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Leben mit Demenz

Demenzerkrankungen beeinträchtigen die kognitiven Fähigkeiten und können Persönlichkeitsveränderungen hervorrufen
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Foto: Fotolia/Ocskay Mark
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Mit circa 1,6 Millionen Betroffenen und 40.000 Neuerkrankungen jährlich gehört Demenz zu den häufigsten Krankheiten in Deutschland. Sie tritt vermehrt im Alter auf, etwa zwei Drittel der Erkrankten sind über 80 Jahre alt. Hinter dem Begriff Demenz, der sich aus dem lateinischen demens: "verstandlos" ableitet, verbergen sich jedoch mehr als 50 verschiedene Krankheitsbilder, die je nach Ursprung der Erkrankung unterschieden werden können.

Findet die Erkrankung ihren Ursprung im Gehirn, liegt eine primäre Demenz vor. Hierbei nehmen die Nervenverbindungen im Gehirn ab und Nervenzellen sterben. Je nach betroffener Hirnregion werden Verhalten, Denken, Sprache und Orientierung von der Krankheit beeinflusst. Etwa 90 Prozent der Demenzerkrankungen sind primärer Natur. Hierunter fallen verschiedene Demenz-Arten. Die bekannteste unter ihnen ist Alzheimer. Rund zwei Drittel der Demenzkranken leiden unter der Krankheit, die ihren Namen dem Forscher Alois Alzheimer zu verdanken hat. Die Ablagerung von Eiweißen (Amyloid-Plaques) und fadenförmiger Zellbestandteile (Neurofibrillenbündel) im Gehirn sowie das stark verminderte Auftreten des Nervenbotenstoffs Acetylcholin führen zu einer Störung der Informationsweiterleitung zwischen den Nervenzellen. Schwierigkeiten in der Alltagsbewältigung aufgrund von Problemen mit dem Gedächtnis oder bei der Orientierung sind symptomatisch für die Erkrankung. Logisches Denken und die Beurteilung von einfachen Sachverhalten oder Situationen fällt Alzheimer-Patienten zunehmend schwer. Hat die Alzheimer-Demenz bereits ein Spätstadium erreicht, erkennen Betroffene ihre engsten Angehörigen nicht mehr.

Zerstörung der Nervenzellen

Die zweithäufigste Form der Demenz ist die Lewy-Körperchen-Demenz. Bei dieser Art von primärer Demenz, entdeckt vom Forscher und Nervenarzt Friedrich Lewy, werden die Nervenzellen vor allem in der Großhirnrinde und im Hirnstamm zerstört und die Bildung des Nervenbotenstoffs Dopamin ist verringert. Betroffene leiden unter optischen Halluzinationen und starken Schwankungen in ihrer Aufmerksamkeit und ihrem Konzentrationsvermögen. Weitere Symptome sind unwillkürliches Zittern der Hände in Ruhe und eine erhöhte Muskelspannung und -steifigkeit, die zu langsamen Bewegungen führt.

Ebenfalls zu den Demenzerkrankungen primärer Art gehört die vaskuläre Demenz. Sie zieht eine dauerhafte Schädigung der Nervenzellen im Gehirn nach sich. Dieses Krankheitsbild tritt auf, wenn das Gehirn, beispielsweise in Folge eines Schlaganfalls, eines Gehirntumors oder einer schweren Schädel- und Hirnverletzung, nicht ausreichend durchblutet und die Nervenzellen kurzzeitig oder über einen längeren Zeitraum mit zu wenig Sauerstoff versorgt wurden. Die Ursache hierfür kann ebenso eine Reihe mehrerer kleiner Schlaganfälle sein, die lange Zeit unbemerkt bleiben können. Symptome wie plötzliche Unsicherheit im Gang oder auftretende Inkontinenz können auf eine sogenannte Multi-Infarkt-Demenz hinweisen und sollten keinesfalls außer Acht gelassen werden. Rund zehn bis 15 Prozent aller Demenzerkrankungen sind vaskulärer Art.

Plötzliche Wesensveränderung

Bei einer frontotemporalen Demenz sind Nervenzellen im Stirn- und Schläfenbereich des Gehirns betroffen. Dieser Bereich ist für die Kontrolle der Gefühle und des erlernten Sozialverhaltens zuständig. Betroffene weisen deshalb nicht die typischen Demenz-Symptome wie Verwirrtheit und Orientierungslosigkeit auf. Vielmehr äußert sich die Krankheit durch ungewohnte Taktlosigkeit, Aggressivität, Teilnahmslosigkeit oder Verwahrlosung. Solche Veränderungen der Persönlichkeit und des zwischenmenschlichen Verhaltens lassen sich durch das Absterben der frontotemporalen Nervenzellen erklären.

Sekundäre Demenzerkrankungen werden anders als primäre Demenz durch äußere Einflüsse ausgelöst. Die häufigsten Auslöser für sekundäre Demenz sind Medikamente und Alkoholabhängigkeit. Andere Grunderkrankungen wie Depressionen, Schilddrüsenerkrankungen oder ein Vitaminmangel können ebenfalls zu einer sekundären Demenz führen. Da die Auslöser dieser Krankheitsbilder behandelbar sind, besteht im Falle von sekundärer Demenz Hoffnung auf Heilung.

Umfassende Therapie

Da die häufigsten Formen von Demenz, allen voran Alzheimer, primärer Natur und damit unheilbar sind, liegt der Fokus der Behandlung auf der Linderung der Symptome durch Medikamente. Ergotherapeutische Maßnahmen und Musiktherapien werden bei leichten und mittelschweren Demenzerkrankungen eingesetzt, um die geistige Leistungsfähigkeit zu verbessern und für ausreichend Beweglichkeit der Patienten zu sorgen. Zusätzlich wird durch eine medikamentöse Basistherapie versucht, den Verlauf der Krankheit zu verzögern und Symptome zu lindern. Antidementiva (Acetylcholinesterase-Hemmer) wirken gegen den zunehmenden kognitiven Verfall. Neuroleptika haben eine beruhigende Wirkung und helfen gegen die Begleitsymptome der Erkrankung. Durch Antidepressiva lassen sich die depressiven Verstimmungen von Betroffenen stabilisieren.

Obwohl die Forschung großen Aufwand betreibt, um wirksame Medikamente gegen Demenz zu entwickeln, gilt die Krankheit derzeit als nicht heilbar. Patienten wie Angehörige müssen im Falle der Diagnose Demenz lernen, mit der Krankheit umzugehen. Der erste Ansprechpartner im Falle einer Demenz-Diagnose ist in jedem Fall der behandelnde Arzt. Dieser kann Hilfseinrichtungen und Anlaufstellen in der Nähe nennen, an die man sich wenden kann. Dennis Tuczay

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