindlicher als Frauen auf die Erkältungssymptome? Im Durchschnitt sind Männer laut der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGMG) bei einer Erkältung nämlich drei Tage lang krank, Frauen lediglich eineinhalb Tage. Das liegt am Immunsystem, welches beim vermeintlich stärkeren Geschlecht anders funktioniert als bei Frauen.

Bekämpfung von Krankheitserregern: Spezifische und unspezifische Immunzellen

Die körpereigenen Immunzellen bekämpfen Krankheitserreger, wenn diese in den Körper eingedrungen sind. Es gibt zwei Arten dieser Abwehrhelfer: spezifische und unspezifische Immunzellen. Das weibliche Hormon Östrogen hilft bei der Vermehrung der spezifischen Immunzellen, die nur für die Bekämpfung einer spezifischen Krankheit wirksam sind und sich - je nach Krankheitserreger - millionenfach vermehren müssen, um diesen wirksam bekämpfen zu können. Da der Östrogenspiegel bei Männern niedriger ist als bei Frauen, können sich Viren beim weiblichen Geschlecht weniger schnell vermehren.

Testosteron hemmt die Immunabwehr

Genau gegenteilig wirkt sich das männliche Sexualhormon Testosteron auf die Immunabwehr aus: "Östrogen stimuliert das Immunsystem, Testosteron hingegen unterdrückt es. Das Immunsystem von Frauen reagiert deshalb schneller und aggressiver gegen Krankheitserreger als das von Männern", erklärt Marcus Altfeld vom Heinrich-Pette-Institut in Hamburg. Also: Je höher der Testosteron-Spiegel, desto mehr werden das Immunsystem und damit die harten Kerle geschwächt. Frauen erfreuen sich hingegen einer schnelleren, effektiveren und aggressiveren Bekämpfung von ungewollten Bakterien und Viren.

Auch bei Grippeviren unterschiedliche Immunabwehr

Doch nicht nur bei einer Erkältung, sondern auch bei der echten Grippe sind Unterschiede zwischen Mann und Frau erkennbar. In einer Studie hat der kanadische Forscher Kyle Sue herausgefunden, dass das männliche Hormon auch die Immunreaktion nach einer Impfung gegen die Influenza-Viren hemmen kann. Weiterhin sterben mehr Männer an der Grippe als Frauen und würden häufiger aufgrund der Erkrankung in eine Klinik eingewiesen.

Hormonhaushalt: Östrogengehalt auch genetisch bedingt

Auch genetisch lässt sich der unterschiedliche Gehalt der beiden Hormone Östrogen und Testosteron erklären: Frauen haben statt einer Kombination aus X- und Y-Chromosom zwei X-Chromosomen. Auf dem X-Chromosom liegen besonders viele Gene, die für Abwehrprozesse im Körper wie dem Ausbilden sogenannter "Killer-Zellen" verantwortlich sind.

Wieso gibt es diese Unterschiede zwischen Mann und Frau?

Über die Ursachen dieser Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es bisher nur wenige Forschungen. Eine mögliche Erklärung könnte in der Evolutionsgeschichte liegen: Der männliche Organismus investiert seine Energie eher in das Körperwachstum, den Muskelaufbau und die Bildung der sekundären Geschlechtsmerkmale und weniger in den Aufbau eines starken Immunsystems.

Der kanadische Forscher Sue ergänzt eine weitere Überlegung: "Auf der Couch liegen, nicht aus dem Bett aufstehen oder Unterstützung bei alltäglichen Aktivitäten zu erhalten, könnte auch evolutionäres Verhalten sein, das kranke Männer damals vor Raubtieren geschützt hat."

Männer kümmern sich weniger um ihre Gesundheit als Frauen

Zusammenfassend können also die hormonbedingten und geschlechterspezifischen Unterschiede in der Immunabwehr tatsächlich eine Rolle spielen, weshalb Männer bei einer Erkältung mehr leiden. Allerdings kümmerten sich Männer laut einem Informationsblatt der DGMG zur Männergesundheit auch weniger um eine gesunde Lebensweise und regelmäßige Arztbesuche sowie Vorsorgeuntersuchungen. Die Lebenserwartung eines Mannes läge daher mit 78 Jahren fünf Jahre unter den durchschnittlich 83 Jahren bei Frauen. Auch beim Händewaschen achteten die Frauen gründlicher auf die Hygiene, sie waschen sich durchschnittlich drei Mal so oft die Hände wie Männer und könnten sich dadurch auch nicht so schnell mit Keimen anstecken.

Kurzum: Männer können sich bei einer Infektion nicht gänzlich auf die Natur berufen - ihr Schicksal liegt zumindest zu einem Teil auch buchstäblich selbst in ihren Händen.

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