• Krebs frühzeitig erkennen mit dem Galleri-Test
  • Mittels einer Blutprobe können 50 verschiedene Krebsarten erkannt werden
  • Die Hersteller versprechen Testergebnisse mit bis zu 99,5 Prozent Trefferquote

Der Kampf gegen den Krebs ist oft schon vor der Diagnose verloren. In vielen Fällen werden die Tumore zu spät erkannt und eine Behandlung ist kaum mehr möglich. Laut Robert-Koch-Institut überleben jährlich etwa eine halbe Million Deutsche ihre Krebsdiagnose nicht. Ein einfacher Bluttest aus Amerika könnte die Zahl zukünftig senken. Der sogenannte Galleri-Test verspricht die Erkennung von zahlreichen Krebsarten bereits vor den ersten Symptomen. 

"Liquid Biopsy": So funktioniert der Galleri-Test

Der in Kalifornien entwickelte Bluttest könnte ein echter "Gamechanger" in der Krebsbekämpfung werden. Daran glaub zumindest Amanda Pritchard, Chefin des National Health Service (NHS) in Großbritannien. Gegenüber dem britischen Nachrichtenportal BBC sagte sie: "Dieser schnelle und simple Bluttest könnte den Beginn einer Revolution in der Früherkennung und Behandlung von Krebs einleiten."

Doch wie funktioniert der Galleri-Krebs-Test genau? In unserem Blut zirkulieren Fragmente zerfallener Zellen. Diese frei herum schwimmende DNA wird auch cfDNA genannt und kann analysiert werden. Zerfällt eine Krebszelle, gelangen tumortypische Zellbestandteile oder Erbgut-Bruchstücke in unser Blut, die mittels des Galleri-Tests aufgespürt werden können. Dieses Verfahren wird auch Liquid Biopsy, also Flüssigbiopsie, genannt und soll laut Hersteller mithilfe einer einzigen Probe mehr als 50 verschiedene Krebsarten erkennen. 

Auch interessant: Diverse Lebensmittel können der Auslöser für Krebs sein. Die WHO warnt vor fünf "köstlichen Krebserregern".

Galleri-Test: Wie genau sind die Krebs-Prognosen?

Die Pilotstudie des US-amerikanischen Pharmaunternehmens GRAIL, die gleichzeitig die Entwickler des Galleri-Tests sind, umfasste 2823 Menschen, bei denen bereits Krebs diagnostiziert wurde. Außerdem gab es eine Kontrollgruppe mit 1254 Personen ohne Krebs, berichtet die Deutsche Presse-Agentur

Die Trefferquote des Bluttests variierte je nach Stadium des Krebses erheblich. Im frühen Stadium I konnten nur 16,8 Prozent der Tumore erkannt werden. Im Stadium II waren es 40,4 Prozent. Im dritten Stadium lag die Sicherheit der Krebsdiagnose bei 77 Prozent und im fortgeschrittenen Stadium IV bei mehr als 90 Prozent. Durchschnittlich erkannte der Galleri-Test also 51,5 Prozent der Fälle, in denen Krebs vorhanden war. 

Dies sei kein verwunderliches Ergebnis, sagt Krebsgenomforscher Holger Sültmann vom Deutschen Krebsforschungszentrum. "Kleine Tumore in frühen Krebsstadien geben in der Regel weniger DNA ins Blut ab und nur diese wird mit dem Test gemessen." Je fortgeschrittener der Krebs sei, desto mehr DNA würde abgegeben werden und desto wahrscheinlicher sei die Erkennung eines Tumors.

Galleri-Test erkennt gesunde Menschen zu 99,5 Prozent

Neben dem Krebsstadium würde auch die Art des Krebses das Ergebnis des Galleri-Tests beeinflussen. Für Speiseröhren-, Leber- und Bauchspeicheldrüsenkrebs lag die Gesamtempfindlichkeit bei 65,6 Prozent, bei Blutkrebs lag sie bei 55,1 Prozent. Brust-, Darm-, Gebärmutterhals- und Prostatakrebs wurden nur zu 33,7 Prozent erkannt. "Wahrscheinlich geben diese Tumore weniger DNA ins Blut ab", vermutet Sonja Loges, Direktorin der Abteilung personalisierte Onkologie des Universitätsklinikums Mannheim.

Auch interessant: Darmkrebs vorbeugen - dieses Vitamin könnte tausende Todesfälle verhindern

Während die Bestimmung von krebskranken Personen schwankt, scheint die Beurteilung eines gesunden Menschen tadellos zu funktionieren. Laut Studie sollen gesunde Menschen auch zu 99,5 Prozent als solche erkannt werden.

Bluttest wird in groß angelegter Studie überprüft

"Wenn sich das in größeren Validierungsstudien bewahrheitet, wäre das ein großartiger Befund", erläutert Krebsforscher Sültmann. Bei früheren Bluttests hätte man keine derart sicheren Ergebnisse erzielen können. Durch das Ausschließen einer Krebserkrankung bleiben Gesunden unnötige Folgeuntersuchungen erspart. 

Auch interessant: Mit der richtigen Ernährung kannst du dein Risiko für Krebs senken

Der Bluttest wird nun durch den Hersteller GRAIL in Kooperation mit der britischen Gesundheitsbehörde NHS erneut getestet. Der Galleri-Test soll an 140.000 freiwilligen Engländer*innen erneut geprüft werden. Dazu werden den Probandinnen und Probanden mehrere Blutproben über zwei Jahre hinweg entnommen. Die NHS hofft mithilfe des Bluttests die Überlebenschancen zukünftiger krebskranker Menschen zu erhöhen. 

Doch deutsche Expert*innen warnen: "So gut und fortschrittlich die Studie gemacht ist, bedeutet solch ein Test natürlich immer nur eine Momentaufnahme. Das berührt ein grundsätzliches Problem: Wann ist der beste Zeitpunkt für ein solches Screening und wie oft muss es durchgeführt werden?" All diese Fragen müssen vor einer Zulassung noch geklärt werden.

Ein Forscherteam aus Würzburg hat eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Sie könnte im Kampf gegen Prostatakrebs hilfreich sein. Ein bereits bekanntes Medikament sorgt für Zuversicht.