Palmfette oder Palmöle befinden sich in Produkten, die in den Supermärkten und Discountern Deutschlands massenhaft verkauft werden. Seit Jahren warnen Umweltexperten vor Palmöl. Nun melden sich auch Verbraucherschützer zu Wort.

Gesundheit: Wie gefährlich ist Palmöl?

Für das Erntejahr 2018/2019 wird weltweit eine Menge von 75,5 Millionen Tonnen Palmöl prognostiziert. Zu dieser Einschätzung kommt das US-amerikanische Landwirtschaftsministerium. Das geerntete Palmöl, das insbesondere auf Ölpalmen-Plantagen in Indonesien, Malaysia und Thailand abgebaut wird, ist Bestandteil vieler Produkte, die auf Förderbänder in deutschen Supermärkten gelegt werden.

Bei der Raffination, also der Veredelung des Öls, verliert das Fleisch der Palmfrucht allerdings nicht nur seine geschmacklichen Eigenheiten, sondern es kommt zur Bildung von gefährlichen Fettsäuren. Verbraucherschützer sind deshalb alarmiert, wie eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Bayern zeigt. Die wichtigsten Erkenntnisse der Ernährungswissenschaftler im Überblick:

  • Im Vergleich zu anderen pflanzlichen Ölen, entsteht bei der Raffination von Palmöl ein höherer Anteil von Fettschadstoffen.
  • Dabei im Fokus: Sogenannte "3-Monochlorpropandiol-Fettsäureester" - kurz: "3-MCPD"
  • Die Experten weisen dabei vor allem darauf hin, dass diese Stoffe in zu hoher Dosis für Kinder gefährlich sein können.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat "3-MCPD-ester" auf eine Liste von potenziell krebserregenden Stoffen gesetzt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die europäische Lebensmittelbehörde (Efsa) haben deshalb eine Empfehlung formuliert, welche Menge an Palmöl verträglich ist. Diese beträgt zwei Mikrogramm je Kilogramm des eigenen Körpergewichts.

 

Ein Beispiel: Ein fünfjähriges Mädchen, das 16 Kilogramm wiegt, dürfte dieser Empfehlung nach 32 Mikrogramm Palmöl am Tag zu sich nehmen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass viele Kinder Produkte essen, die Palmöl beinhalten, warnt die Verbraucherzentrale vor überhöhten Dosen. In diesem Zusammenhang wurde der Palmöl-Gehalt von 26 beliebten Produkten untersucht. Das Ziel dabei: Die Ernährungsexperten wollten der Frage auf den Grund gehen, wie realistisch es ist, die Empfehlung der Behörden einzuhalten.

 

Dabei ist zu beachten, dass nicht alle Hersteller den Wissenschaftlern auf Anfragen geantwortet haben: 24 von 26 Herstellern gaben Auskunft, 23 davon ausführlich, indem sie einen Fragebogen ausfüllten. "Alete", eine der untersuchten Firmen, gab an, seit April 2019 ihre Kinderkekse komplett palmölfrei zu produzieren. In Franken wird bereits heute eine Alternative zum beliebten Schoko-Aufstrich "Nutella" produziert. Das Produkt kommt ganz ohne Palmöl aus.

 

Zwölf der befragten Hersteller machten gegenüber der Bayerischen Verbraucherzentrale genaue Angaben zum Gehalt an Fettschadstoffen. Der Grenzwert der Europäischen Union für "Gylcidol" wird dabei reihenweiße überschritten. Dieser beträgt 1000 Mikrogramm pro Kilogramm. Bei den "3-MCPD"-Werten, für die es allerdings noch keinen EU-Grenzwert gibt, gab es große Schwankungen zwischen den Vergleichsprodukten.

  • Leimer Backerbsen
  • Samba Kokos
  • Schwäbisch Knusperbrezel
  • Ritter Sport Joghurt
  • Croissants
  • Bissimo
  • Biobis Choc
  • Krunchy Erdbeere
  • Prinzen-Rolle
  • ja! Nougat Bits
  • Koala Kakao

Die Infografik der Verbraucherzentrale zeigt das Ergebnis des Vergleichs: Darauf werden zwei Werte verglichen. Der rote Balken des Diagramms zeigt den jeweiligen "Gylcidyl"-Wert und der blaue Balken zeigt den Wert für "3-MCPD".

 

 

Den absoluten Spitzenwert weist dabei "Ritter Sport Joghurt" auf. Die Schokolade liegt mit ihrem "3-MCPD"-Wert weit vor den anderen Produkten im Vergleich. Folgende Hersteller machten keine genauen Angaben über die Fettschadstoffe:

  • Alnatura Honigwaffeln
  • Aoste Stickado Mini-Salami auf Hähnchenfleisch
  • Lotus Biscoff Karamelgebäck
  • Mogli Dinkel-Laugenbrezeln
  • Mondelez Oreo Kekse
  • Rewe Beste Wahl Schoko Röllchen
  • Schwartau SchokoMac
  • Storck Mamba
  • Unilever Knorr Strauchtomatensuppe
  • WIHA Milchjumbo Waffeln mit Kokos-Milchcremefüllung
  • Zentis Nusspli

Gegenüber der Verbraucherzentrale betonten diese Hersteller jedoch, dass man die gesetzlichen Standards einhalte und bemüht um eine Minimierung von "3-MCPD" sei.

 

Experten rechnen durch: Zu viele Fettschadstoffe

Die Ernährungswissenschaftler nahmen die Angaben der Hersteller als Grundlage für ein Rechenexperiment. Dabei gingen sie von einer ungesunden aber typischen Ernährung für Kinder aus: Ein Knuspermüsli zum Frühstück, eine Suppe mit Backerbsen zum Mittag und als Snack am Nachmittag ein Stück Schokolade.

 

Das Ergebnis: Ein fünfjähriges Kind, das 18 Kilogramm wiegt, kommt dabei auf etwa 41 Mikrogramm "3-MCPD"-Fettsäuren statt der erlaubten 36 Mikrogramm.

Die Verbraucherzentrale Bayern fordert eine verbindliche Maximalmenge von "3-MCPD"-Fettschadstoffen in Produkten. Diese Regelung soll europaweit gelten: "Dies verpflichtet Lebensmittelhersteller zur Minimierung und erhöht die Sicherheit für Verbraucherinnen und Verbraucher. Gleichzeitig dienen Grenzwerte als Bewertungsgrundlage für die Lebensmittelüberwachung. Produkte mit erhöhten Werten an 3-MCPD können so aus dem Verkehr gezogen werden" heißt es im Marktcheck-Bericht.

Palmöl: Verbraucherzentrale gibt Tipps

Die Experten geben Verbrauchern Tipps für den Lebensmittelkauf:

  • Beim Lebensmitteleinkauf auf die Zutatenlisten achten und palmölfreie Produkte wählen.
  • Auch beim Frittieren können Fettschadstoffe entstehen. Frittierte Speisen daher nur gelegentlich verzehren.
  • Frisch gekochte und wenig verarbeitete Lebensmittel bevorzugen.
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Supermärkte im Vergleich: Das ist der günstigste

Mit einem Test-Einkauf hat inFranken.de getestet, welcher Supermarkt oder Discounter am günstigsten ist. Beim Vergleich von Aldi, Kaufland, Lidl, Rewe und Edeka zeigt sich, dass Discounter und Supermärkte nah beieinander liegen - mit einer Ausnahme.

 

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