• Was bedeuten Metastasen für den Krankheitsverlauf?
  • Können Cholesterinsenker Metastasen hemmen?
  • Cholesterinsenker nicht vorsorglich einnehmen
  • Was bringen die Ergebnisse für Krebspatienten?

Bis heute gibt es Mediziner*innen Rätsel auf, warum manche Menschen bei einer Krebserkrankung Metastasen entwickeln und manche nicht. Krebsmetastasen schränken die therapeutischen Möglichkeiten stark ein und verhindern in den meisten Fällen eine vollständige Heilung. Auf der Suche nach neuen Behandlungsmöglichkeiten haben Wissenschaftler*innen in einer Tierstudie entdeckt, dass ein cholesterinsenkendes Medikament (Statin) die Metastasenbildung einschränkte. Eine neue Hoffnung für Krebspatienten?

Was bedeuten Metastasen für den Krankheitsverlauf?

Im Gegensatz zu gesunden Körperzellen, die in ihrem festen Zellverband verbleiben, wachsen Tumorzellen auf zerstörerische Weise in das umliegende Gewebe ein und bilden weitere Tumorzellen. Einige dieser Zellen können sich aus diesem Krebszellverband lösen und wandern über die Blut- und Lymphbahnen durch den Körper. Dadurch gelangen sie in entfernter liegende Gewebe, können dort die Gefäßwände durchbrechen und sich ansiedeln. Mediziner*innen sprechen dann von Metastasen. Häufig wird auch gesagt, dass der Tumor "gestreut" habe. Dabei können Metastasen schon gleich zu Beginn der Krebserkrankung entdeckt werden, sie können aber auch erst im Laufe der Zeit nach Entfernung des Ursprungs- oder Primärtumors in Erscheinung treten.

Wann zeigen Metastasen ein Fortschreiten der Krebserkrankung an?

Werden Metastasen in Lymphknoten in direkter Nähe zum Primärtumor gefunden, wird dies nicht als Anzeichen einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung eingestuft. Ärztinnen und Ärzte sprechen hier von einem Befall der Lymphknoten. Dann ist das Ziel noch eine vollständige Heilung der Krankheit. 

Haben sich bösartige Tumorzellen jedoch in weiter entfernt liegenden Geweben eingenistet und dort Fernmetastasen gebildet, wird dies als ein Fortschreiten der Krankheit gewertet. Behandlungen ermöglichen zwar, dass die Ausbreitung eine Zeit lang aufgehalten wird. Dies hängt jedoch auch von den individuellen Tumoreigenschaften ab und wie viele Metastasen sich bereits gebildet haben. Allerdings ist in den meisten Fällen eine vollständige Heilung nicht mehr möglich

Können Cholesterinsenker Metastasen hemmen?

Ein Gen treibt den Metastasierungsprozess an

Möglicherweise können Statine auch die Metastasierung von Krebszellen hemmen. Professorin Ulrike Stein vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und Dr. Robert Preißner von der Charité berichten im renommierten Fachjournal „Clinical and Translational Medicine“ von neuen Forschungsergebnissen. Ulrike von Stein konnte mit einer Gruppe von Forschenden bereits vor über zehn Jahren ein Gen ausfindig machen, das bei menschlichem Darmkrebs den Metastasierungsprozess vorantrieb: das Metastasis-Associated in Colon Cancer 1-Gen (MACC1). Tumorzellen, die MACC1 im Übermaß exprimieren,  zeigten unter experimentellen Bedingungen ein erhöhtes Potenzial, sich zu vermehren, fortzubewegen und in andere Gewebe einzudringen. Die Medizinerin berichtet, dass einige Krebsarten nur streuen, wenn das MACC1-Gen besonders oft von Zellen produziert wird. Die bedeutende Rolle dieses Gens hinsichtlich Tumorwachstum und Metastasierung wurde laut Professorin Stein zudem in mehr als 300 Veröffentlichungen bestätigt. Neben Darmkrebs wurde der Mechanismus auch bei Magen-, Leber- oder Brustkrebs nachgewiesen.

In der neuen Studie wurde die hemmende Wirkung von Statinen entdeckt

Ein Forscherteam um Ulrike Stein und Robert Preißner führte zusammen mit Kolleg*innen am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg sogenannte Hochdurchsatz-Medikamentenscreenings durch. Dabei wurde die Wirkung von Medikamenten, die bereits eingesetzt werden, an Kulturen von Krebszellen getestet. Hier entdeckten die Wissenschaftler*innen unabhängig voneinander die hemmende Wirkung der Statine auf das Gen. Insgesamt sieben Medikamente, die unter anderem die Wirkstoffe Fluvastatin, Atorvastatin oder Simvastatin enthielten, konnten die MACC1-Expression in Zellen vermindern. Die Wirkung fiel jedoch unterschiedlich stark aus. Als die Wissenschaftler*innen die Medikamente gentechnisch veränderten Mäusen verabreichten, die das Gen in besonders hohem Maß exprimierten, wurde die Tumor- und Metastasenbildung fast ganz unterbunden. Die Hemmung funktionierte auch noch, als die Dosis auf die für Menschen übliche Menge verringert wurde. Im Rahmen dieser Tierstudien konnten die Forschenden somit experimentelle Belege erbringen, dass Statine die Produktion des MACC1-Gens hemmen und damit die Metastasenbildung einschränken können.

