Alzheimer, Diabetes und Co. durch schlechte Mundhygiene? Ein Bakterium, das Parodontitis verursacht, ist womöglich auch an Volkskrankheiten wie Alzheimer, Diabetes und Herzinfarkten schuld. Der amerikanische Pharmakonzern Cortexyme in San Francisco (Kalifornien) testet derzeit ein Medikament, das Alzheimer stoppen soll, wie wize lifeberichtet.

Winziges Bakterium verursacht Schäden in den Organen

Mit neuesten DNA-Modellen konnten die Forscher nun einen bestimmten Keim an unterschiedlichen Krankheitsherden im Körper ermitteln: Bereits aus der Zahnmedizin bekannt, löst die Mikrobe "Porphyromonas gingivalis" Entzündungen an Zahnfleisch, Kieferknochen und Zahnhalteapparat aus.

In verengten Herzkranzgefäßen, im Gehirn von Alzheimerpatienten, Diabetespatienten, bei Darmkrebs, entzündeten Gelenken und Müttern mir Frühgeburten: Überall konnte das stäbchenförmige Bakterium, das hundertmal kleiner als der Durchmesser eines Haares ist, nun ebenfalls aufgespürt werden.

Neuste Forschungen geben Grund zur Hoffnung

Eine internationale Studie bestätigt diese Beobachtung laut Bild. In über 90 Prozent der Gehirne verstorbener Alzheimerpatienten sowie im Gehirnwasser lebender Betroffener fanden Forscher aus den USA, Australien und Polen den besagten Erreger. Mikrobiologe und Studienautor Jan Potemka verweist auf einen Zusammenhang mit vielen chronisch entzündlichen Krankheiten - bei Alzheimer sei man aber am nächsten dran zu belegen, dass die Mikrobe die Krankheit verursachen könne.

Testversuche: Erreger gelangt über Mundraum ins Blut

Bei einem Test wurden die Mundhöhlen von Mäusen mit dem Bakterium infiziert, worauf der Keim in die Gehirne wanderte und Alzheimer-ähnliche Schäden verursachte. Das Prinzip funktioniert auch bei Menschen: Durch kleine Verletzungen beim Essen, Zähneputzen oder Verwenden von Zahnseide gelangt die Mikrobe in den Blutkreislauf.

Laut Professor Thomas Kocher, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie, Endodontologie an der Universität Greifswald leiden gut 14 Prozent der 40-Jährigen und sogar 40 Prozent der 70-Jährigen an Parodontitis, die durch "Porphyromonas gingivalis" ausgelöst wird.

Regelmäßige Zahnreinigung soll helfen

Eine gute Mundhygiene ist unumgänglich, um das Bakterium zu bekämpfen. Dazu spielt neben der Zahnbürste auch Zahnseide oder Interdentalbürsten eine wichtige Rolle. Besonders die regelmäßige Reinigung der Zahnzwischenräume vermindere laut Kocher die Keimzahl erheblich: Bei Diabetespatienten sanken nach einer Paradontose-Behandlung die Blutzuckerwerte.

Auf dem Markt kursieren jedoch zahlreiche Zahnpflegeprodukte, die oftmals zu viel versprechen: Welche Zahnpasta besteht den Öko-Test?

Das neuerlangte Wissen eröffnet den Forschern in diesem Fall neue Möglichkeiten: Sie arbeiten nun an einer Impfung. Zudem wurde erfolgreich versucht, die Bakterien mit Blaulicht zu bekämpfen, erklärte die Immunologin Caroline Genco von der Tufts University (Massachusetts), Expertin für den Porphyromonas-Keim, der "BamS".

Das Medikament, das derzeit vom Pharmakonzern Cortexyme getestet wird, soll einen Giftstoff blockieren, der vom Porphyromonas-Bakterium hergestellt wird. Sollte es funktionieren, könnte es ein entscheidender Schritt im Kampf gegen Alzheimer sein.