Kopfschmerzen sind ein wahrhaftes Übel - gerade Migränepatienten wissen das genau. Alltägliche Aufgaben, Arbeit oder auch Freizeitaktivitäten werden schnell zur Zerreißprobe. Das Robert Koch Institut führte dazu Ende 2019 bis Anfang 2020 eine Umfrage durch: Laut deren Stand leiden rund  57 Prozent der Frauen und 44 Prozent der Männer mindestens einmal im Jahr an Kopfschmerzen. Unter regelmäßigen Migräneattacken leiden sogar rund acht bis zehn Millionen Menschen. Vor allem in Bayern ist die Zahl der Erkrankten besonders hoch. 

Aus einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) geht nun hervor, dass trotz dieser großen Zahl an Betroffenen viele nicht die entsprechende Hilfe erhalten. Dies wurde auch im Fachblatt The Journal of Headache and Pain veröffentlicht.  Dafür wurden rund 1900 Menschen, die unter Migräneattacken leiden, einer Befragung unterzogen. Circa ein Drittel aller Befragten erhielt laut der Studienergebnisse keine sachgerechte Behandlung

Ein Drittel der Migränepatienten falsch behandelt - was läuft schief? 

Laut der UKE-Studie vergeht strikt zu viel Zeit, ehe ein Patient eine aussagekräftige Diagnose erhält. Die Betroffenen greifen meist zunächst zu gängigen Schmerzmitteln, was jedoch nur kurzzeitig zur Linderung beiträgt oder die Schmerzen sogar verschlimmern kann. Um den Schmerz langfristig in den Griff zu bekommen und vorzubeugen, ist der Gang zum Arzt oder Facharzt unerlässlich - doch auch damit ist den Migränepatienten nicht immer geholfen.

Die Studie zeigt, dass Betroffene ihren Arzt im Schnitt rund siebenmal aufsuchten, ehe sie sich schließlich an die Kopfschmerzambulanz des UKE wandten. Die Gründe für die unzureichende Behandlung sind bisher unklar. Vermutungen reichen von Spekulationen über mangelndes Wissen der Mediziner bis hin zu einem lückenhaften Bild über die Krankheit. Und das, obwohl erst vor Kurzem eine neue Leitlinie zu Behandlung und Vorbeugung von Migräne von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) veröffentlicht wurde. Darin geben Neurologen und Verhaltenspsychologen Handlungsanleitungen für Hausärzte, aber auch Fachärzte wie Internisten oder Schmerztherapeuten, auf Basis aktueller Studien.

Das Forschungsfeld auf dem Gebiet der Migräne ist eigentlich auf dem neusten Stand. Experten suchen laufend nach Möglichkeiten, um der Migräne auf den Grund zu gehen. Eine Behandlungsmethode ist dabei recht vielversprechend: die Migränespritze. Dennoch ist sich Privatdozentin Dr. med. Stefanie Förderreuther von der DMKG sicher, dass die Behandlungsmethoden sowie die Ansätze vieler Mediziner noch ausbaufähig sind. Dies geht aus einer Meldung der DMKG selbst hervor. Föderreuther würde sich selbst wünschen, dass Mediziner schneller eine medikamentöse Behandlung einführen würden, umso die Beschwerden ihrer Patienten zu lindern. Auch bestätigt sie, dass der Grundstein für die richtige Behandlung die Diagnostik ist. Migräneerkrankungen müssen demnach korrekt und schnell erkannt wie auch spezifiziert werden und dürfen nicht mit den Symptomen anderer Leiden verwechselt werden. 

Therapieansätze gegen Migräne: So funktioniert die Migränespritze

Durch den Einsatz von Antikörpern, die den sogenannten Schmerzrezeptor Calcitonin Generelated Peptide (CGRP) ausschalten, sollen Migräneschmerzen verhindert werden, schon bevor sie auftreten. Ähnlich wie bei einer Insulinspritze kann sich der Patient das Mittel nach einer kurzen Einweisung durch einen Arzt selbst verabreichen. Außerdem hat die Behandlungsmethode weniger Nebenwirkungen. Eine vorherige Absprache mit einem Arzt ist aber dennoch unverzichtbar.

Vor einer Eigentherapie mit Schmerzmitteln raten Experten übrigens strikt ab. Schmerzmittel würden die Symptomatik lediglich maskieren und keine wirkliche Lösung darstellen. Für den eigentlichen Grund der Symptome muss man wesentlich tiefer graben. Außerdem sorgen diese selbst oft für negative Begleiterscheinungen und können das Krankheitsbild und die Beschwerden eventuell sogar noch verschlimmern.