Cholesterinsenker nicht vorsorglich einnehmen

Hohe Blutfettwerte können auf Dauer die Gesundheit schädigen

Zu den wichtigsten Blutfetten zählen Cholesterin und Triglyzeride, die der Körper zum Überleben benötigt. Cholesterin stellt zum Beispiel einen wichtigen Bestandteil der Zellwände dar und ist an der Bildung von Gallensäuren und Hormonen beteiligt. Triglyzeride dienen dem Körper als Energielieferanten und Energiespeicher des Körpers. Überschreiten sie jedoch dauerhaft die festgelegten Grenzwerte, kann die Gesundheit  beeinträchtigt werden. So kann anhaltend erhöhtes LDL-Cholesterin Arteriosklerose der Herzkranzgefäße oder der hirnversorgenden Arterien begünstigen, indem es sich an den Gefäßwänden ablagert. Ein Herzinfarkt oder Schlaganfall kann die Folge sein.

Medikamente gegen zu hohe Blutfettwerte werden medizinisch als Statine, HMG-CoA-Reduktase-Hemmer (HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren) oder Cholesterinsyntheseenzymhemmer (CSE-Hemmer) bezeichnet. Sie sind verschreibungspflichtig und sollten nur nach ärztlicher Anordnung eingenommen werden. 

Wie wirken Statine?

In Deutschland werden Statine verordnet, die die Wirkstoffe Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Pitavastatin, Pravastatin, Rosuvastatin oder Simvastatin enthalten. Einige Wirkstoffe hemmen ein Enzym, das die Herstellung von Cholesterin (Cholesterinbiosynthese) unterstützt. Dadurch befindet sich weniger Cholesterin in den Zellen. Um den Mangel auszugleichen, produzieren Leberzellen mehr LDL-Rezeptoren, die ihrerseits vermehrt LDL-Cholesterin aus dem Blut in die Zelle schleusen. Somit sinkt die Menge an Cholesterin im Blut und deshalb kann sich weniger an den Zellwänden der Blutgefäße anlagern. Einige Medikamente können auch den HDL-Spiegel im Blut etwas anheben. 

Statine können Muskelschmerzen verursachen

In der Regel werden Statine von Patient*innen gut vertragen und können über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. In manchen Fällen können jedoch Muskelschmerzen, sogenannte Statin-Assoziierte Muskelsymptome (SAMS) auftreten. Zu einer der  gefürchtetsten Nebenwirkung, die allerdings sehr selten auftritt, gehört die Rhabdomyolyse. Hiermit wird ein Muskelverfall beschrieben, der bei ein bis drei Patienten pro 100.000 eintreten kann und akut behandlungsbedürftig ist. Außerdem können Menschen, die Statine einnehmen, in seltenen Fällen auch Magen-Darm-Beschwerden sowie erhöhte Leber- und Blutzuckerwerte entwickeln. Aus diesen Gründen sollten Statine auch nicht vorsorglich eingenommen werden und nur unter ärztlicher Kontrolle.

Wie könnten Krebspatienten von den Ergebnissen profitieren?

Vor dem Hintergrund, dass die meisten Krebspatient*innen nicht an ihrem Primärtumor, sondern an Metastasen versterben, kann ein metastasenhemmendes Medikament entscheidende Überlebensvorteile bieten. Bisher stehen die Wissenschaftler*innen jedoch noch ganz am Anfang, denn die Ergebnisse der Mausstudie können nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen werden. Es müssen nun klinischen Studien folgen, um zu beweisen, dass Statine in der Lage sind, die Metastasierung bei Patienten mit hoher MACC1-Expression hemmen oder sogar verhindern können. Die bisherigen Ergebnisse machen jedoch Hoffnung, besonders weil die Medikamente bereits zugelassen sind.

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Anlass zur Hoffnung gibt auch eine weitere Studie. Robert Preißner analysierte mit Forschenden der Universität von Virginia die Daten von 300.000 Patientent*innen, die bereits Statine einnahmen. Sie stellten fest, dass die Krebshäufigkeit in dieser Gruppe um die Hälfte niedriger lag als bei der Gesamtbevölkerung.

Allerdings wird, wie oben beschrieben, von einer präventiven Einnahme von Stationen abgeraten, da mit Nebenwirkungen zu rechnen ist. 

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