In Deutschland leiden laut Schätzungen von Experten rund fünf Millionen Menschen an neuropathischen Schmerzen. Die "Neuropathie", auch "Polyneuropathie" genannt, zählt damit zu den zehn häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. Bei lang anhaltender Problematik gestaltet sich die Behandlung zudem als äußerst schwierig. Forscher des Fraunhofer-Instituts haben Ergebnisse vorgelegt, die die Entwicklung von neuropathischen Schmerzen frühzeitig unterbinden könnten.

In den Händen und Füßen verspürt man ein unangenehmes Kribbeln, Taubheitsgefühle, Pelzigkeit oder gar ein Brennen: Den Experten des Fraunhofer-Instituts nach, können diese Symptome auf eine "Neuropathie", eine Erkrankung des Nervensystems hindeuten. Erstrecken sich die Schmerzen über mehrere Monate, so werden sie als chronisch bezeichnet. In diesem Fall sind sie nur schwer zu behandeln und Medikamente dagegen weisen oftmals starke Nebenwirkungen auf.

Neuropathie: Wodurch entstehen neuropathische Schmerzen?

Neuropathische Schmerzen entstehen durch eine Schädigung des peripheren oder zentralen Nervensystems. Zum peripheren Nervensystem gehören alle Nerven im Körper, ausgenommen die Nervenzellen im Gehirn und im Rückenmark.

Die Ursachen sind laut den Experten des Fraunhofer-Instituts vielfältig. So treten Missempfindungen oftmals nach Operationen oder Unfällen auf, wenn das Rückenmark dabei zu Schaden gekommen ist. Auch Phantomschmerzen lassen sich zu den neuropathischen Schmerzen zählen. Die häufigste Ursache für eine Erkrankung an Neuropathie ist Diabetes-Erkrankung. Rund 30 Prozent aller Diabetiker leiden an Neuropathie, so die Apotheken Umschau. Aber auch Nierenschäden und Nervenschädigungen durch toxische Substanzen wie Alkohol können eine Neuropathie auslösen, manchmal auch Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Borreliose oder HIV.

Ein für die Krankheit typisches Symptom ist eine Veränderung der Hautsensibilität. Betroffene empfinden mechanische Reize wie Hitze, Kälte oder Berührungen stärker oder kaum noch. Spätestens bei chronischen Schmerzen wird die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigt. Die Folge: Beruf und Freizeitbeschäftigungen können häufig nicht mehr wahrgenommen werden. Auch Gleichgewichtsstörungen, Unsicherheit beim Gehen, fehlende Muskelreflexe, Muskelschwäche bis hin zum Muskelschwund können durch Neuropathie auftreten.

Experten forschen an alternativen Therapien zur frühzeitigen Behandlung

Um die beschriebene Einschränkung der Lebensqualität zu verhindern, muss die Entwicklung der Nervenschmerzen so früh wie möglich unterbunden werden. Hier setzen die Forscher des am Institutsteil "Translationale Medizin und Pharmakologie (TMP)" des "Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie (IME)" im hessischen Frankfurt an. In mehreren Tests konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass verschiedene Fette, die als Signalmoleküle bei Verletzungen freigesetzt werden, die Entzündungsreaktionen an den beschädigten Nerven steuern.

"Die Nerven schlagen Alarm und setzen Lipide frei, um dem Immunsystem zu signalisieren, dass eine Verletzung vorliegt und die Ursache beseitigt werden muss", sagt Klaus Scholich, der am Projekt mitwirkte. "Bei neuropathischen Schmerzen werden die angelockten Immunzellen nach einiger Zeit zum Feind. Sie interagieren derart mit den Nerven, dass die betroffenen Areale permanent entzündet sind. Die Nervenschmerzen können nicht mehr abflauen, sie werden chronisch. Indem wir Signalwege unterbrechen, die Immunzellen anlocken, können wir die Schmerzen deutlich verringern", führt der Experte fort.

Durch den rechtzeitigen Einsatz von Schmerzmitteln wie "Ibuprofen" oder "Diclofenac" sei das möglich. Frühzeitig verabreicht, können diese die Herstellung des Lipids "Prostaglandin E2" stoppen und somit die Symptomatik eindämmen.

Erkrankung des Nervensystems: Forscher können Schmerzentstehung deutlich verringern

"Wir konnten die nachgeschalteten Mechanismen aufklären, die über Entzündungsreaktionen die Entstehung neuropathischer Schmerzen begünstigen", erklärt Scholich. Wenn herkömmliche Arzneimittel wie "Ibuprofen" nicht mehr wirken, können die Forscher den chronischen Schmerz durch bestimmte Antikörper bekämpfen beziehungsweise die Schmerzentstehung deutlich verringern.

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Dabei ist es jedoch ein Nachteil, dass diese Antikörper gespritzt werden müssen und die meisten Patienten dies als unangenehm empfinden. Aus diesem Grund arbeiten Scholich und seine Kollegen bereits an alternativen Wirkstoffen, die sich oral verabreichen lassen.

Ihre Ergebnisse haben die Forschenden in der renommierten Fachzeitschrift Journal of Biological Chemistry veröffentlicht.